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Bauern beklagen : Ein Berufsstand in der Schieflage

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Klare Worte zum Neujahrsgespräch: Laut Vertreter des Bauernverbands ist die aktuelle Lage der Landwirte dramatisch

von
erstellt am 28.Jan.2016 | 11:36 Uhr

Woran liegt es, dass die Landwirtschaft unter der Preismisere sowie einem schlechten Image leidet? Diese Fragen stellten sich gestern rund 50 Gäste beim Neujahrsgespräch des Kreisbauernverbands Südtondern in der Nordsee Akademie. Kreisvorsitzender Wolfgang Stapelfeldt freute sich über die große Zahl der Teilnehmer – darunter Landrat Dieter Harrsen, Südtonderns Amtsdirektor Otto Wilke, Verbandsvorsteher Hauke Christiansen vom Zweckverband Wasserversorgung, Lecks zukünftiger Bürgermeister Andreas Deidert sowie die beiden Landtagsabgeordneten Astrid Damerow und Klaus Jensen. Dass das Gespräch auf ein derartiges Interesse stoße, zeige die Verbundenheit der Anwesenden zum Berufsstand.

Gleich zu Beginn der traditionellen Veranstaltung ließ Stapelfeldt dann aber die Katze aus dem Sack: „Leider kann ich heute im Gegensatz zu den Vorjahren nicht viel Gutes aus der Landwirtschaft vermelden“, bilanzierte er. Die wirtschaftliche Lage an den Höfen habe sich dramatisch verschlechtert. Viele Betriebe hätten große Existenzsorgen. „Die Agrarmärkte sind in fast allen Bereichen der Landwirtschaft weltweit festgefahren. Es ist zu viel auf dem Markt, deswegen sind die Preise schon seit Anfang 2015 im Abwärtstaumel.“

Gründe für diese unerfreuliche Lage gebe es viele. Unter anderem seien der Verfall der Erdölpreise, die Rezession in China, Währungsprobleme vieler Staaten sowie politische Eingriffe wie das Russland-Embargo dafür verantwortlich. Hinzu käme, dass Landwirtschaftsminister Robert Habeck den Bauern immer wieder neue Verordnungen und Gesetze vor die Füße werfe. „Ich nenne hier nur das Landesnaturschutzgesetz, die Pflanzenschutzmittelsteuer oder die Knickverordnung.“ Er, Wolfgang Stapelfeldt, stelle deshalb die Forderung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel der Landwirtschaft als einem von dem Embargo betroffenen Wirtschaftsbereich helfen müsse.

Zu dieser Preismisere käme aber auch die inzwischen übliche Stimmungsmache gegen die Landwirte. Dabei sei eine pauschale Verurteilung der Bauern als Umweltbelaster definitiv verkehrt. „Es heißt bei uns schon lange nicht mehr: Viel hilft viel. Beim Düngen und beim Pflanzenschutz oder im Stall wird konsequent nach dem Minimum des Einsatzes gesucht.“

Sönke Hauschild, Referent des Landesbauernverbands Schleswig-Holstein, vertiefte in seiner Powerpoint-Präsentation dann das Imageproblem der Landwirtschaft. Allein mit logischem Menschenverstand könnten jedoch die meisten Kritikpunkte der Verbraucher entkräftet werden. Der Konsument bevorzuge eine bäuerliche Idylle, wie sie scheinbar in den 60er Jahren existierte. Doch gab es sie je? Die Haltungsbedingungen der Tiere seien heute weit besser als damals. Der Mensch habe sich von der Landwirtschaft entfremdet. Und damit schwinde das Vertrauen in die Arbeit der Bauern. „Groß gilt uns Bürgern heute als Böse“, sagte Hauschild.

Transparenz sei notwendig, um die Verbraucher wieder an die Realität heranzuführen. Wie sieht es denn wirklich in den Ställen aus? Wie arbeitet ein Landwirt? Welche Mittel nutzt er? Das Schicksal der Bauern könne mit dem Werdegang der Tante-Emma-Läden verglichen werden. Etliche mussten schließen, weil dort nicht mehr genügend eingekauft wurde. „War Tante Emma Schuld? Hatte sie Gesetze nicht eingehalten, Mitarbeiter schikaniert, gelogen und betrogen?“ Nein – genauso wenig wie die Landwirte. „Vielleicht hatte es mit der Auswahl zu tun, eventuell mit der Frische, aber vor allem mit dem Preis“, betonte Hauschild. Die Moral der Konsumenten sei hoch – der Wille, etwas mehr Geld für Qualität auszugeben, aber äußerst gering. „Niemand von uns wollte Tante Emma aus dem Dorf drängen. Doch getan haben wir es alle“, so der Referent. „Und niemand will die Bauern heute aus dem Dorf drängen“, ergänzte dann Hauschild, ohne den Satz dann zu vervollständigen.

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