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Naturschauspiel : Die Stare sind die Stars in der Marsch

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Schwarze Sonne“: Die Formationen der Vögel verzücken Einheimische sowie Touristen gleichermaßen.

von
erstellt am 06.Okt.2013 | 18:10 Uhr

Wer sich wundert, warum derzeit viele dänische Busse beispielsweise rund um den Gotteskoogsee parken, muss nur in den Himmel schauen. Denn jetzt sind sie wieder da: die Stare. Und mit ihnen kommen die dänischen Touristen, die alljährlich ein ganz besonderes Naturschauspiel nicht verpassen wollen und dafür sogar weite Wege auf sich nehmen. So auch Lene Johannsen, die aus Århus angereist ist, um den Flug der Tiere zu beobachten. „Man muss das Spektakel selbst gesehen haben, um zu spüren, was daran so ergreifend ist“, sagt sie.

Hunderttausend Stare sind nun an der Küste eingetroffen, um gemeinsam in der Marsch zu übernachten. Den ganzen Oktober werden die Vögel dort sowie in der Region Südwestjütlands zu sehen sein und das Schauspiel darbieten, das „Schwarze Sonne“ genannt wird. Denn bevor sich die Tiere im Schilf niederlassen, kreisen sie einige Runden in der Luft und nehmen dabei immer wieder neue Formationen an. Etwa 20 Minuten fliegen dabei bis zu 250 000 Vögel wie ein einziger Organismus zusammen.

Besonders im Gebiet um den Gotteskoogsee halten sich die Stare aktuell auf, berichtet der Biologe Iver Gram. Der Däne hat vor einigen Jahren sein Unternehmen „Sort Safari“ gegründet und bietet seitdem fachkundige Führungen zu den Naturschauplätzen an. Seit Jahren beobachtet er die Vögel und weiß viel über sie zu berichten. Die Stare sind auf der Durchreise, kommen aus Belgien oder Frankreich und wollen nach Russland oder ins Baltikum. Sie nutzen das reichhaltige Nahrungsangebot des 1982 im Rahmen eines Renaturierungsprojektes entstandenen Vogelschutzgebiets. Larven von Schnaken und vor allem Gartenlaubkäfer – der Tisch im Koog ist für die Vögel reich gedeckt. Sie fressen sich Fett an, das sie für den Kräfte zehrenden Flug benötigen. Der Star ist bis zu 75 Stundenkilometer schnell und kann an die 1000 Kilometer nonstop fliegen. „Für die Landwirte sind die Stare geradezu lebensnotwendig, denn ohne sie hätten die Grasböden immense Insektenschäden“, erklärt der Biologe.

Wer die Vögel beobachten möchte, braucht etwas Glück oder einen guten Führer. „Sie wechseln alle paar Tage ihren Standort“, sagt der Iver Gram. Es koste ihn und sein Team eine Menge Ressourcen, die Vögel stets aufzuspüren, erzählt er. Aber das Phänomen sei jede Mühe wert. Selbst nach all den Jahren ist er immer noch begeistert von dem Naturschauspiel. Mit über 40 000 Gästen pro Jahr begibt sich der Däne auf Tour, sowohl auf dänischer als auch auf deutscher Seite der Marschlandschaft. Bis Ende Oktober ist der Biologe täglich unterwegs. Da der Aufenthaltsort der Vögel ständig wechselt, wird der Treffpunkt für die Führung am Telefon mitgeteilt.

Der Star hat so seine Eigenarten: Wenn es ums Futtern geht, gönnt er seinem Nachbarn im Radius von 30 Zentimetern weder Samenkorn noch Beere. Doch kaum, dass Gefahr aus dem Himmel droht und Greifvögel erscheinen, tun sich die Stare zu einer Abwehrformation zusammen, die den Feind ihrerseits attackiert. Bei diesem Schauspiel bilden sich urplötzlich 20 bis 30 Minuten lang in Wellenbewegungen ständig wechselnde Schaubilder. Und genauso plötzlich ist die faszinierende Luftschau dann vorbei. Die Stare verschwinden wie von Geisterhand im Schilf, um wenig später ihre Nachtruhe zu beginnen.

Dann ist es für die dänische Zuschauerkulisse auch Zeit, den Heimweg anzutreten. Die Reste vom Picknick werden eingepackt, die Decken zusammengerollt und der Weg zum Bus angetreten, der dann Kurs auf Esbjerg, Ålborg und Kopenhagen nimmt.

Etwa zwölf bis 15 Busse mit dänischen Safaritouristen kämen derzeit in die Region, berichtet Peter Ewaldsen, Bürgermeister von Neukirchen. Auch er schätzt das Naturschauspiel, das für ihn jedoch einen Wermutstropfen hat: „Umsatz bringen die Touristen leider nicht, da sie im Anschluss an das Spektakel direkt wieder abfahren.“

 

 

 

 

 

 

 

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