Verein für Niebüller Geschichte : Die zweite Ausgabe der Geschichtsblätter ist erschienen

Blumen für die Beate Jandt.
Blumen für die Beate Jandt.

Historisch wertvoll, unterhaltsam, aufregend, bewegend: „Der Band ist komplett neu“, sagt die erste Vorsitzende des Vereins.

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20. Januar 2018, 03:00 Uhr

Niebüll | Mit der ersten Auflage eines Jahreskompendiums hatte der Verein für Niebüller Geschichte schon 2016 einen echten Volltreffer gelandet. Nun gibt es eine zweite Ausgabe. „Der Band ist komplett neu“, sagt die erste Vorsitzende Beate Jandt, „Viele denken, es sei eine weitere Auflage – doch das stimmt nicht. Was wir an spannenden Themen bearbeitet und gesammelt haben, zeigen wir in unserem Jahresheft“, erklärt die Vorsitzende. „Wir möchten die Leser weiterhin teilhaben lassen an unserer Arbeit im Verein.“

Viele Generationen hätten das Werden und Wachsen des Ortes mitgeprägt. „So beschreibt Oberstudienrat Paul Carstensen die Historie von Niebüll anlässlich der Verleihung der Stadtrechte 1960.“
Momente des alltäglichen Lebens und auch die Geisteshaltung und politische Ansichten der Menschen werden wach, wenn Wolfgang Raloff über „Niebüll nach der Abstimmung 1920“ ausgiebig referiert. „Das Bild Niebülls hat sich danach gewaltig verändert – Niebüll wurde Kreishauptstadt.“

Die aktiven Macher des Geschichtsvereins Beate Jandt, Guido Tödt, Wolfgang Raloff und Albert Panten haben tief im Archiv gegraben und so manches Spannende gefunden. Fantastisch sind die Erinnerungen von Peter Müller (Teil 2) der seine Kindheit Anfang des 20. Jahrhunderts in Niebüll beschreibt. Er berichtet über die Originale wie Lene „Fisch“, Jürgen „Mauermann“ oder Ernst „Umerlierer“ (Eimerleerer). Letzterer holte die Aborteimer ab und war für jeden Spaß zu haben. Peter Müller beschreibt unterhaltsam die Attraktionen der Märkte, Erlebnisse im Postomnibus und über Umzüge, Kino und Handwerkertag. Sehr lesenswert sind seine Bemerkungen zu Kriegsausbruch und die wiederkehrenden Umzüge im Dorf, das 1920 schon 2000 Einwohner zählte.

„Die Kirche in Nordschleswig vor und nach der Volksabstimmung“ ist Thema von Rolf Sievers, während Günter Friedrichsen die Entwicklung Niebülls nach 1945 schildert. Punktgenau hat er beschrieben, wie die Stadt sich voranbewegt hat. Aufregend ist es, zu erfahren, dass der Maler Hans Plutta im Osterweg residierte (Beate Jandt). Eine gewisse Alma Petersen beschreibt tagebuchähnlich das Leben in den 1920er Jahren. Und auch die Eisenbahn wird gewürdigt. Georg Böhm schildert die Geschichte der Eisenbahn ab 1844 bezogen auf Niebüll. Albert Panten hat die Tagebuchaufzeichnungen eines jungen Mannes beigesteuert, der im Reichsarbeitsdienstlager in Horsbüll ab 1938 seinen Dienst tut. Seine Erlebnisse sind wenig erfreulich, sehr bewegend, wenn nicht schockierend. Lara Knigge, ehemalige Freiwillige im Kulturellen Jahr, beschließt das Kompendium mit ihrem Beitrag.

Die neuen Niebüller Geschichtsblätter 2. Ausgabe 2017 sind im Geschichtsverein (dienstags und donnerstags, 15 bis 18 Uhr, über der Stadtbücherei) und in der Buchhandlung Leu erhältlich. Der Preis beträgt 10 Euro, die Auflage ist mit 800 Exemplaren bemessen.

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