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Serie: Bürgermeister Südtonderns : „Durch die Windmühlen können wir uns vieles leisten“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In einer Interviewserie stellen wir alle 30 Gemeinden Südtonderns vor: Der Bürgermeister von Westre macht den Anfang.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 10:04 Uhr

Westre | Herr Hansen, was macht ihre Gemeinde so besonders? Warum sollte jeder nach Westre ziehen?

Also erstmal muss ich sagen, es muss gar nicht jeder nach Westre ziehen. Nur jeder der will. Wir sind ja keine Großgemeinde,die ohne Ende Platz hat. Wir dürfen nur ganz wenige Bauplätze anbieten. Jeder kann hier gut und gerne hinziehen, der sich in unsere Dorfgemeinschaft einbringen möchte. Die Jüngeren, die hier her ziehen, die tun das auch. Die älteren Zugezogenen eher nicht. Eine Besonderheit ist unsere Dorfrechnung. Vor ein paar hundert Jahren gab es ja große Unterschiede auf den Dörfern, wer was zu sagen hat und wer nicht. Einmal im Jahr wurde eine Dorfrechnung gemacht und niedergeschrieben in einem Buch. Die Leute haben die Wegränder gepachtet, um dort ihre Tiere zu hüten, weil sie sonst kein Land hatten. Das macht heute natürlich keiner mehr, aber das Ritual haben wir beibehalten. Wir haben nur noch die Gaudi vom Verpachten, mit einem Auktionator, der das Ganze auch immer ganz besonders schürt. Jeder darf bieten und der Preis wird dann in die Höhe getrieben. Das findet im Waldkrug statt und ist immer ein schönes Fest. Das alte Buch, das haben wir immer noch. Da schreiben wir wichtige Dorf-Ereignisse rein. Zum Beispiel, dass Windmühlen gebaut wurden.

Was muss unbedingt verändert oder auf den Weg gebracht werden?

Es werden über mehrere Strecken Radwege beantragt. Zum Beispiel die Landesstraße von Flensburg oder die von Süderlügum, Ladelund. Den Radweg vom Ortskern Richtung Süderlügum haben wird ja bereits gebaut. 1,6 Kilometer Radweg, die viel mehr genutzt werden, als wir das gedacht hätten. Das wollen wir weiter ausbauen. Außerdem setzten wir uns dafür ein, dass wir weiterhin Windmühlen haben können. Wir hatten ja Eignungsflächen und die sind uns aberkannt worden. Und wenn das so bleibt, dann haben wir in zehn Jahren keine Windmühlen mehr. Das möchten wir natürlich nicht, weil alle Bürger daran beteiligt sind. Es wird von vielen Nachbargemeinden, die keine Mühlen haben, immer beklagt, dass sie nichts von unseren Mühlen hätten. Das stimmt aber nicht, denn wir haben ja viele Schulverbände. Und die finanzieren sich immer teils über die Schülerzahl, aber die zweite Hälfte wird über die Finanzkraft der Gemeinden bezahlt. Und die Gemeinden, die Windmühlen haben, haben eine stärkere Finanzkraft und zahlen den doppelten Teil in eine Schule ein, als die ärmeren Gemeinden. Und auch der Amtshaushalt ist so aufgestellt, dass die starken Gemeinden einen wesentlich höheren Anteil bezahlen. Wir möchten, dass die Landesregierung die bisher bestehenden Eignungsflächen, die übrigens voll in der Gemeinde akzeptiert sind, weiterhin als Eignungsflächen anerkennt. Das wäre unser Traum.

Wie ist die Altersstruktur in Westre und gibt es genügend Angebote und Möglichkeiten für die jeweiligen Altersgruppen?

Wohnen hier ist nicht altengerecht, trotzdem ziehen die Alten nicht weg. Ich glaube, weil man heute mobiler ist. Alle haben einen Führerschein. Uns fährt der Bürgerbus Ladelund an. Den kann man auch anrufen und der holt einen ab. Viele Ältere ziehen sogar hier hin, wegen der Luft, der Familie oder, um in der freien Natur zu wohnen. Aus Bremen, einer aus Frankfurt. Aber wir sind nicht überaltert, weil auch viele junge Leute herziehen oder wiederkommen. Das ist ganz gut ausgeglichen. Um genügend Angebote zu schaffen haben wir ja unseren Kulturausschuss.

Einen Moment oder eine Situation an die sie denken: Darum bin ich Bürgermeister geworden.

Das sind natürlich Erfolgserlebnisse. Und das ist der Bau unseres Radweges und der Bau der Windmühlen. Das sind die zwei Highlights. Die waren einschneidend für das ganze Dorf. Erst kamen die Windmühlen, dann konnte man sich was erlauben.

Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?

Oft kriegt man zu hören: „Aber mach das doch so oder so“. Aber es ist eben nicht alles so einfach. Da sind so viele Vorschriften und Paragrafen. Das ist wahnsinnig zäh und schwierig, Projekte in Gang zu kriegen. Das ist das, was richtig nervt.

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