Nahversorgung in Südtondern : Dorfläden trotzen dem Wandel

Um zu überleben, bieten Dorfläden inzwischen Extras: beispielsweise eine  Sitzecke.  Marlies Klüttermann (links) nutzt das Angebot.
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Um zu überleben, bieten Dorfläden inzwischen Extras: beispielsweise eine Sitzecke. Marlies Klüttermann (links) nutzt das Angebot.

Konserven und Klönschnack: Kleine Läden in den Dörfern Südtonderns stellen nicht nur die Versorgung sicher, sondern haben auch eine wichtige soziale Funktion. Die Händler werden kreativ.

shz.de von
28. Juni 2014, 05:00 Uhr

Heike Winkelmann steht täglich hinter dem Tresen ihres kleinen Gemischtwarenladens in Fahretoft. Auf knapp 60 Quadratmetern findet sich fein aufgereiht all das, was man zum Leben braucht. „Hier kaufen in erster Linie Einheimische“, berichtet die Geschäftsführerin, die vor 13 Jahren nach Südtondern kam. Im „Lütten Koopmann“ wird allerdings nicht nur eingekauft, sondern auch der neueste Klönschnack ausgetauscht und sich geholfen. „Es kommt schon vor, dass wir älteren Kunden mal den Einkauf vorbeibringen.“ Neben dem „Lütten Koopmann“ betreibt Heike Winkelmann noch einen weiteren Laden: Direkt in Dagebüll-Mole gelegen ist dieser in erster Linie Versorgungspunkt für Touristen. Auf 95 Quadratmetern Verkaufsfläche kann man dort nicht nur Brot, Wasser und Eier erstehen, sondern es sind auch Souvenirs im Sortiment. „Wir haben den Geschäftsbetrieb in Dagebüll auf die Saison abgestimmt – da sind wir flexibel.“

Momentan spüre das Geschäft einen echten Aufschwung, sagt Winkelmann. Geradezu das Gegenteil sei in Fahretoft der Fall. Während die Zahl der Käufer in Dagebüll stetig wachse, würde sie in Fahretoft eher sinken. „Viele Häuser stehen zum Verkauf, ältere Bürger ziehen weg, und neue kommen nicht. Es ist schon ein Wandel da“, hat Heike Winkelmann beobachtet. Trotz der Veränderungen hat sie nicht vor, ihren Laden dichtzumachen. „Noch läuft es.“

Auch im Amt weiß man die Bedeutung der kleinen Dorfläden zu schätzen. „Für die Daseinsvorsorge sind die Läden sehr wichtig“, sagt Südtonderns Amtsdirektor Otto Wilke. „Wenn das Angebot nicht mehr vorgehalten werden kann, dann sind oft viele Anwohner von Wegzug bedroht.“ Mangelnde Mobilität bei älteren Menschen mache kurze Wege daher wichtig, weiß Wilke. Besonders in Südtondern könne der demografische Wandel solche Folgen haben. Verwaltung und Politik hätten das Problem erkannt und auch bereits Lösungen umgesetzt: „Die Einrichtung von Markttreffs kann eine Maßnahme sein“, sagt Wilke. So sei es zum Beispiel in Neukirchen gelungen, den Kaufmann im Dorf zu halten. „In Stadum hat es wiederum geklappt, den Markttreff in einen Filialbetrieb zu überführen.“

Lecks HGV-Chef Sven Lück betreibt den Laden. Ein Risiko, das er aber nach längerer Überlegung bereit war, einzugehen. „Normalerweise ist ein kleiner Dorfladen nur schwer wirtschaftlich zu betreiben. Dadurch aber, dass wir den großen Edeka-Markt in Leck haben, können wir große Mengen zu besseren Preisen einkaufen – auch für Stadums Sortiment.“ So muss der Kunde in Stadum nicht mehr für die Ware zahlen. Der Laden ist etwas kleiner. „Dadurch aber auch persönlicher“, sagt Lück.

Mit Blick auf die Kasse steht am Eingangsbereich ein Bistrotisch mit Sitzplätzen, den die Dorfbewohner zum Klönschnack und kostenlosem Kaffeetrinken nutzen können. Der Dorfladen sei besonders konzipiert. Er habe eine große soziale Komponente, erklärt Sven Lück.

Angenommen werde das Angebot (zu dem auch Postdienste wie Paketannahme und Briefmarkenverkauf gehören) bislang gut. Und darauf setzt auch Stadums Bürgermeister Werner Klingebiel, was er bereits bei der Neueröffnung betonte. „Sollten die Stadumer dieses neuerliche Angebot, einen Kaufmann im Dorf zu haben, nicht nutzen, wird es ein weiteres Angebot garantiert nicht mehr geben.“

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