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Cannabis-Sprechstunde : „Drogen spielen immer eine Rolle“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Immer mittwochs bietet die Diplom-Pädagogin Pia Domagala seit September eine Cannabis-Sprechstunde an – eine Zwischenbilanz

„Wie high muss man bitte sein, um mit seinem Gras zu reden?“ Tim K. (Name geändert), selbst gelegentlicher Cannabis-Konsument, schaut belustigt auf das Plakat, auf dem groß „Cannabis-Sprechstunde“ steht. Über Ausrufe wie diesen kann Pia Domagala nur schmunzeln: „Dann erregt das Plakat wenigstens Aufmerksamkeit.“ Die 28-jährige Diplompädagogin bietet eben diese Sprechstunde seit September jeden Mittwoch von 13 bis 15 Uhr im Beratungs- und Behandlungszentrum des Diakonischen Werkes in Niebüll an.

Selbstverständlich geht es in der Sprechstunde nicht darum, sich mit den Blüten der Cannabispflanzen, dem sogenannte Marijuana oder kurz „Gras“ zu unterhalten. Es geht vielmehr darum, dass es eine Stelle gibt, an die sich Konsumierende und Angehörige wenden können, wenn sie das Gefühl haben, mit jemandem über das Thema sprechen zu wollen. Die Gründe, aus denen das passiert sind vielzählig. Die einen wurden von den Eltern beim Kiffen erwischt und dann zu Domagala geschickt, andere erkennen selbst, dass sie möglicherweise ein Problem haben und versuchen, einen Kontakt zu finden, an den sie sich wenden können. Und das ist auch der Zweck dieses Projektes.

Pia Domagala sieht sich selbst als niedrigschwelliger Kontakt. Die sympathische Frau mit den Dreadlocks findet schnell einen Zugang zu den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sie aufsuchen und bespricht mit ihnen, inwieweit der Konsum problematisch sein könnte. Dabei fährt sie keine Politik der Abstinenz, sondern zeigt, dass es auch die Möglichkeit eines moderaten Konsums gibt: „Wenn einer am Joint zieht, dann ist das halt so. Drogen spielen immer und überall eine Rolle. Unter Kontrolle sollte man es aber haben.“ Sie helfe dabei, Ziele zu erreichen. Wer weniger kiffen möchte, kann bei ihr Unterstützung bekommen. Wer ganz aufhören möchte ebenso. Sie setzt sich dann mit dem Besucher zusammen und bespricht den Wunsch, die Gründe, die zum Konsum geführt haben, sowie mögliche Alternativen. Sport oder Hobbys wie Fotografie beispielsweise.

Aktuell findet die Sprechstunde beim Diakonischen Werk in Niebüll statt, es wäre aber möglich, dass sich Domagalas Arbeitsplatz noch verschiebt. Denn die Schwelle, dorthin zu gehen, sei vergleichsweise hoch. Alternativ waren schon Räume in Schulen im Gespräch oder im Sommer auch einzelne Sprechstundentermine an der Wehle. Ein Ort, der wohl die niedrigste Schwelle haben dürfte, vermutet Domagala.

Die Achtruperin ist sich noch unsicher, wie sie zu einer Entkriminalisierung der Droge steht. Während sie diese zwar einer Legalisierung vorziehen würde, hat sie dennoch Angst, dass dadurch die Droge verharmlost würde. Sie sieht aber auch, dass eine Lösung aus dem Untergrund die Schwelle zu beispielsweise Kokain erhöhen könnte. Cannabis an sich sei keine Einstiegsdroge, beteuert Domagala. Es sei nur einfacher möglich an „Härteres“ zu kommen, wenn schon ein Kontakt zu Dealern besteht. Verbesserungspotenzial sieht sie in der medizinischen Nutzung von Cannabis.

Die Cannabis-Sprechstunde findet jeden Mittwoch zwischen 13 und 15 Uhr in den Räumen des Diakonischen Werkes in Niebüll, Westerlandstraße 3, statt.

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erstellt am 22.Dez.2015 | 17:06 Uhr

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