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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 11:18 Uhr

Bahn-Chaos : „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

DB Regio übernimmt ab Sonntag die Marschenbahn und verspricht den gebeutelten Sylt-Pendlern einen zuverlässigen, stabilen Fahrplan.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2016 | 06:30 Uhr

Die DB Regio Schleswig-Holstein will ab Sonntag alles besser machen: In der überwiegend von Pendlern besuchten Mensa der FPS informierten am Montagabend hochkarätige DB-Management-Vertreter über die Planungen für die Übernahme der Marschenbahn.

Bürgermeister Wilfried Bockholt hatte eingangs die Richtung vorgegeben: „Es muss vernünftig laufen!“ Manuela Herbort, Bevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hamburg und Schleswig-Holstein, nahm zunächst viel Dampf aus dem Kessel, indem sie bekannte: „Wir haben uns das auch alles anders vorgestellt.“ Sie bat um Verständnis, dass angesichts der Krisensituation – derzeit sind alle Wagen der Marschenbahn wegen defekter Kupplungen in der Werkstatt – nicht alles sofort klappen könnte. „Wir können nicht zaubern.“ Das Publikum nahm die gut formulierten Vorab-Entschuldigungen mit Geduld und großzügigem Beifall auf. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, raunte ein Pendler, der seit 35 Jahren auf die Insel fährt.

Bernhard Wewers (Nah.SH) teilte nach einer Entschuldigung über die aktuellen Umstände mit, dass für den Monat November mit einer Entschädigung für Abo-Karteninhaber zu rechnen sei. „Die Probleme auf der Marschbahn sind eine bisher in Schleswig-Holstein einmalige Ausnahmesituation.“ Gleichzeitig dankte er der NOB für die geleistete Arbeit und erklärte, dass der IC bis zum 18. Dezember in Klanxbüll halte und bis dahin auch mit den üblichen Fahrkarten benutzt werden dürfe. Der IC könne jedoch nicht, so seine Antwort auf eine Nachfrage, in Morsum oder Keitum halten. „Das geht aus technischen Gründen nicht.“

Torsten Reh, Vorsitzender der Regionalleitung Nord bei DB Regio, drehte das ganz große Rad. „Ein stabiler Fahrplan – das hat Priorität und ist die größte Herausforderung für alle Beteiligten.“ Erklärtes Ziel sei es, mehr Platzkapazitäten durch längere Züge zu schaffen, vor allem während der Hauptverkehrszeit. Bundesweit habe man angesichts der Notsituation nachgefragt, und nun seien 84 Reisezugwagen im Portfolio. Gleichzeitig bat der DB-Manager um Nachsicht, denn es seien keine neuen Wagen. „Diese alten Wagen sind für Behinderte oder Eltern mit Kinderwagen eine Zumutung“, hieß es sogleich aus der Zuhörerschaft. Torsten Reh zeigte sich flexibel und sicherte einem Rollstuhlfahrer zu, individuell auf dessen Wünsche einzugehen. „Dann muss eben mal ein Taxi auf den Autozug!“ Eine angemessene Lösung gibt es vorerst nicht, da die reparierten Wagen erst im Frühjahr wieder zum Einsatz kommen. „Jede Kupplung muss genau untersucht werden“, teilte der Moderator, DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis, mit. Gleichzeitig will DB Regio die Reisenden besser informieren. Durch die neue App „DB Bauarbeiten“ und den „DB Streckenagent“ sowie durch sogenannte Reisende-Lenker in und an den Zügen. Offensichtlich gibt es aber auch ganz simple Missstände: „Ich wünsche mir eine klare Lautsprecheransage und Mitteilung auf den Anzeigetafeln“, betonte Pendler Peter von Hoyningen-Hüne.

Die Anregung wurde aufgenommen – doch DB Regio kann offensichtlich auch nicht alles: Achim Bonnichsen von der Pendler-Facebook-Gruppe setzte vergeblich darauf, dass der umstrittene Sylt Shuttle Plus weiter für Pendler nutzbar sei. „Der war Gold wert!“ Doch mit dem Fahrplanwechsel bleibt der Shuttle wie zuvor ein „Geisterzug“.

„2018 wird es 12-Wagen-Züge ab Husum geben – nach der Bahnsteigverlängerung“, erklärte Torsten Reh. Zukunftsmusik sind WLan in den Zügen sowie eine weitere Verdichtung auf der Strecke Niebüll-Westerland. Leiser Unmut über Erste-Klasse-Nutzer, die trotz überfülltem Zug Strafe zahlen mussten, wurde vom Podium abgebügelt. „Wer erste Klasse nutzt, muss auch zahlen“, so Wewers.

Die Veranstaltungsbesucher blieben angesichts der positiven Ankündigungen sachlich. „Man muss dem neuen Betreiber eine Chance geben“, so Achim Bonnichsen. Gleichwohl will er im Gespräch bleiben, wenn es nicht so läuft. „Wir tauschen uns aus“, sicherte Manuela Herbort zu.

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