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Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 02:33 Uhr

Ein Auto für alle Dorfbewohner

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Nach dem „Dörpscampus“ nun auch ein „Dörpscar“: Die Gemeinde Klixbüll steigt mit einem Elektrowagen in das Carsharing ein

„Wir fahren mit dem Strom vom Deich – statt mit dem Öl vom Scheich.“ Unter diesem Motto, artikuliert von Stephan Wiese, geht Klixbüll als erste Gemeinde in Schleswig-Holstein das Unternehmen „Dörpscar“ an, wie die Klixbüller ihren Einstieg in die Elektromobilität nennen werden. Stephan Wiese, Projektmanager der „eE4mobile Genossenschaft eG“, und Werner Schweizer, Bürgermeister in Klixbüll, erläuterten, worum es bei diesem Unternehmen geht.

Bei dieser Art von Elektromobilität handelt es sich um das sogenannte Carsharing. Mit „Car“ handelt es sich in diesem Fall um ein Elektroauto – mit „Sharing“ um das Teilen. Man teilt sich ein Auto, statt es zu besitzen. Angesprochen sind Leute „ü 60“, die mobil bleiben wollen, sich aber kein neues Auto mehr anschaffen wollen und Haushalte, die ein Zweitauto brauchen, weil der Papa mit dem Auto auf Arbeit ist und Mama ein Auto für Besorgungen oder was auch immer braucht. Geeignet wäre dieses Sharing-Modell für ein Dorf ohne ÖPNV.

Halterin des E-Autos soll im Fall Klixbülls die örtliche Bürgerstiftung sein, aus der bereits 3400 Euro zweckgebunden für das E-Carsharing zur Verfügung und deren Start damit gesichert ist. Um teilnehmen zu können, muss man Mitglied dieses Projekts sein – für einen Mitgliedsbeitrag von monatlich fünf Euro pro Person oder acht Euro Familienbeitrag.

Das Auto („Renault Zoe“) wird vom Halter/Projektträger geleast und vom Benutzer geliehen. Die Leihgebühr beträgt (egal wie viele Kilometer gefahren werden) pro Stunde 3,50 Euro. Die Buchung des E-Autos erfolgt übers Internet, wobei Zeitfenster und Ziel angegeben werden müssen. Die vorher gebuchte Zeit muss bezahlt werden. Wer nicht selbst fährt, kann einen ehrenamtlichen Fahrdienst anfordern. Im Falle Klixbülls stehen bereits Ehrenamtler zur Verfügung.

Die Autoversicherung erfolgt durch den Halter/Träger.

Der Nutzer des Fahrzeugs „tankt“ entweder an der gewohnten Steckdose oder an der „Wallbox“ (Stromdose an der Wand) – und zwar Wechselstrom. In Nordfriesland sind aktuell bereits 182 E-Autos unterwegs – übrigens mit Schwerpunkt im Norden des Kreises. Im Kreisgebiet kann an 71 öffentlichen Ladestationen „Strom getankt“ werden, davon in Südtondern an zwölf Stationen. Die Standorte der Steckdosen sind im Internet unter www.lemnet.org zu finden. In Klixbüll sind zwei Ladestationen geplant: eine beim Bürgermeister, die andere wahrscheinlich am Dörpscampus. Stephan Wiese bietet für zwei bis sieben Tage Probefahrten an (04662/8912754).

Bürgermeister Schweizer ist überzeugt, dass das Modell Klixbüll schnell Nachahmung finden wird – und zwar vor allem in den Dörfern ohne ÖPNV. Die Abrechnung erfolgt über Gemeindebetreuer Dirk Pfeifer beim Amt Südtondern. Werner Schweizer geht davon aus, dass mit dem Vorhaben die Wertschöpfungskette aus der Windkraft verlängert werden kann. Die Gemeinde profitiere bereits aus der Windkraft. Jetzt stehe der Einstieg in die Elektromobilität bevor. Nach den Worten des Bürgermeisters soll jetzt ein Förderantrag an die AktivRegion gestellt werden. Im Mai, hofft er, könne der „Dörpscar“ starten – dann voraussichtlich im Beisein von Umweltminister Robert Habeck.

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erstellt am 03.Feb.2016 | 11:01 Uhr

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