Bildungsfragen : Die Lust auf Veränderung wecken

Hielt ein Impulsreferat zum Thema „Bildung“:  Friedemann Magaard. Fotos: Stephan Bülck
1 von 2
Hielt ein Impulsreferat zum Thema „Bildung“: Friedemann Magaard. Fotos: Stephan Bülck

Sehen, was richtig gut klappt, und diese Fähigkeiten nutzen: Das ist nur eines der Rezepte von Friedemann Magaard in Sachen Bildungsqualität.

23-4476182_23-57195990_1417182993.JPG von
11. März 2014, 10:00 Uhr

Das Land Schleswig-Holstein wird das Projekt „Bildungslandschaften zwischen den Meeren 0.3 –Beteiligungskultur entwickeln“ fortsetzen. Und auch die Stadt Niebüll hat ihr Interesse an der Fortsetzung des Projekts bekundet. „Wie geht es weiter?“, fragte Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt während der Auftaktveranstaltung „Bildungsstandort Niebüll“ im Amt Südtondern. Bevor die Vertreter unterschiedlicher Organisationen das Thema Bildungsfonds diskutierten, hatte Friedemann Magaard, Geschäftsführer des Christian Jensen Kollegs in Breklum, das Wort. Das Thema seines Referats: „Bildung“.

„Gibt es Leute, die in ihrem Leben schon mal zur Schule gegangen sind?“, fragte er scherzhaft und blickte in die Runde, nachdem die Reaktionen auf seine anderen Fragen eher verhalten waren. „Das sind doch ein paar“, erklärte er mit einem Lächeln. „Alle haben Bildung erlitten und somit auch eine Meinung dazu.“

„Wir müssen Bildung so frisch denken, dass wir uns nicht wiederholen“, forderte Magaard. Dazu müssten neue Ideen her. „Für ländliche Räume kann Bildung ein ganz wichtiger Faktor sein.“ Jedoch: „Der Stellenwert derjenigen, die in der Bildung arbeiten, ist nicht sehr hoch“, beklagte der Referent. „Die Akzeptanz von Lehrern und Erziehern – da geht mehr.“ Es sei ein Fehler, dass der Berufsstand der Lehrer nicht mehr ernst genommen werde. „Denn sie erfüllen einen superwichtigen Part.“ Aber auch die Bevölkerung, die Ehrenamtler, seien gefragt. Dazu zitierte er einen afrikanischen Spruch: „Ein ganzes Dorf ist nötig, um ein Kind zu erziehen.“ Doch: „Um unser Dorf steht es nicht gut.“ Die ländlichen Räume seien eine Krisenregion. „Energie“, also Manpower, werde von großen Städten wie Hamburg, Kiel und Lübeck abgesogen. Der Altersdurchschnitt steige, die Bevölkerung nehme weiterhin ab, auch die Zahl der Arbeitskräfte.

„Wie soll ein Dorf ein Kind erziehen, wenn es dem Dorf schlecht geht?“ Also müsse es fit gemacht werden. „Ich habe ein Faible für Utopie.“ Es gehe darum, die Bildungsqualität zu retten. Wie aber könne sie in den ländlichen Räumen besser werden? Mit einer anderen Einstellung. „Wir sagen uns zu selten, wenn etwas richtig gut klappt. Statt dessen erfahren wir alles über Krisen und Katastrophen.“ Die Lösung: Lust auf Neues, Lust auf Veränderung. „Und dafür brenne ich.“ Dabei müsse man sich auf eines konzentrieren: „Wir machen das stark, was in ländlichen Räumen funktioniert. Was können wir richtig gut? Wir kennen uns alle, haben kurze Wege und können uns aufeinander verlassen. Wir wissen, bei wem wir unser Auto reparieren lassen können, wo unsere Kartoffeln herkommen.“ Mit einem Wort: Vernetzung. „Das sollten wir für die Bildung neu einsetzen, und das ganze Dorf und die ganze Stadt soll sich engagieren.“

Kinder und Jugendliche, die Bildung erleben sollen, müssten gestärkt werden, forderte Friedemann Magaard. Und: Es gehe nicht darum, den Niedergang zu gestalten. „Wir müssen in Qualität investieren, und nicht das Kleinerwerden aufzuhalten versuchen.“ Rückwärts reagieren sei nichts nach vorne Gerichtetes.

Judith Horn vom Amt Südtondern erklärte im Anschluss unterschiedliche Arten und Formen der Stiftungen und somit auch die Möglichkeit der geplanten Einrichtung eines Bildungsfonds. Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt: „Der Weg führt an einer solchen Organisation nicht vorbei.“ Aber wer zahlt ein, und wer sind die Nutzer? Darüber wurde an diesem Nachmittag von Vertretern unterschiedlicher Organisation diskutiert, und die Meinungen gingen auseinander. Eine gute Basis sei die Niebüller Erklärung (siehe Kasten). „Sie ist ein Superpapier“, erklärte Friedemann Magaard. „Die ganze Stadtvertretung hat gesagt: Das ist unser Ding“, ergänzte Wilfried Bockholt.

Transparenz und zugleich eine begrenzte Öffentlichkeit, um die Unterstützten zu schützen, wurde gefordert, dort helfen, wo andere Organisationen nicht einspringen, erkunden, wo Hilfe benötigt wird. „Ein Bildungsfonds soll nicht dazu führen, dass die Verantwortung der Eltern verlagert wird.“ Uneinigkeit bestand darin, ob einzelne Bedürftige oder die breite Masse zu fördern sei. Die Stichworte Elternschule und Integration von Migranten fielen in diesem Zusammenhang. „Wir sind auf Menschen angewiesen, die von woanders her kommen“, erklärte Magaard. „Und das sollten wir sie auch spüren lassen. Sie müssen von Anfang an lernen. “

Weitere Anregungen waren Schulsozialarbeit, die Mitfinanzierung von Seminaren für Sterbebegleiter, die anteilige Übernahme der Kosten für einen Führerschein von Feuerwehrleuten seien denkbar.

Und schließlich die Frage nach dem Stiftungsvermögen. Sie sei letztendlich entscheidend dafür, was denn gefördert werden könne. Wilfried Bockholt: „Es ist ja nicht auszuschließen, dass ein Unternehmen sich auf die Fahne schreibt, speziell die Schulsozialarbeit zu fördern.“ Aber bevor es soweit sei, müsse ein Grundstock gelegt werden, eventuell durch die Stadt.

Das Projekt Bildung fordert jeden Bürger auf, sich einzubringen. Eine Anwesende: „Wir haben schon so viele tolle Dinge installiert, aber es hängt nur an so wenigen Menschen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen