Friesisches Vergnügen : Drei Hausdrachen in Hochform

Unerbittliche Ehefrauen: Birge Hilpert, Telse Friedrichsen-Ertzinger, Antje Arfsten.  Fotos: wrege (2)
1 von 2
Unerbittliche Ehefrauen: Birge Hilpert, Telse Friedrichsen-Ertzinger, Antje Arfsten. Fotos: wrege (2)

Männer unter dem Ehe-Joch: Das Theaterstück „Da tra Musketiere“ der Gruppe „Frasch Klüüs“ feierte im ausverkauften Andersen-Haus Premiere.

shz.de von
20. Januar 2015, 14:00 Uhr

Die Theatergruppe des Ostermooringer Friesenvereins „Frasch Klüüs“ landete mit dem Stück „Da tra Musketiere“ einen Volltreffer. Doch bei der Geschichte um die drei Musketiere handelte es sich nicht, wie man meinen könnte, um Alexandre Dumas’  Mantel-und-Degen-Story von drei tapferen Helden, die gegen das Joch des Kardinals Richelieu angehen, sondern um drei stinknormale Ehemänner, die aus dem ehelichen Joch ausbrechen wollen.

Eigentlich nennt Autor Hans Schimmel seine Protagonisten nicht Musketiere, sondern Pantoffelhelden, die sie auch sind: beherrscht von dominanten Hausdrachen, die daheim genüsslich regieren und ihren Männern die Hausarbeit auferlegen. Bei Dumas sind es Mantel und Degen – bei Hans Schimmel Schürze und Besen. Dorfchronist  Sönke Namanny hat das plattdeutsche Lustspiel, dem Credo des „Klüüs“ folgend, nur in Muttersprache der Urbvewohner zu spielen, ins Friesische übertragen. Und das allerdings gab  der turbulenten Handlung noch mehr Würze.

Die Handlung  war, wenn man so will, ein Stück aus dem Leben: Willi, Fiite und Pätjer, die drei „Geknechteten“, vortrefflich verkörpert von Hauke Petersen, Hauke Friedrichsen und Ingwer Boysen, stehen unter der Fuchtel von Elli (Antje Arfsten), Carla (Birge Hilpert) und Susi (Telse Friedrichsen-Ertzinger).  Die drei Hausdrachen haben zwar alles unter Kontrolle – bis auf das Faible ihrer Männer, gelegentlich auszubüxen und einen Nachtclub zu besuchen und Karmen (Kristina Petersen), die  Bardame, anzuhimmeln – besonders Willi, der ihr sogar steckt, noch zu haben zu sein. Pech allerdings, dass sexy Karmen bei ihm einziehen will, weil ihr Domizil renoviert wird.

 Weil Hausmeisterin Miine (Güde Boysen), dem liebe Gott gleich, alles sieht und mitbekommt und die Klappe nicht halten kann, bahnt sich großes Malheur an. Zeitgleich stellt sich Macho Rickert (Thore Johannsen) dem gebeutelten Trio zur Seite und inszeniert mit ihm ein „Emanzipationstraining“ mit allerdings zweifelhaften Erfolgsaussichten. Irgendwann eskaliert die Geschichte, löst sich jedoch – den Gesetzmäßigkeiten der Komödie folgend – in Versöhnung auf. Die drei Paare nähern sich ehelicher Normalität, Macho Rickert seiner Karmen und die schludernde Miine der Erkenntnis, dass es nun nichts mehr zu entdecken gibt.

Fazit dieses Theaterabends im total ausverkauften Andersen-Haus: 130 Besucher erlebten vergnügliches Amateurtheater mit fast schon professionellem Touch. Übersetzer Sönke Namanny hatte Feinstarbeit geleistet, die Gags trefflich platziert und friesische Sprache köstlich ins Spiel gebracht. Den Akteuren schien das komödiantische Talent auf den Leib geschrieben. Allesamt meisterten sie ihren Part exzellent und mit viel Verve. Dazu gesellte sich der Bekanntheitsgrad der Spielertypen, wie man sie aus etlichen erfolgreichen  Aufführungen des „Klüüs“ kennt.  Als sich der „Klüüs“ (auf Deutsch „Vorhang“) schloss, hatten  mehr als 100 Nordfriesen noch Gelegenheit, mit einem Teepunsch auf einen gelungenen Theaterabend anzustoßen.  

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen