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Benefiz-Konzert : Ein erfolgreicher Premierenauftritt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die „Capella Convokata Niebüll“ spielte die drei ersten von sechs Kantaten des „Weihnachtsoratoriums“ von Johann-Sebastian Bach

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 18:22 Uhr

„Machet die Tore weit!“ Mit diesem Zitat aus dem adventlichen Psalm 24 hieß Pastorin Sylvia Kilian-Heins die Zuhörer in der voll besetzten Niebüller Christuskirche willkommen. Auf dem Programm standen die drei ersten von sechs Kantaten des „Weihnachtsoratoriums“ von Johann-Sebastian Bach, und zwar im Rahmen eines Benefizkonzertes zugunsten des sanierungsbedürftigen Südtores der Kirchengemeinde. Die „Capella Convokata Niebüll“, bestehend aus einem leistungsstarken Gemischten Chor und einem meisterlich aufspielenden Orchester, wurde von Hans-Werner Jürgensen souverän geleitet.


Erfahrene Künstler


Der Name des in dieser Besetzung erstmals öffentlich aufgetretenen Gesamt-Ensembles deutet auf dessen Entstehung hin: Hans-Werner Jürgensen hatte es „zusammengerufen“, indem er sich in seiner Familie und im Umfeld seiner einstigen Tätigkeit als hauptamtlicher Kirchenmusiker umgehört hatte, wer bereit und in der Lage sei, an dem Projekt vokal oder Instrumental mitzuwirken. Die Angehörigen des Quartetts der Vokalsolisten waren national und international erfahrene, mit der sakralen Musik bestens vertraute Sänger: Maria Jürgensen (Sopran), Friederike Schorling (Alt), Michael Connaire (Tenor) und Sönke Freier (Bass).

Bach befasst sich in seinem 1734/35 komponierten und erstmals in Leipzig aufgeführten Werk mit der Weihnachtsgeschichte auf zwei Ebenen. Zum einen lässt er den biblischen Text des Evangelisten wörtlich zitieren, also das Geschehen berichten. Zum anderen kommentiert er die Fakten durch bekenntnisartige Reflexionen in Form von Arien, Rezitativen und Choralstrophen. Die erstere Aufgabe überträgt er einem per Sprechgesang tätigen Tenor, die letztere dem – zumeist vom Orchester begleiteten – Chor oder den Gesangssolisten in unterschiedlichen Besetzungen. Michael Connaire übernahm beide Rollen, wobei er die Ereignisse mit klarer Stimme „erzählte“, sich zugleich aber auch als virtuoser Ariensänger bewährte, der (zum Beispiel bei „Frohe Hirten, eilet“) auch die rasantesten Koloraturen mit Leichtigkeit meisterte.

Auch die übrigen, gut aufeinander abgestimmten Gesangssolisten und die sie per Flöte, Violine, Oboe oder Fagott konzertant ergänzenden Solo-Instrumentalisten wussten sehr zu gefallen. Unterstützt wurden sie dabei durch die – eine unerschütterliche Sicherheit ausstrahle – Basso continuo-Gruppe, bestehend aus Truhenorgel (Jürgen Henschen) und Violoncello (Hans-Joachim Böhm). Der Chor zeigte, sauber intonierend, bei der Erledigung seiner Aufgaben ein ausgewogenes Klangbild auf und zelebrierte schlichte Choräle (etwa „Brich an, o schönes Morgenlicht“) wie auch mitreißende Sätze (wie „Jauchzet, frohlocket“) mit gleich starkem Engagement. Die beiden letztgenannten Kompositionen boten den durch Kesselpauken rhythmisch unterstützten, von Uli Kliem angeführten Team der Trompeter Gelegenheit, unbegrenzten Jubel zu verbreiten.


Starke Kontraste


Im Kontrast dazu wartete das Orchester zu Beginn der zweiten Kantate mit einer anrührenden, als „Sinfonia“ bezeichneten Hirtenmusik auf, um das Publikum auf die Situation der Hirten auf dem Felde einzustimmen. Zu weiteren Highlights des Abends zählten das Trost spendende Duett für Sopran und Bass „Herr, dein Mitleid“, die extrem ruhige und entspannte Alt-Arie „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh’“, der vom Bass hymnisch vorgetragene Satz „Großer Herr, o starker König“. Mit dem vom Chor mitreißend gestalteten Schlusssatz der dritten Kantate („Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“) endete das reguläre Programm des Konzertes.

Als dessen letzter, genüsslich ausgehaltener Akkord verklungen war, dankten die Zuhörer allen Mitwirkenden, ganz besonders aber Hans-Werner Jürgensen als demjenigen, der im Hinblick auf die organisatorische Vorbereitung und Leitung des Konzertes die Hauptverantwortung getragen hatte, mit lautstarkem und lange anhaltendem Beifall. Als temperamentvolle Zugabe rundete der zuletzt erklungene Satz das rundum gelungenen Konzert ab.

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