Gesundheit : Ein Bewegungsbad mit Polizeischutz

In Niebüll angekommen: Ein Kran nimmt die Wanne des Bades auf den Haken.  Fotos: wrege (2)
In Niebüll angekommen: Ein Kran nimmt die Wanne des Bades auf den Haken. Fotos: wrege (2)

Lieferung des Beckens für das Bewegungsbad im Klinikum Niebüll/ Schwertransport von Polizei begleitet / Finanzierung des Projekts steht

shz.de von
30. Juli 2015, 05:00 Uhr

Der Förderverein Kreiskrankenhaus Niebüll meldet einen weiteren Erfolg in seiner zwar noch jungen, jedoch erfolgreichen Geschichte: Gestern wurde das Becken für das neue Bewegungsbad geliefert und in seinen künftigen Standort im Erdgeschoss des Klinikums eingefahren. Jetzt folgen Einbau und Installation der ebenfalls bereits gelieferten Technik. Im Herbst soll das Bad in Betrieb gehen.

Wie es zur Erneuerung des Bewegungsbades kam, gilt als ein wohl weit und breit einmaliges Beispiel bürgerlicher Selbsthilfe. Das 1989 gebaute Bewegungsbad war in die Jahre gekommen. Die Technik war mittlerweile veraltet, die Wanne leck und die Einrichtung „rott“. Es wurde 2012 stillgelegt. Alle Abteilungen des Klinikums – von der Babystation bis zur Geriatrie – bekamen den Mangel zu spüren, die Patienten, die es zur Rehabilitation brauchten, auch. Dem Förderverein blieb der Mangel nicht verborgen. Doch zuerst stand das Projekt Außenfahrstuhl vornean. Es wurde von in ihrer Mobiltität eingeschränkten und älteren Patienten sowie überhaupt von Besuchern des Hauses als enorme Erleichterung begrüßt – und ein Riesenerfolg. Seit der Inbetriebnahme gegen Ende 2013 wurden 150  000 Bewegungen registriert.

Die Inbetriebnahme des Fahrstuhls war zugleich zielgerichtet das Signal für das ruhende Bewegungsbad. Zunächst erschreckten die Herstellungskosten – alles in allem 300  000 Euro. Es auf dem üblichen Weg herzustellen, hätte sogar 400  000 Euro erfordert. In einer einmaligen Finanzierungsaktion kamen schließlich bis heute 240  000 Euro zusammen: vom Förderverein 84  000, vom Krankenhausträger 50  000, von Privatpersonen 40  000, einem Einzelspender 15  000 und von 20 der 30 Kommunen Südtonderns 53  000 Euro. Für die noch fehlenden rund 60  000 Euro läuft eine Zwischenfinanzierung, über die Vereinsschatzmeister Werner Laabs keine Angaben machte – nur so viel, dass diese gesichert sei. Inzwischen wurden die Aufträge für Technik und „Badewanne“ vergeben. Die Technik kommt von der Firma Berkefeldt aus Celle, die Wanne, eine Stahl-Kunststoff-Kombination, von der Firma Weber in Minden/Westf. Insgesamt sind außerdem am Projekt Bewegungsbad 14 Gewerke beteiligt – mit einer Ausnahme einheimische Unternehmen. Einen Großteil der vorbereitenden und bevorstehenden Arbeiten leisten Mitarbeiter des Hauses unter Regie des technischen Leiters Ralf Wauer, der maßgeblich an Planung, Vorbereitung und Ausführung beteiligt ist.

Vom Klinikanbau, in dem sich das Bewegungsbad befindet, musste die Westwand entfernt werden. Durch die Öffnung wurde die Wanne gestern mithilfe eines Krans hineingeschoben. Das Mauerloch wird jetzt wieder geschlossen. Der Transport der 3,7 Tonnen schweren und vier mal 5,5 mal 1,3 Meter großen Wanne von Minden nach Niebüll erfolgte auf einem Tieflader – wegen der extrem breiten Ladung unter Polizeibegleitung.

Das Niebüller Projekt Bewegungsbad machte seinem Namen auch auf andere Art Ehre. Es bewegte die Patienten, Pflegekräfte, Ärzte sowie die Bürger und die lokale Politik. Vor allem aber waren die Vorstandsmitglieder Karl-Heinz Schmidt, Kurt-Heinz Jappsen und Werner Laabs in ständiger Bewegung, planerisch aktiv und „auf Akquise“ um das liebe Geld. Dank ihres Einsatzes schafften sie es, ihr bisher größtes Förderprojekt zu schultern, in Gang zu bringen und, wie man sieht, zum Erfolg zu führen. Ihre Bemühungen erreichten, rechnet man den ansonsten „normalen Weg“ eines solchen Vorhabens dagegen, einen Geldwert von 100  000 Euro. Insgesamt erbrachte der Förderverein Kreiskrankenhaus Niebüll für das Klinikum bisher geldwerte Leistungen von 1,2 Millionen Euro, die auch ein Gemeinschaftswerk widerspiegeln unter dem Motto: „Wir stehen zu unserem Krankenhaus.“

 
 

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