zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 15:54 Uhr

Ehrlicher Partner auf vier Pfoten

vom

"Emma" fördert das Selbstwertgefühl, die Persönlichkeitsentwicklung und das Verantwortungsgefühl der Kinder im Montessori-Haus

LECK | Emma begrüßt jeden im Montessori-Haus. "Wer bist du?", schnüffelt die Mischlingshündin an Hand und Beinen, nimmt Kontakt auf - und wendet sich wieder ab. Im evangelischen Kindergarten hat man sich längst an diese tierische Zuwendung gewöhnt: Seit Oktober vorigen Jahres arbeitet Emma, ganze zwei Jahre jung, als Besuchshund in der Seepferdchen-Gruppe.

Es ist nicht neu, dass Besuchshunde in Alten- und Wohnheimen gern gesehen sind. Auch in Kindergärten sind sie inzwischen mit von der Partie, aber anscheinend mehr in großen Städten. "In dieser Region weiß ich von solch einer Maßnahme nichts", meinte Bente Carstensen. Seit 16 Jahren arbeitet sie als Erzieherin im Montessori-Kinderhaus im Gutenbergring. Ihr Wunsch nach einem Vierbeiner war wohlüberlegt: "Wenn ich mir ein Tier anschaffe, dann soll es eine Aufgabe haben." Bente Carstensen wusste von der positiven Wirkung, die Hunde in Einrichtungen auslösen. Sie machte sich schlau, bevor sie Emma als Welpe nach Hause und dann versuchsweise mit zu den Drei- bis Sechsjährigen nahm. Natürlich musste der Bordercollie/Bernhardiner zunächst den Grundgehorsam erlernen, bevor er die Besuchshundeausbildung in Kropp starten konnte. "Emma musste beispielsweise den Umgang mit großen Menschenmengen üben", erzählt die Erzieherin. Seine Lektionen hat der Hund mit dem braunen und dem blauen Auge verinnerlicht: die wuselnden kleinen Menschenkinder stören ihn nicht - und wenn die Hundearbeit allzu stressig wird, legt sich die Dame mit den vier Pfoten auf ihre Decke. Bitte nicht stören!

Aber das wissen die Mädchen und Jungen längst. Sie sind vertraut im Umgang mit dem Hund und wissen unter anderem, dass er sehr empfindliche Ohren hat. Wie von selbst verringert sich die Lautstärke in der gesamten Gruppe. Die vielen Vorteile eines Besuchshundes bestätigt auch Kindergartenleiterin Bärbel von Stritzky: "Verhaltensauffällige und unruhige Kinder haben durch Emma andere Chancen, sich zu erden. Insgesamt hat sich dieses Projekt überaus positiv ausgewirkt."

Inzwischen kommt die Mischlingshündin drei Tage wöchentlich mit in die Einrichtung. Celine, Janneck und Nele freuen sich wie alle anderen Steppkes. Sie lassen Emma gern Bälle apportieren, spielen mit ihr das Hütchenspiel oder tollen draußen gemeinsam herum. Unbeaufsichtigt ist der braun-weiß-schwarze Mischling nie. Bente Carstensen bleibt seine Bezugsperson und ist da, falls ein Kind Emma versehentlich auf die Pfote tritt - oder der Vierbeiner im Spiel einem Lütten im Eifer des Gefechts am Bein kratzt. "Ein Hund bleibt ein Hund", gibt sie allen mit auf den Weg. Dazu gehört, das Lebewesen respektvoll zu behandeln, man darf es nicht ärgern, am Schwanz ziehen oder am Ohr zupfen.

Emma dankt es den Zweibeinern: Sie ist ein ehrlicher Partner, der bedingungslos vertraut, zuhört, niemals verbessert, verurteilt oder gar maßregelt. Sie vermittelt das Gefühl von Geborgenheit, Freude und Sicherheit. Emma fördert das Selbstwertgefühl der Kinder, ihr Selbstbewusstsein, die Persönlichkeitsentwicklung und ihr Verantwortungsgefühl.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen