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Biographieprojekt in Rodenäs : Drei Biographien und viel Geschichte

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Vorstandsdamen der Kulturstation Zollhäuser und der Moderator der Geschichtswerkstatt Rodenäs wurden in einem Jahr zu Autobiografen

„Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, gibt Barbara Schmidt-Tychsen zu. Der Grund ist nachvollziehbar: Am Sonnabend, 1. November, wird sie im Café Zollhaus während einer biografischen Lesung öffentlich Einblick in ihr Leben geben. Bei dieser ungewöhnlichen Aktion kurz vor der dänischen Grenze bekommt sie Verstärkung: Auch das Ehepaar Elke und Hanno Nord wird dann persönliche Geschichten preisgeben, die in der Summe ihr Leben ausmacht. Genau wie ihre zwei Mitstreiter hat die 73-Jährige Schmidt-Tychsen die vergangenen zwölf Monate über ihrem Leben gebrütet, hat sich zur Erinnerung an die eigene Biographie gezwungen und die Ergebnisse zu Papier gebracht. Am Sonnabend werden die drei Autobiografen dann Auszüge aus ihren Erinnerungen lesen und die Besucher es Zollhauses damit an ihrem Leben teilhaben lassen.

Die Idee zum Schreiben der eigenen Biographie kam von Ulrike Schulz – „sie hat uns überzeugt“, erinnert sich Elke Nord amüsiert. „Bei einem Vorgespräch hat sie uns nach unserem Alter gefragt – und uns dann darauf hingewiesen, dass wir auch nicht mehr ewig Zeit haben, um so etwas umzusetzen.“ Bereits dreimal hatte Schulz zuvor Biographieprojekte in Südtondern betreut. Für ihren vierten Kursus beriet sie fortan die drei Teilnehmer – frei nach dem Motto: „Schreiben ist ein Abenteuer“. Die kommende Veranstaltung bildet für Barbara Schmidt-Tychsen und das Ehepaar Nord damit den Abschluss einer abenteuerlichen Arbeitsphase. „Es gab Tage, da lief es überhaupt nicht rund, und der Schreibprozess war schwierig“, gibt Hanno Nord zu. Trotzdem haben die drei Schreiber am Ende des Projektes zusammen rund 450 Seiten Text produziert. Dabei war es eine besondere Aufgabe, das eigene Leben zu sortieren. „Man stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, wo die eigene Prägung herkommt“, sagt Elke Nord. Eine große Hilfe, um dem Leben eine schriftliche Struktur zu geben, seien die monatlichen Treffen mit Kursleiterin Ulrike Schulz gewesen. „Oft hat sie uns Aufgaben mit auf den Weg gegeben, die uns bei der Orientierung geholfen haben“, berichtet Barbara Schmidt-Tychsen. So mussten sich die Teilnehmer etwa die Frage stellen, welche die fünf wichtigsten Fragen in ihrem Leben gewesen sind.

Natürlich kann das intensive Grübeln über die eigene Geschichte auch unangenehme Erinnerungen wieder in die Gegenwart zurückholen: „Man stößt auch auf Themen, denen man sich gar nicht richtig widmen wollte – das ist dann ein bisschen wie Therapie“, so Barbara Schmidt-Tychsen. Und auch der 87-jährige Hanno Nord kann bestätigen, dass das Schreiben der eigenen Biographie eine ungeahnte Dynamik freisetzen kann: „Es gibt Erinnerungen, die auf einen Schlag sehr viele Themen nach sich ziehen – das ist schon spannend.“

Am kommenden Sonnabend können und wollen die Autobiografen nicht ihre kompletten Texte vortragen. Stattdessen wird jeder der Drei einen besonderen Zeitabschnitt der eigenen Vergangenheit mit den Besuchern teilen. Schon vor diesem öffentlichen Abschluss ihrer Arbeit sind sich Barbara Schmidt-Tychsen, Elke und Hanno Nord einig, dass die Beschreibung des eigenen Lebens sich gelohnt hat: „Wir können es nur weiterempfehlen – es ist eine echte Bereicherung.“

 

Lesungen aus dem Biographieprojekt IV: Sonnabed,1. November, 18 Uhr Café Zollhaus. www.zollhaeuser.de

 

 

 

 

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erstellt am 30.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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