Sonderthema Kanu-Tourismus : Die "Schöne im Norden" mit dem Kanu entdecken

Eider, Treene und Sorge bilden das größte zusammenhängende Fluss- und Niederungsgebiet Schleswig-Holsteins und sind ein empfehlens-, aber auch schützenswertes Ausflugsziel

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18. Juli 2012, 09:36 Uhr

Treia | In strahlendem Weiß gleitet ein Schwanenpaar mit sechs flauschig-grauen Jungen über die Wasseroberfläche. Es ist eng an dieser Stelle. Wir sind gut beraten, den majestätischen Vögeln nicht zu nahe zu kommen. Wenn sie ihren Nachwuchs in Gefahr wähnen, verstehen Schwäne keinen Spaß und können Kanuten auch schon mal gefährlich werden. Wir halten uns in Ufernähe, lassen die Schwanenfamilie mit bedachten Paddelschlägen links liegen. Die beiden Alten bedenken uns mit prüfenden Blicken, aber unser Sicherheitsabstand scheint zu reichen.
In der nächsten Kurve erwarten uns vier Kühe, die zum Trinken an den Fluss gekommen und über unsere Anwesenheit ebenso erstaunt sind wie wir über ihre. Eine Bisamratte reckt den Kopf aus ihrer Höhle, zieht ihn aber gleich wieder ein, als sie uns sieht. Wie von Geisterhand geführt wiegt sich Flussgras in der Strömung. Am Ufer werden die Pflanzen von tiefblauen Libellen umschwirrt und oben am Himmel prüft ein Bussard mit ausgebreiteten Schwingen die Thermik.
Nicht von ungefähr nennen Paddler den Fluss "die Schöne im Norden". Wie eine Lebensader zieht sich die Treene von der Quelle am Treßsee, südöstlich von Flensburg, durch dichten Wald und offene landwirtschaftliche Flächen bis nach Friedrichstadt, wo sie in die Eider mündet. Auf dem Weg dorthin überwindet der Fluss - angesichts des platten Landes ringsum kaum zu glauben - 23 Höhenmeter. Insgesamt erstreckt sich die Treene über 73 Kilometer, von denen 69 Kilometer zum Wasserwandern geeignet sind. Ab Schwabstedt ist die "Schöne" auch für Sportboote freigegeben. Bis dahin bleibt sie Kanadiern, Kajaks sowie Falt- und Schlauchbooten vorbehalten.
Von der Quelle bis nach Tüdal gehört die Treene zum Naturschutzprojekt Obere Treenelandschaft. Hier nisten viele Vögel. Gleiches gilt für die Eider-Treene-Sorge-Niederung. Sie gilt als wertvolles Rückzugsgebiet für Zugvögel. Zwischen Langstedt und Treia ist der Fluss zudem ein beliebtes Paddelrevier. Danach, vor allem ab Hollingstedt, weitet sich das Flussbett, so dass selbst geübte Kanuten bisweilen mit dem Wind zu kämpfen haben. Die schwindende Attraktivität dieses Streckenabschnitts wird durch Besuche in Schwabstedt oder dem Holländer-Städtchen Friedrichstadt aufgewogen.
Das Land entlang der "Schönen" wurde bereits im Mittelalter bewirtschaftet. Sturmfluten hatten eine dünne Schicht Marschboden in das Treene-Tal gespült und es so nutzbar gemacht. Für lange Zeit diente die Eider-Treene-Haithabu-Route auch als Transportweg zwischen Nord- und Ostsee.
Dass damals mehr Boote auf der Treene unterwegs waren als heute, darf aber mit Fug und Recht bezweifelt werden, denn gerade zur Sommerzeit ist die "Schöne" ein ebenso beliebtes wie belebtes Ausflugsziel. Zusammen mit Eider und Sorge bildet sie das größte zusammenhängende Fluss- und Niederungsgebiet Schleswig-Holsteins (siehe unten).
Es wird wieder eng auf dem Fluss. Wir sind kurz vor Treia, wo wir auf dem Gelände des Feuerwehrgerätehauses aussteigen wollen. Doch zuvor erwartet uns noch eine Attraktion. Mit Hilfe von Findlingen wurde an dieser Stelle eine kleine Stromschnelle aufgeworfen. Eine willkommene Herausforderung - nicht nur für gestandene Kanuten. Weniger Geübte gehen hier auch mal unfreiwillig baden.

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