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Nordfriesland Tageblatt

19. August 2017 | 02:05 Uhr

Müllproblem : Die Mülltonne im Schlepptau

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine Änderung, die für Ärger sorgt: Seit Kurzem müssen die Demmers für die Müllentsorgung ihre Tonnen 80 Meter bis zu nächsten Straße ziehen. Der Müllwagen kann nicht mehr in die Sackgasse rückwärts rein fahren.

Jeden Freitag gibt es für Familie Demmer ein Problem. Dann nämlich müssen die Mülltonnen für die Müllabfuhr bereitgestellt werden, was seit Kurzem für Klaus und Karin Demmer mit Mühen verbunden ist. Das Rentnerehepaar – er 67 und zu 90 Prozent behindert, sie etwa gleichaltrig – wohnt im Rungholtweg. Die Straße ist eine Sackgasse, in der die Müllabfuhr bislang wegen fehlender Wendemöglichkeit rückwärts hinein stoppte und die an der Straße stehenden Mülltonnen aufnahm. Das ist seit dem 2. September nun aber vorbei.

Alle Anwohner des Rungholtweges wurden mit einem Schreiben der Abteilung Abfallwirtschaft aufgefordert, ihre Tonnen zum Uthlandeweg zu karren. Für die Eheleute Demmer sind es 80 Meter bis zum neuen Abholplatz. „Das ist für uns unzumutbar“, schrieb Klaus Demmer dem Kreis. „Diese Wegstrecke ist nach Abwägung aller Belange als zumutbar zu bewerten“, heißt es jedoch aus dem Büro des Husumer Landratsamts.

Bei der Wohnlage Rungholtweg mit ihren zwölf Parzellen handelt es sich um ein privates Baufeld. Ursprünglich wollte seine Eigentümerin, die Aventofter Fuhrbach & Niclausen-GbR, dort eine Seniorenwohnanlage bauen, wie aus dem Amt Südtondern zu erfahren war. Doch der Plan zerschlug sich. Stattdessen entstand dort ein Wohngebiet unter der Bezeichnung B-Plan 2 und erschlossen durch einen Privatweg, den Rungholtweg.

Nach bekannter Rechtslage erteilt die Baubehörde, in diesem Fall der Kreis Nordfriesland, Baugenehmigungen in der Regel nur dann, wenn mit der Erschließung auch die Ver- und Entsorgung der Grundstücke sichergestellt ist – die Müllabfuhr inklusive. Das schien auch 14 Jahre der Fall gewesen zu sein. Seit kurzem aber, im Zuge eines Nachbarschaftsstreits zwischen anderen Anwohnern in der Straße, wurde offensichtlich, dass die im privatem Eigentum befindliche Zuwegung eigentlich nicht angefahren werden dürfte. Tatsache ist, dass der Rungholtweg eng bemessen ist und zu schmal für ein großes Entsorgungsfahrzeug. Tatsache ist auch, dass der Weg von den letzten Hausnummern zum Uthlandeweg recht weit ist – und bei extremer Wetterlage im Winter hinderlich. Und: die allgemeine Rechtslage über die Länge von zumutbaren Wegen kommt dem Rentnerehepaar Demmer unter 100 Metern nicht zugute, wie Udo Schmäschke, Fachbereichsleiter für Bau- und Ordnungswesen im Amt Südtondern, in Kommentaren nachblätterte. Hätte das die seinerzeit (bau)genehmigende Behörde nicht von vornherein bedenken müssen?

Das Büro der Abfallwirtschaft stützt sich auf die Abfallwirtschaftssatzung und sieht sich mit der Entscheidung rechtens. Unterstützt wird es von den Anforderungen der Berufsgenossenschaft, die für die Müllwagen Wendemöglichkeiten fordert, die im Rungholtweg nicht vorhanden sind. Bekräftigt wurde die Entscheidung im Husumer Büro auch noch, weil, wie es in der Verfügung heißt, „sich bereits ein Unfall zugetragen haben soll.“ Davon will Klaus Demmer jedoch nichts bemerkt haben. „Wo wir doch alle nahe beieinander wohnen und sich so was herumspricht.“

Oberamtsrat Schmäschke vertritt die Auffassung, dass sich auch bei einer Umwidmung des Rungholtweges vom Privatweg in eine öffentliche Straße nichts ändern würde. Darüber seien die Gemeinde Dagebüll und die Eigentümer zwar im Gespräch. Doch entschieden sei noch nichts, zumal eine Umwidmung auch mit der Kostenfrage verbunden sei.

Eine Lösung zugunsten der Betroffenen scheint daher zurzeit nicht in Sicht. Es sei denn, es kommt zu einem Kompromiss, der angesichts einer früher nicht ausreichend und allen Belangen gerecht gewordenen Erschließung zu begrüßen wäre. Und bis dahin müssen die Demmers – wie die anderen Anwohner der Rungholtstraße auch – weiter ihre Mülltonnen hinter sich herziehen.

 

 

 

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erstellt am 15.Okt.2013 | 05:00 Uhr

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