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Weitere OGS in Leck : Die Herkunft als Hindernis?

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Jan Lietzau, Schulleiter der Grundschule an der Linde, will mit einer weiteren offenen Ganztagsschule (OGS) für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen.

von
erstellt am 16.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Jeder Schüler hat die gleichen Chancen auf Bildung. Ist dieser Satz eine Tatsache oder Wunschdenken?
Jan Lietzau: Leider eher Letzteres. In kaum einem anderen OECD-Land entscheidet die häusliche Herkunft derart stark über den Bildungserfolg der Schüler wie in Deutschland.

Woran liegt das?
Viele Länder haben schon lange Ganztagsschulen. In Deutschland stehen wir in dieser Hinsicht häufig noch in den Startlöchern. Dabei kann die Offene Ganztagsschule für Chancengerechtigkeit sorgen, wenn der Aspekt der Bildung stärker in den Fokus rückt. Wer Eltern hat, die darauf achten, dass abends im Bett gemeinsam noch eine Geschichte gelesen wird, dass es früh zum Schwimmunterricht, zum Musikunterricht oder Sportverein geht, der muss sich keine Sorgen machen. Aber nicht alle haben haben das Glück dieser guten Startbedingungen.

Bei vielen Schülern läuft der Fernseher den ganzen Tag, die Eltern zeigen wenig Engagement und Interesse an der Schule. Die Herkunft als Hindernis?
Die Rede ist dann gern von „bildungsfernen Schichten“. Bildung darf aber nicht dem Zufall überlassen sein und davon abhängen, wie das häusliche Umfeld aussieht.

Aus diesem Grund wollen Sie eine OGS an Ihrer Grundschule an der Linde einrichten mit einer Übertragung der Trägerschaft auf die Gemeinde Leck. Anfang der Woche hatten Sie Ihren Wunsch beim Ausschuss für Bildung, Jugend, Kultur und Sport vorgestellt. Mit dem Resultat, dass die Fraktionen einstimmig Ihren Vorschlag befürworteten. Was steckt dahinter?
Zum Verständnis: Es gibt schon für unsere Grundschüler eine Offene Ganztagsschule bis 16 Uhr, aber nicht bei uns, sondern bei der rund zwei Kilometer entfernten Gemeinschaftsschule an der Lecker Au. Wer dort mitmachen möchte, muss dafür nach der bei uns bis 13 Uhr gehenden Betreuung mit dem Linienbus zur Gemeinschaftsschule fahren. Dort kann derjenige Mittag essen und an den Angeboten teilnehmen. Die Kinder haben aber noch keinen Bezug zu dieser Schule. Sie sind dort fremd. Ein Erstklässler sitzt dann unter Umständen in den Kursen neben einem Neuntklässler. Ein anderer Punkt: Grundschüler, die morgens zur Schule an der Linde mit dem Rad fahren, müssen mit dem Bus zur OGS der Gemeinschaftsschule fahren – das ist Pflicht. Das Rad bleibt somit an der Grundschule und muss dort nach 16 Uhr von den Eltern abgeholt werden. Alles Gründe, warum das bestehende OGS-Angebot nur unzureichend genutzt wird. Dabei besteht bei den Grundschülern ein hoher Bedarf.
Inwiefern?
Durch die Kitas sind die Eltern der Grundschüler meist eine Ganztagsbetreuung gewöhnt. Sie haben sich beruflich darauf eingestellt. Somit wäre es nur folgerichtig, wenn es ein ähnliches Angebot auch bei der Grundschule geben könnte. In Enge-Sande wird das seit Februar 2016 schon gemacht – mit einem überwältigen Zuspruch. Die Gemeinde Enge-Sande hat gezeigt, dass die Familien ein attraktives Angebot begeistert annehmen.


Was macht es attraktiv?
Es muss qualitativ hochwertig sein. Dazu gehören verschiedene Projekte, freies Spiel, aber auch Förderangebote. Nach der Sanierung der Grundschule können wir alles bieten, was das Kinderherz begehrt. Ob nun Spiel, Sport, Musik, Holzwerkstatt, Handarbeit. Genauso wichtig ist, dass die OGS in Kooperation mit den Kollegen der „Vormittagsschule“ Fördermöglichkeiten, beispielsweise Leseförderung in der Schulbibliothek, anbietet. Wir wollen sicherstellen, dass alle Kinder ihre Potenziale ausschöpfen können – in einer Atmosphäre, in der Lernen Spaß macht.

Ab wann könnte es die in Leck geben?
Hoffentlich nach den Sommerferien. Am 28. April wird in der Gemeindevertretersitzung abschließend entschieden, ob eine OGS an der Grundschule eingerichtet wird. Ich hoffe auf den Zuspruch, denn von einer verbesserten Bildungsgerechtigkeit profitiert perspektivisch die ganze Region.

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