„Een Säugling to veel“: Familiärer Zoff auf der Bühne

Im Dialog:  Jochen Hahntritt (Hans-Richard Schwarz) und            Hauke Säugling (Reiner Jacobsen)
Im Dialog: Jochen Hahntritt (Hans-Richard Schwarz) und Hauke Säugling (Reiner Jacobsen)

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04. März 2014, 17:55 Uhr

Nichts erfreut eine dörfliche Festgesellschaft so sehr wie ein von eigenen „Dörpslüüd“ selbst gespieltes Theaterstück. Dies weiß man seit langem auch in der Gemeinde Sprakebüll, wo eine quicklebendige Laienspielgruppe alljährlich ein Spiel einstudiert, um damit das Programm des Stiftungsfestes der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr zu bereichern und sich darüber hinaus zu Feiern auswärtiger Vereine oder Verbände „anheuern“ zu lassen. Dass die Laienspielerinnen und -spieler hierfür stets auf ein Spiel in plattdeutscher Sprache zurückgreifen, ist für sie als Sprakebüller Einwohner eine Selbstverständlichkeit.

Das in diesem Jahre vorbereitete Stück heißt „Een Säugling to veel“ und wurde geschrieben von Joachim Grabbe. Es erlebte dieser Tage in Paulsen`s Gasthof seine öffentlich Generalprobe, zu der auch die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr Enge-Sande eingeladen waren. Besonders lustig fanden auch einige Kinder den familiären Zoff auf der Bühne, vor der sie auf dem Fußboden Platz genommen hatten. Maike Pleger hieß alle Zuschauer humorvoll willkommen und stellte das Ensemble der Akteure vor: den Pensionsinhaber Jochen Hahntritt (Hans-Richard Schwarz), dessen Ehefrau Wiebke (Maike Pleger), beider Tochter Gesa (Birgit Jacobsen), deren Verlobten Knut Harmsen (Peter-Christian Petersen), das Stubenmädchen Tekla Maschenpieper (Annette Christiansen) sowie einen vermeintlichen Vertreter aus Flensburg (Reiner Jacobsen). Als „Toopuster“ waltete Jasmin Liedke ihres Amtes.

Die Handlung des Schwanks spielt sich in einer Hamburger Pension ab, einem gutbürgerlichen Familienbetrieb. Dort herrscht „dicke Luft“, verursacht durch eine Indiskretion des neugierigen Stubenmädchens, das sich zuweilen wie „etwas neben der Spur“ aufführt. Es liest heimlich zwei gerade zugestellte, an ihren Arbeitgeber adressierte Postkarten, die sie auf dem Tisch liegen lässt, so dass seine Frau ihn dort findet. Auf der einen wird der Besuch eines Vertreters angekündigt, auf der anderen dem Jochen Hahntritt mitgeteilt, „sein Säugling“ werde in Kürze bei ihm eintreffen. Er und seine Frau sollten sich bitte um ihn kümmern und ihn gut pflegen, weil dessen Mutter dazu nicht mehr in der Lage sei.

Fortan hängt in der Pension der Haussegen schief, denn Wiebke glaubt fest an einen Fehltritt ihres Mannes, will aber mit dessen „Bilöper nichts zu tun haben. Deshalb will sie sich sofort scheiden lassen. Auch steckt sie ihre Tochter mit ihrem Misstrauen an. Beide erinnern sich an einen länger zurückliegenden Ausflug ihrer Partner mit dem „Verein zum Schutze der Schmetterlinge“ und glauben, die Männer hätten sich in Wahrheit um „flotte Bienen“ gekümmert. Aus Mitleid mit dem erwarteten Säugling ringt Wiebke sich dazu durch, Strampler, Nuckelflaschen und Spielzeug für das Kleinkind zu besorgen.

Von einer durchzechten Nacht noch immer müde, erscheint Jochen Hahntritt am späten Vormittag im Büro. Auf die Vorwürfe der Damen des Hauses reagiert er mehr belustigt als verängstigt, weiß er doch: Der ständig herumlungernde Mann ist kein Vertreter, sondern der ihm zur Pflege anempfohlene Patensohn, der mit Nachnamen „Säugling“ heißt.

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