Bastler : Die Suche nach einer Herausforderung

Die BMW R1200 C, Bj. 1998
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Die BMW R1200 C, Bj. 1998

Der Süderlügumer Karl Hagemann rüstete in Eigenleistung eine BMW K 100 mit einem VW-Motor um / Die Jungfernfahrt führte ihn zu einem Treffen nach Hamm

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07. Juni 2014, 05:15 Uhr

„Die Maschine ist ein Prototyp, ein Einzelstück“, erklärt Karl Hagemann (70). Der Schlossermeister hat ein nicht mehr fahrtüchtiges Motorrad in Eigenleistung umgebaut. Das Besondere: Ausgerüstet hat der Tüftler die BMW K 100, Baujahr 1985, mit einem herkömmlichen Pkw-Diesel-Motor, wie er in den VW-Marken Lupo und Audi A2 verwendet wird: ein 3-Zylinder TDI mit 75 PS. „So etwas gibt es nicht noch einmal.“

Entdeckt hat der Süderlügumer sie in einer Fachzeitschrift. „Die Maschine war Schrott, aufgeschlissen – aber noch komplett. Der Motor lief nicht mehr, aber alle Teile waren da, um sie umbauen zu können.“ Im Jahre 2010 machte sich Karl Hagemann an die Arbeit. Für ihn stand fest: Den Motor, eine liegende 4-Zylinder Maschine („Ein fliegender Ziegelstein“), wollte er unbedingt ersetzen. „Ich suchte mir einen kleineren Motor.“ Das Problem: „Er durfte nicht zu lang sein und musste genug Leistung haben. Ich wollte auf keinen Fall so ein Tuk-Tuk-Ding bauen.“ Also sah er sich um, wurde bei Alfred Pudschun vom Autohaus Kornkoog in Niebüll fündig. Ein Jahr lang bastelte Hagemann. „Das Schlimmste war, die Elektrik anzupassen, alle Verbindungen herzustellen.“ Eine Premiere für ihn, der sich zwar mit Motoren auskennt, 17 Jahre lang mit und an ihnen gearbeitet hat, so etwas aber nie zuvor gemacht hat. Zum Schluss wurde die 1422 Kubik-Maschine in ihrem ursprünglichen dunkelblau überlackiert.

„Ich war mit ihr schon bei vielen Treffen, unter anderem beim Diesel-Treffen in Hamm.“ Dort sind Motoren und Maschinen aus ganz Europa zu bestaunen. Und eben auch der Eigenbau von Karl Hagemann. Den Weg nach Nordrhein-Westfalen trat die K 100 nicht etwa auf einem Trailer festgezurrt an. „Ich bin auf eigener Achse die 500 Kilometer runter gefahren.“ Es war die Jungfernfahrt mit dem Motorrad. Karl Hagemann: „Ich dachte mir damals: Entweder hält sie – oder eben nicht.“ Sie hielt. 10 000 Kilometer hat er bisher mit dem Motorrad zurückgelegt.

Und er nennt ein zweites Schmuckstück sein Eigen: eine BMW R1200 C, Baujahr 1998. „Sie wurde nur zehn Jahre lang gebaut, sollte eine Konkurrenz zur Harley werden. Aber Harley ist nun mal Harley.“ 150 000 Kilometer hat sie auf der Uhr.

Karl Hagemann ist seit 1998 Mitglied und seit sechs Jahren Präsident der Oldie-Riders Süderlügum. Den Club gibt es seit 1997, Treffen ist jeweils mittwochs und sonntags. Die aktiven Fahrer gehen mit ihren eigenen Maschinen regelmäßig auf Tour. Mitglied werden kann jeder, nur ein Motorrad haben ist eben Pflicht. „Die Marke ist egal.“

Ein neues Projekt hat der Bastler im Moment nicht in Arbeit. Vielmehr kümmert er sich intensiv darum, seine Maschinen zu pflegen, sie zu erhalten – und genießt es, sooft es geht mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein.

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