Süderlügum : Dünen weit weg vom Meer

Zur Pflege der Landschaft werden Schafe eingesetzt.
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Zur Pflege der Landschaft werden Schafe eingesetzt.

1938 wurde die Fläche unter Schutz gestellt und bietet heute eine Vielfalt an Fauna und Flora

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07. September 2011, 07:56 Uhr

Süderlügum | Sanddünen weit ab von der Küste: Darüber wundern sich häufig die Teilnehmer der Exkursion durch die Süderlügumer Binnendünen. Vor dem Streifzug durch das Gelände, das einen Eindruck von der ehemals weiten kargen Heidelandschaft in der Region vermittelt, steht daher erst einmal ein Ausflug in die Historie. "Die großflächigen Sandaufwehungen lagen in grauer Vorzeit keineswegs an der Nordsee, wie häufig angenommen wird", erklärt Biologielehrer Dr. Uwe Sörensen. "Die Dünen entstanden durch Flusssandverwehungen nach der letzten Eiszeit vor rund 10000 Jahren".

Die Exkursionsteilnehmer staunen und erfahren, dass der Rand der Gletscher, die sich am Ende der Eiszeit zurückzogen, 30 Kilometer östlich von Süderlügum lag. Dort habe das Schmelzwasser stromabwärts Urstromtäler wie das der Wiedau gebildet, die auf ihrem Weg Sand- und Geröllmassen ablagerten. Dr. Sörensen: "Es gab ja noch keine natürliche Vegetationsdecke, die die sandigen Böden hätte schützen können." Der Wind habe den Sand verweht, sodass auf dem Geestrücken eine Binnendünenlandschaft entstanden sei. Mit der Zeit habe Wald die Dünen und Flächen bedeckt. "Die frühen Siedler in der Region holzten die Bäume aber bis ins 16. Jahrhundert wieder ab, sodass der Wind den losen Sand erneut ungehemmt verwehen konnte."

In den Trocken- und Feuchtgebieten leben den speziellen Rahmenbedingungen angepasste Tier- und Pflanzenarten, auf die der Naturführer aufmerksam macht. Die Wanderer entdecken Heidekraut, Krähenbeere, Vogelbeere, Gräser und die Besenheide. Sie erfahren, dass diese Pflanze in ihrem Wachstum gefördert werden muss. "Der für die Besenheide zu nährstoffreiche Oberboden wurde jahrelang teilweise entfernt", lässt der Lehrer die Exkursionsteilnehmer wissen. Durch die Düngung der an das Binnendünengebiet direkt angrenzenden Maisfelder wachsen die Gräser stärker als bisher und verdrängen die Heidepflanzen. "Daher wird jetzt versucht, Teile der Fläche zwei Wochen im Jahr durch 400 bis 600 Schafe und etliche Ziegen (sie fressen die giftige Traubenkirsche) zu beweiden." Durch diese Maßnahme, die vom Land finanziert wird, werden die Gräser zurückgedrängt, und der Boden aufgelockert.

Die Binnendünen werden vom Süderlügumer Forstamt betreut. Schulklassen, die sich regelmäßig im Jugendwaldheim einquartieren, bemühen sich unter sachkundiger Anleitung, das Gebiet baumfrei zu halten, indem sie die aufkeimenden Bäume entfernen.

Sörensen verweist auf ein vielfältiges Vorkommen von Insekten und Kleingetier. Sein besonderes Interesse gilt den Ameisen, mit denen er sich seit seiner Schulzeit beschäftigt. "Es gibt rund 20 Arten in den Süderlügumer Binnendünen", erklärt er. Eine von ihnen, die Kerbameise (lat. Coptoformica forsslundi), hat Sörensen als erste Art für Deutschland neu dort entdeckt. "Sie siedelt in den Süderlügumer Binnendünen mit etwa 400 Nestern". Das sei viel. In der gesamten Schweiz wurden nur zwei Nester gefunden.

40 Bienen- und eben so viele Wespenarten sowie viele Käfer, Spinnen wie die zinnoberrote Röhrenspinne und Schmetterlinge habe er entdeckt, berichtet der Biologe.

Die Landschaft hat noch mehr zu bieten. Uwe Sörensens Tipp für Wanderer mit einer nahezu endlosen Aufzählung von Tieren, die dort beheimatet sind: "Beobachten lassen sich hier unter anderem auch Kraniche, Fisch- und Seeadler, Feldlerchen, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Kreuzottern, Ringelnattern, Blindschleiche, Knoblauchkröte, Zaun- und Waldeidechse, Fuchs, Igel, Uhu, Hasen, Kaninchen, Mäuse, Rehe und neuerdings auch Rotwild."

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