Ärzte auf dem Land : Ein Ärztehaus für Leck

So wird das Lecker Ärztehaus aussehen.
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So wird das Lecker Ärztehaus aussehen.

Zwei Gemeinschaftspraxen wollen mit einem Neubau Raum für weitere Fachärzte in der Gemeinde bieten.

shz.de von
06. Februar 2018, 07:00 Uhr

Leck | Viele Hausärzte auf dem Land haben Probleme, Nachfolger zu finden, wenn sie in Rente gehen, da junge Ärzte meist eine Praxis in der Großstadt vorziehen. Die medizinische Versorgung auf dem Land könnte damit schon bald zum Problem werden. „Jeder dritte Hausarzt in Schleswig-Holstein ist 60 Jahre oder älter“, sagt Marco Dethlefsen von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KvSH). Die Herausforderung, junge Nachfolger zu finden, sei allerdings kein branchenspezifisches Problem, sondern betreffe auch beispielsweise Apotheken.

Damit auf dem Land gar nicht erst eine medizinische Unterversorgung entsteht, hält es der Pressesprecher für sinnvoll, wenn die Kommunen selbst aktiv werden. „Moderne Räumlichkeiten zu guten Konditionen anzubieten ist ein guter Weg. “

In Leck wir derzeit ein neues Ärztehaus gebaut. Bauträger ist allerdings nicht die Gemeinde, sondern die Gemeinschaftspraxis der Hausärzte Anackerstraße zusammen mit der augenärtzliche Gemeinschaftspraxis Dr. Heisler, Dr. Prüter und Dr. Klatt.

Bürgermeister Andreas Deidert betrachtet das Bauprojekt als „nicht zu unterschätzenden Zugewinn für die Gemeinde.“ Das Bauvorhaben bietet aus seiner Sicht viele Pluspunkte: „Ein großer Vorteil ist die zentrale Lage der Praxis mit einem großen Parkplatz unmittelbar davor und die Erreichbarkeit per Bus“, sagt der Bürgermeister. „Hinzu kommt, dass Patienten der Augenarztpraxis nun nicht mehr ganz bis nach Rendsburg fahren müssen, wenn bei ihnen Operationen notwendig sind. Diese können künftig dann auch direkt in Leck durchgeführt werden, was für unsere Gemeinde ein weiterer Zugewinn ist.“ Und, so die Hoffnung von Andreas Deidert, es kommen vielleicht auch weitere Fachärzte in das neue Ärztehaus nach Leck.

Nachdem in der Gemeinde im Jahr 2010 bereits drei Arztpraxen nicht mehr weitergeführt werden konnten und sich die Patienten auf die übrigen Praxen verteilen, platzt die Gemeinschaftspraxis Anackerstraße sprichwörtlich aus allen Nähten: Vier Ärzte kümmern sich hier gemeinsam um etwa 4 000 Patienten pro Quartal. Im Jahr 2012 wurde zudem die Praxis in Neukirchen, für die sich kein Nachfolger finden ließ, als Zweigpraxis von der Lecker Gemeinschaftspraxis übernommen. Zusätzlich eröffnete vor rund zwei Jahren eine Rendsburger Augenarztpraxis in dem Gebäude in der Anackerstraße eine Außenstelle, so dass dringender Bedarf an neuen und vor allem größeren Räumlichkeiten besteht.

Das neue Ärztehaus wird am Rathaus errichtet. Hier sollen zwei Praxen zu je 250 Quadratmetern entstehen: Im Erdgeschoss die Gemeinschaftspraxis für dann fünf Hausärzte – weitestgehend barrierefrei und mit einem Aufzug in die erste Etage. Auch die Zentrale für die Zweigpraxis in Neukirchen wird hier ihren Sitz haben. In der ersten Etage wird die Gemeinschaftspraxis der Augenärzte einziehen.

„Wir wollen auch für die kommenden Jahre gerüstet sein, da man nicht voraussehen kann, wie sich die ärztliche Versorgung auf dem Land entwickeln wird,“ sagt Dr. Thomas Maurer, der nicht nur Arzt in Leck ist, sondern auch Vorsitzender des Hausärzteverbands Schleswig-Holstein im Deutschen Hausärzteverband.

Das Staffelgeschoss bietet noch Platz für zwei weitere Praxen mit jeweils zirka 80 Quadratmetern. „Wir haben da noch keine Anfragen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es für einige Fachärzte als Zweitniederlassung durchaus interessant sein könnte“, berichtet Dr. Maurer.

Die Erdarbeiten haben vor kurzem begonnen, so dass die Bodenplatte in den nächsten Tagen geschüttet werden kann. „Wir wollen noch in diesem Jahr Eröffnung feiern“, zeigt sich der Mediziner zuversichtlich.

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