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Nordfriesland Tageblatt

23. September 2017 | 00:40 Uhr

Naturschutz : Die Wiese kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Naturfreunde haben sich zum Ziel gesetzt, Äcker und Weideland rund um Leck zu artenreichen Wiesen umzuwandeln. Mit Erfolg.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2017 | 10:34 Uhr

Die Saat ist aufgegangen, die Naturschützer gesät haben: Durch Mahdübertragung verwandelten sie einige Äcker und Weideland rund um Leck zu artenreichen Wiesen. Pippau und Ferkelkraut leuchten dort um die Wette, Klappertopf und Moschusmalve haben sich dazu gesellt und vieles mehr. Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen, fühlen sich wieder heimisch und eröffnen ein lebenswertes Refugium für Insekten und Vögel.

„Wir müssen die Reste der alten Kulturlandschaft erhalten. Ansonsten sterben uns viele Pflanzenarten weg“, sagt der Ehrenvorsitzende des Naturschutzvereins Südtondern, Jürgen Lorenzen. Der ehemalige Förster setzt sich für diese Vielfalt ein und wirbt für die Mahdübertragung: „Dieses Verfahren funktioniert.“ Im Klartext: Mähgut von artenreichen Wiesen (sogenannte Spenderwiesen) wird auf entsprechend vorbereiteten Flächen ausgebracht und angewalzt – fertig. Durch gekaufte „Regio-Saat“ kann die Pflanzenvielfalt noch erhöht werden. Die Erfolge lassen sich sehen, wie eine Exkursion beweist. Dort, wo die Natur wieder Natur sein darf, wo die Vielfalt ins Staunen versetzt, mag sich der eine oder andere in die Kindheit zurückgesetzt fühlen, sich an die bunten Wiesen erinnern.

Dass sich ein Acker nicht von allein zu einer artenreichen Wiese bilden kann, zeigt der Ehrenvorsitzende anhand des Kokkedahler Sumpfes auf: Seit gut 20 Jahren wird das Gebiet extensiv bewirtschaftet – in der Hoffnung, dass sich Pflanzenarten wieder ansiedeln. „Die Situation hat sich eher verschlechtert als verbessert. Wo sollen die Samen durch die Verinselung des Sumpfes denn auch herkommen?“ Für das Gedeihen seltener Pflanzen hatte sich vor Jahrzehnten bereits Lorenzens Schwiegervater Karl Christiansen – seinerzeit freier Mitarbeiter unserer Zeitung – eingesetzt. Auf dem Grundstück hinter seinem Hause am Alten Mühlenweg hatte er das breitblättrige Knabenkraut entdeckt und das Areal fortan entsprechend gepflegt. Die lilablühende „Dactylorhiza majalis“ aus der Familie der Orchideengewächse war und ist in ihrem Bestand gefährdet. Das Knabenkraut wächst auf feuchten, nährstoffarmen Böden und fand am Alten Mühlenweg beste Bedingungen. 2006 wurden bei einer Kartierung rund 2000 Exemplare gezählt. Auf der Orchideen-Wiese haben sich inzwischen weitere Arten, die auf der Roten Liste stehen, angesiedelt: Wiesenschaumkraut zum Beispiel, Kuckuckslichtnelke, Kohldistel oder Sumpfsegge.

Die Mahd dieser Wiese wird seit vielen Jahren auf Feuchtwiesen im „Klinger Moos“ ausgebracht. Unter anderem haben sich dort bereits rund 500 Exemplare der seltenen Orchidee etabliert. In enger Abstimmung mit der Artenagentur Schleswig-Holstein wurde im Jahr 2014 ein zwei Hektar großer Acker am Alten Kirchenweg in Klintum in eine artenreiche Wiese umgewandelt. Mahdgut wurde von blütenreichen Flächen der Försterei Langenberg gewonnen, Regiosaat von Margerite, Wiesen-Flockenblume oder -Bocksbart darunter gemischt. „Schon ein Jahr später haben sich 42 verschiedene Pflanzen ausgebreitet, sechs Arten davon stehen auf der Roten Liste, fünf auf der Vorwarnstufe“, berichtet der Naturschützer. Und: „Ich habe den Aurorafalter und den Distelfink gesichtet. Dieser Schmetterling und die Vogelart brauchen unbedingt blütenreiche Wiesen.“

Als „Spenderfläche“ liefert diese Wiese einmal jährlich die Mahd: Vor zwei Jahren wurde sie auf eine Fläche am Ochsenweg in Enger Heide verteilt, die vom Naturschutzverein Südtondern gepflegt wird. Im vorigen Jahr kam die Mahd auf ein Areal im Klintumer Moor. Dieses Gebiet gehört dem Kreis Nordfriesland und wird vom Verschönerungsverein Leck betreut. „Ich hatte nicht erwartet, dass sich die Pflanzenwelt in so kurzer Zeit so gut entwickelt“, sagt Jürgen Lorenzen.

Und das nächste Projekt des engagierten Naturschützers ist schon spruchreif: In gut einem Monat soll angrenzend an die Wiese im Klintumer Moor auf einer drei Hektar großen Fläche die Mahd übertragen werden. Die Untere Naturschutzbehörde hat dem Naturschutzverein Südtondern das Okay gegeben, damit die „Wilde Möhre“, die Kuckuckslichtnelke, der Spitzwegerich oder das breitblättrige Knabenkraut eine Chance bekommen.




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