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Serie Südtondern blüht auf : Die Narzissen vom Hof der Heiligen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rund um die Ostertage stellen wir besondere Gärten in Südtondern vor – heute die Osterglocken-Pracht auf Hilligenbohl.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2017 | 10:40 Uhr

Endlich Farbe: Sonnengelb, Cremeweiß oder Apricot sind die satten Tupfer und Bänder, die nach den grauen Wintermonaten den Besuchern schon von Weitem im Kleiseerkoog entgegenstrahlen. Mehr als 100  000 Narzissen von mehr als 120 Sorten stehen dort fast voll in Blüte, auf einem Anwesen mit zauberhafter Atmosphäre – auf Hilligenbohl, dem Hof der Heiligen. Zum Narzissenfest vom 21. bis 23. April öffnet Ute Kirchner ihren Hof für mehrere Tausend Besucher.

„Blühen sie oder blühen sie nicht? Ein wenig Nervenkitzel ist immer dabei. Ich glaube, dieses Jahr gelingt uns eine Punktlandung“, sagt Ute Kirchner. Die Liebe brachte die gebürtige Hamburgerin Mitte der 60er-Jahre zunächst nach Sylt, später nach Hilligenbohl. „Dieser Hof ist mein Lebenstraum“, sagt die Kunsthandwerkerin und Einrichtungsexpertin. Wie die benachbarten, bis zu 300 Jahre alten Anwesen mit Namen wie „Gottes Berg“ oder „Paradies“ steht auch der Hof der Heiligen auf einem satten, nährstoffreichen Kleiboden. „Auf diesem fühlen sich die Narzissen besonders wohl“, sagt Tochter Dunja Kirchner.

Die Gartenarchitektin gibt während des Narzissenfestes Tipps und hält Vorträge. Sie erkennt natürlich jede Sorte auf den ersten Blick. Die kleinblütige, sattgelbe Tête-à-Tête zählt zu den Frühblühern. Danach entfalten zum Beispiel die Golden Salome, die Green Eyes, die Pink Smile oder die White Medal ihre klein- oder großkronige, ihre gefüllte oder trompetenartige Blütenpracht. „Weder Rehe noch Wühlmäuse mögen Narzissen, Schnecken können aber zum Problem werden“, sagt Dunja Kirchner. Ihre Lieblingssorte ist die weiße, intensiv duftende Dichternarzisse, die zu den Spätblühern zählt. Narzissen finden sich nicht nur in Beeten und Umrandungen, auf einer großen Rasenfläche sind sie wie Pinselstriche aufs Grün gemalt.

Kunst gehört zum Garten von Hilligenbohl.
Kunst gehört zum Garten von Hilligenbohl.
 

Der 10  000 Quadratmeter große Garten der Kirchners bietet aber noch mehr als Narzissen. Hinter der Terrasse fällt das Gelände sanft zum Gartenteich hin ab. Elf Bänke, weiße Pavillons, die Kunstwerkstatt von Ute Kirchner, in der sie Garten-Accessoires aus Eisen fertigt, und weitere kleine Gebäude bieten viele Nischen und Hingucker. Dazu kommen 35 alte Apfelbäume und einige Pflaumen- und Birnenbäume. „Ich hoffe sehr, dass diese zum Narzissenfest blühen“, sagt Ute Kirchner. In den Bäumen hängen Spiegel, über dem Obstgarten thront eine riesige Vogelscheuche. Kunst, zum Beispiel durch bunte Kugeln oder umhäkelte Baumstämme, findet sich an vielen Orten und lässt Hilligenbohl wie einen Zaubergarten wirken.

Nach einem Brand im Jahr 1979 haben die Kirchners den Hof mit vielen alten, fast historischen Materialien wieder aufgebaut. Mit Blick auf die alten Steine, Kacheln, Balken, Bohlen und barocken Türen ist es kaum fassbar, dass das Anwesen, auf dem es auch einige Ferienwohnungen gibt, erst 36 Jahre alt ist.

Das Narzissenfest mit Garten- und Kunsthandwerkermarkt sowie Musikbeiträgen ist für die Kirchners der Höhepunkt des Jahres. „Für die Vorbereitung und auch während der Tage ist praktisch die ganze Familie im Einsatz“, sagt Ute Kirchner. Das Erdgeschoss wird komplett leer geräumt, um Platz für Stehtische und das Kuchenbüfett zu schaffen. „Die Ruhe und Muße ist das, was viele Gäste am meisten schätzen“, sagt Ute Kirchner. In die weite Marsch schauen, die Blütenpracht im Garten genießen, die salzige Luft der nahen Nordsee tief einatmen und zur Ruhe kommen. „Hilligenbohl ist ein Kraftort“, weiß Ute Kirchner. Viele der dort wachsenden Narzissen gibt es nicht im Handel, doch sie können bei den Kirchners bestellt werden. Dadurch kann zumindest ein Stück des Blütenzaubers des Hofs der Heiligen mit nach Hause genommen werden.  

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