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Nordfriesland Tageblatt

23. November 2017 | 04:57 Uhr

Sport : Durchstarten statt zurückziehen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mittwochs treffen sich Turner jeden Alters in der Evangelischen Familienbildungsstätte zum Training

von
erstellt am 12.Apr.2014 | 05:45 Uhr

„Ich mache seit 17 Jahren mit. Sonst wäre ich nicht mehr so beweglich“, berichtet Helga. Die Dame ist 86 Jahre jung und fit wie ein Turnschuh. Mittwochs trifft sie sich morgens um 8.15 Uhr mit ihren Mitturnern in der Evangelischen Bildungsstätte. Wie auch heute. Der große Gruppenraum ist mit allerlei Gerät ausgestattet. Gymnastikmatten, Medizinbälle, die wegen ihrer Form „Egg-Balls“ genannt werden, sowie an den Wänden befestigte Zugseile, die sogenannten Tubes, gehören dazu. Und Stabi, ein Gerät aus dem medizinischen Bereich, das tausende von Kleinmuskeln aktiviert, gehört dazu.

„Wir trainieren die Beckenmuskulatur, und schnacken können wir auch noch dabei“, ruft Diplom-Sportlehrerin Ute Böhm fröhlich in die Runde. Die 66-Jährige ist Kursleiterin und Vorturnerin. Für die leichte Aufwärmphase hat sie sich heute als Motivationsmusik den „Bolero“ von Maurice Ravel ausgesucht. Die Übungen wechseln ab, Tempo und Intensität steigen mit der Musik. „Bauch und Po anspannen“, ruft die Wahl-Fahretofterin. „Wichtig ist der Rücken. Wir sind wie die Mauerer. Der Sockel wird vernünftig gebaut.“

Der Egg-Ball ist universell einsetzbar. Die Teilnehmer machen mit seiner Hilfe ihre Übungen sitzend, nutzen ihn bei Liegestützen als Unterlage und bei der Stärkung der Arme. „Hände in die Luft, nach rechts ... und nach links ...“, ruft Ute Böhm. „Wir sind meines Wissens die ersten in Schleswig-Holstein, die den Egg-Ball einsetzen“, ergänzt sie stolz.

Welches Ziel hat der Kursus? „Die Teilnehmer lernen, mit einfachen, effektiven Mitteln vernünftig zu trainieren – auch zuhause“, sagt Ute Böhm. Doch das ist längst nicht alles. „Wichtig ist, dass die Kursteilnehmer aufgeschlossen sind.“ Die Gruppe ist gemischt: Das betrifft sowohl das Alter (30 bis 80 – und eben auch darüber), das Geschlecht als auch die Herkunft der Teilnehmer. Auch Asylbewerber machen mit. Ute Böhm: „Sie sollen die Chance haben, sich einzubringen.“ Und das kommt an. Zwei Männer aus Tschetschenien, erst seit vier Monaten Gäste in Niebüll, machen regelmäßig mit. Sie sind integriert, in der Gruppe beliebt, überhaupt wirkt der ganze Kursus wie eine große Familie. Es wird gelacht, gewitzelt – und gemeinsam geschwitzt. Ute Böhm: „Die Alten sind Vorbilder für die Jungen – und umgekehrt. Alle lernen voneinander.“ Und: „Sie haben den Mut, noch einmal durchzustarten, wo andere sich aus dem Leben zurückziehen.“ Seminare für extrem korpulente Menschen, „die ganz Kräftigen“, ergänzen das Programm. „Ich hasse Begriffe wie XXL“, sagt Ute Böhm.

Die Abteilungsleiterin der Familienbildungsstätte, Kornelia Klawonn-Domin, ergänzt: „Jeder soll die Möglichkeit haben, die von uns angebotenen Kurse zu besuchen.“ Bei der ideellen und finanziellen Umsetzung hilft der vor drei Jahren gegründete Freundeskreis der Evangelischen Familienbildungsstätte Niebüll mit seinen 30 Mitgliedern, an der Spitze Brigitte Reuther. Der Verein ermöglicht Kindern und Erwachsenen aus sozial schwachen Familien, die Angebote wahrzunehmen, und hilft bei der Anschaffung der Geräte. Kornelia Klawonn-Domin: „Wir sind in unserem Gymnastikraum besser ausgestattet als so manche Turnhalle.“

Fünf fest angestellte Mitarbeiter bilden das Rückgrat der Einrichtung. In den Kursen werde pure Lebensfreude vermittelt – geistige und körperliche Motivation, sagt Kornelia Klawonn-Domin. „Wir haben ein Riesenangebot, arbeiten sozialraumorientiert, und wir leben von der Vernetzung. Ute Böhm ist eine tolle Seminarleiterin. Ich bin jedes Mal fasziniert, wenn ich sehe, wie fröhlich die Leute aus dem Kursus kommen.“

Erna Prehn (78) aus Süderlügum erklärt, warum das so ist: „Es macht Spaß, es bringt uns was, es tut gut, und es wird nie langweilig.“

 

Die Evangelische Familienbildungsstätte befindet sich in der Uhlebüller Straße 22. Sie ist montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr unter Telefon 04661/9014-110 zu erreichen.

 

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