Verdienst-Medaille : Ehre für den Ehrenmalsverein

Ehrende und Geehrte: Bürgermeister Wilfried Bockholt, Harro Limbrecht, Telse Limbrecht, Silke Tiedemann, Nommen Nommensen und Bürgervorsteher Uwe Christiansen.
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Ehrende und Geehrte: Bürgermeister Wilfried Bockholt, Harro Limbrecht, Telse Limbrecht, Silke Tiedemann, Nommen Nommensen und Bürgervorsteher Uwe Christiansen.

Die ehrenamtliche Initiative unter Vorsitz von Nommen Nommensen zur Pflege der Deezbüller Gedenkstätte erhält den Verdienstorden der Stadt Niebüll.

shz.de von
19. Januar 2015, 08:45 Uhr

Der Neujahrsempfang ist der erste große Feiertag, den die Stadt mit ihren Bürgern begeht. Gestern versammelten sich knapp 300 Niebüller und Gäste aus der Nachbarschaft in der Mensa der Gemeinschaftsschule, willkommen geheißen von Bürgervorsteher Uwe Christiansen und unterrichtet von Bürgermeister Wilfried Bockholt darüber, was das vergangene Jahr brachte und was sich die Stadt 2015 erhofft. Kreispräsident Heinz Maurus übermittelte den Niebüllern die Grüße des Kreises Nordfriesland.

Es ist längst Tradition, dass die Stadt verdiente Bürger und Einrichtungen ehrt. In diesem Jahr ist es der Verein zur Pflege des Deezbüller Ehrenmals. Der Bürgervorsteher händigte die Verdienstmedaille der Stadt dem Vereinsvorsitzenden Nommen Nommensen aus. Mit der Medaille würdigte die Stadt das ehrenamtliche Engagement Deezbüller Bürger um die Pflege und Unterhaltung einer Gedenkstätte, die an 104 in den beiden Weltkriegen gefallene Soldaten erinnert.

Wie Bürgervorsteher Christiansen berichtete, wurde der Ehrenmalsverein 1952 gegründet. Zwei Jahre später errichteten Deezbüller Firmen und Bürger im Obst- und Gemüsegarten des einstigen Pastorats das Ehrenmal. Initiatoren waren Dr. Peter Boysen, Pastor Paul Klappstein, Momme Andersen und Jochen Kühl. Dr. Boysen führte den Verein bis 1972. Seit 2007 ist Nommen Nommensen Vorsitzender. In der damals 600 Einwohner zählenden Gemeinde hatte es die Familie Jacob Petersen mit dem Verlust von fünf Söhnen besonders hart getroffen. Es habe im 2. Weltkrieg kaum ein Deezbüller Haus gegeben, in dem nicht getrauert wurde. Das alte Ehrenmal wird in Kürze Vergangenheit sein. Der Verein errichtete an der Apostelkirche eine neue Gedenkstätte, die am letzten Volkstrauertag eingeweiht wurde.

„Wir brauchen Menschen, die erkennen, was Not tut und beherzt zupacken“, erklärte der Bürgervorsteher. Bürgerengagement sei unverzichtbar. „Wenn wir Menschen ehren, die etwas geleistet haben, dann möchten wir auch, dass ihr Tun zur Nachahmung anregt.“ An Nommen Nommensen gewandt erklärte Christiansen: „Die Stadt möchte Ihnen mit der Auszeichnung zeigen, dass Ihr Einsatz nicht unbemerkt geblieben ist und Ihnen für Ihr Engagement danken.“

Nommen Nommensen zeigte sich erfreut und überrascht. „Wir bedanken uns für diese Ehrung und sind stolz darauf, dass die Arbeit unserer Vorfahren damit gewürdigt wird.“ Weil das alte Ehrenmal immer weniger wahrgenommen wurde, habe man seinen Standort jetzt verändert. Auf den demografischen Wandel anspielend, berichtete er, er sei gestern zum wiederholten Mal Großvater geworden – für junge Familien Grund, diesem Beispiel nachzueifern.

„Die Stadt und das, was sie ausmacht, sind wir alle.“ Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Bockholt seinen Rück- und Ausblick. Zum Befinden des Gemeinwesens Stadt wiederholte er einen Satz aus einem NDR-Interview, nach eigenem Bekunden ohne Hochmut und Selbstzufriedenheit: „Wir sind einfach gut.“

Aus 2014 listete der Bürgermeister eine Reihe von Blitzlichtern und Stationen auf. Das waren unter anderem die Umwandlung der Regional- in eine Gemeinschaftsschule, die neue Leiterin der ALS und die neue Trägerschaft der FPS sowie die Errichtung des Förderzentrums Südtondern. Aus dem städtischen Bauwesen lenkte er den Blick auf den fertigen 1. Bauabschnitt des Klärwerks, die sanierte Wehlenstraße, den „kompletten“ Ostring und die Erschließung des Baugebiets 57. Auf dem ehemaligen Hertie-Grund wachse etwas Neues. Aus dem Nachwuchs nannte er den Kinder- und Jugendbeirat – und aus dem Kreis der Älteren die, von denen Abschied genommen werden musste.

Die Stadt beteiligt sich am neuen Bewegungsbad in der Klinik, brachte B-Pläne auf den Weg und macht sich konkrete Gedanken über die Sportstätten. Sie freut sich über erfolgreiche Sportler – von Bezirks- bis zu Weltmeistern – und darüber, dass sie den Namen der Stadt weit über ihre Grenzen hinaus trugen. Der Bürgermeister nahm das FAG in den Fokus der Kritik und freute sich über den Start der schnellen Datenautobahn.

Für 2015 muss der Haushalt noch beschlossen werden. In diesem Jahr werden 1,3 Millionen Euro für den Betrieb der Kitas und Krippen zu Buche schlagen. Für die Sanierung der Begegnungsstätte sind 200  000 Euro erforderlich. Im Stadion soll ein Kunstrasen angelegt werden. Am TSV-Jugendheim nagt der Zahn der Zeit. Mit dem Friesenhof hat die Stadt nur noch einen gastronomischen Betrieb mit Saal. Es bauen sich Druck und Überlegungen für den Bau eines „Gemeinschaftshauses“ auf. Zu guter Letzt kündigte der Bürgermeister an, dass die Freiwillige Feuerwehr Niebüll-Deezbüll in Kürze ein neues Fahrzeug des Typs HLF 20 erhält.

Bockholt stellte klar, dass die Stadt Fremden gegenüber, gleich ob Flüchtling, Aussiedler oder politisch Verfolgter, aufgeschlossen ist – so wie früher schon viele Flüchtlinge hier eine Heimat fanden. Er lud ein zum „Runden Tisch Integration“ heute um 19 Uhr im Rathaus. Zu den jüngsten Ereignissen in Paris relativierte der Niebüller Bürgermeister seine Position. Zwar stehe er zur Pressefreiheit. Mit dem Satireblatt „Charlie Hebdo“ hingegen , das den Propheten Mohammed karikiert, gehe er nicht konform. Wobei er den Chef des Breklumer Jensen-Kollegs Friedemann Magaard zitierte, der kürzlich auf NDR 1 aus einem Brief des Paulus an die Korinther las, in dem es heißt: Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zu Guten.


Für die Jugendfeuerwehr, die die Gäste des Empfangs begrüßte und in die Mensa leitete, gab es Sonderbeifall. Für Imbiss und Service sorgte die Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern. Der Überschuss aus dem Getränkeverkauf kommt dem Deezbüller Ehrenmalsverein zugute.


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