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Konzert : Earcraft: „Was für die ganz Harten“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Band aus dem Husumer Raum bot im Charlottenhof beim letzten After-Work-Konzert des Sommers mitreißende Rockmusik aus dem Bauch

Ihr Debüt als vierköpfige Formation – also in klassischer Rockbesetzung – gab die Band Earcraft aus dem Husumer Raum im Charlottenhof beim letzten After-Work-Konzert des Sommers 2015. Die Truppe der muskelbepackten Männer war bislang als fünfköpfige „Northband“ als Bringer auf Clubkonzerten unterwegs und auch beim Treene-Festival oder Waldheim-Open-Air aufgetreten. Die Umbenennung mag dazu geführt haben, dass der Saal erstmals nicht knallvoll war. Schade, denn die Band bot mitreißende Rock-Musik aus dem Bauch.

„Wir sind keine Coverband!“, betonte Bandleader Stefan Bauer aus Nordstrand, der die meisten Texte und die Gitarrensoli schreibt und auch komponiert. „Unsere Stücke entstehen dann bei der Probe, dazu tragen alle bei“, erklärte Bassist Christoph „Luppi“ Brockmann aus Bredstedt. Geübt wird im Wittbeker Studio von Jochen Ohl (Schlagzeug), dem Bruder von Gerd Jürgen „Shanger“ Ohl (Godewind). Der war schon mit 15 Jahren auf der Bühne und trommelte später unter anderem für Bands wie „Full House“ und „Wolfen“ (Micky Wolf von Rudolf Rock & die Schocker). Bernd Ehrhard (Keybord) gab als Tastenkönig den kleinen Wirbelwind mit überraschenden Zuckungen. Mit „Alles auf Anfang“ drehte Earcraft gleich zu Beginn mächtig auf. Ein deutscher Text, der sich mit einem Neubeginn auseinandersetzt; persönliche Dinge, authentisch umgesetzt.

Ganz ohne Coversongs ging es aber doch nicht. Diese passten jedoch gut in das Gefüge der eigenen Stücke. Während Rory Gallaghers „Do you read me“ stimmlich noch gut zu bewältigen war, war der berühmte „Moondance“ von Van Morrison vielleicht eine Nummer zu groß. Stefan Bauer kam gesanglich wesentlich besser bei ruhigeren Stücken wie „Heart is strong“ zur Geltung. Das Publikum applaudierte heftig, wenn sich die Band zu einem wahren Rock-Kraftwerk formierte; lange Gitarrensoli sich mit Keyboardkaskaden ablösten; der harte Beat vom Schlagzeug in Kontrast zum knalligen Sound des Basses in die Ohren hämmerte. „Sind wir zu laut?“ – die Frage ans Publikum endete unentschieden. Mit „Mystify“ von INXS gab es die entscheidende Signale ans zentrale Nervensystem: Kenn ich, also tanz ich!

Ein richtiger Hammer aber war der gewaltige Song „Tobacco Road“. Als Vorbild diente die 14-minütige R&B-Version mit Soul-, Funk- und Jazzelementen von Eric Burdon & War aus dem Jahr 1970. Hier kamen alle Musiker perfekt zur Geltung, ein echter Genuss direkt vor der Pause. Im Anschluss ging es weiter mit überwiegend eigenen Stücken zu den Themen Liebe, Leid und Trennungsschmerz wie „I believe in you“. Die Songs sind in den vergangenen zwei Jahren entstanden, belegen die Ansage der Musiker, ihren eigenen Stil in den Vordergrund zu stellen, nicht beliebig nachzuahmen. So gab es am Ende viel Beifall und zwei Zugaben. Getreu der Aussage von Sänger Stefan Bauer: „Rockmusik am Mittwoch, das ist was für die ganz Harten!“

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erstellt am 28.Aug.2015 | 12:24 Uhr

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