zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 17:12 Uhr

Die Friesen lassen die Funken sprühen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine Tradition mit Volksfestcharakter: In mehreren Orten Südtonderns brannten gestern wieder die Biiken – bei bestem Wetter

von
erstellt am 21.Feb.2017 | 10:48 Uhr

Lichterloh brannte es gestern Abend gleich an mehreren Stellen in Südtondern. Denn mit dem 21. Februar stand erneut das traditionelle Biikebrennen an. Ob beispielsweise in Leck, Emmelsbüll-Horsbüll oder Süderlügum – wieder waren es vor allem die ausgedienten Tannenbäume, die von Helfern zu Haufen gestapelt und dann entflammt wurden.

Besonders groß war das Feuer vom Friesenverein und der Traditionsgemeinschaft der Deezbüller Feuerwehr. Dort flammten etwa 3500 Nordmanntannen zur vermeintlich größten Biike an der Westküste auf. Die Niebüller versammelten sich um 18.30 Uhr bei gutem Wetter auf dem Rathausplatz und marschierten unter Führung des Freien Fanfarenzugs zur Biike. Begleitet dorthin wurden sie von Fackelträgern der Jugendfeuerwehr, die die Biike um 19 Uhr entzündete. An ihrem Feuer erwärmen sich auch diesmal wieder rund 2000 große und kleine Leute. Wer Appetit hatte, konnte sich eine Bratwurst oder Waffeln frisch vom Eisen kaufen. Das Biikebrennen auf der Deezbüller Burg hat volksfestartigen Charakter.

Brauchtum und Gemeinschaft – diese Kombination trieb das junge Ehepaar Sebastian und Michelle Gilde zum Feuerberg. „Meine Frau kommt aus Rostock und erlebt es zum ersten Mal“, so Sebastian Gilde. Auch Ute Johannsen, Niebüller Architektin, ließ sich die Biike nicht entgehen: „Biike heißt für mich frieren, frische Luft und ist der Abschied vom Winter.“

Seit drei Jahrzehnten ist es zudem in Risum-Lindholm guter Brauch, dass auch die Kinder ihr Biikebrennen haben – aber nicht am Abend. Dieses Mal fand die Kinderbiike in der Risumer Herrenkoogschule statt. Der Grund: Das Kinderbiike-Fest ist gleichzeitig ein Abschiedsfest, weil es diese Schule nach den Sommerferien nicht mehr geben wird. Etwa 180 Kinder feierten mit Theaterspiel, Liedern, Sketchen und leckeren Heedewääken.

Was es mit den Biiken auf sich hat, dazu blätterte der Niebüller Historiker Albert Panten in den Annalen der Region etliche Seiten zurück: Hauptelement des Brauchtums ist das Feuer. Junge Leute trugen es früher über die Feldmark, kündigten den baldigen Frühling an und das Ausbringen der Saat an und verbanden damit nicht nur die Hoffnung auf eine gute Ernte, sondern auch darauf, dass die Jugend gut geraten möge. Um 1900 bekam das Ereignis sogar völkischen Anflug, um ein Nationalgefühl zu erzeugen. Um 1700 wurde um das Feuer getanzt – und dieses 20 Jahre später (nach dem nordischen Krieg) verboten, um 1800 wieder entfacht zu werden. Einen festen Platz bekam das Biiken auf Sylt durch den Sylter Chronisten Carsten Peter Hansen (1803-1879). Hansen propagierte den Tag des Biikens als nationalen Feiertag, der zwischen Neukirchen und der Soholmer Au gefeiert wurde.

Die Biike war zunächst ein aufgeschichteter Strohhaufen mit einer Stange drin. C.P. Hansen änderte den Brauch, indem er die Biike zur „Feuerbake“ machte und an die Stange eine Teertonne hängen ließ, deren Feuer weithin leuchtete und auch als Warnung vor Feinden galt. 1840/50 bestand die Biike aus Stroh und Resten vom Spinnen der Schafwolle. Ab 1900 wurden die Biiken größer und nach der Teertonne mit einer Puppe „getoppt“, die dem Hexenkult diente. Die Verbrennung der Hexen wurde zeitweiser Brauch. Die Zeit rund ums Biikebrennen war außerdem Auftakt zur Fastenzeit und Geselligkeiten.

Zuweilen änderte sich auch die Sinngebung, indem die Seeleute und Walfänger auf große Fahrt verabschiedet wurden und ihnen vom Strand das Feuer hinterher leuchtete. Älteste Belege über das „feurige Brauchtum“ datieren aus dem Jahr 1566 aus schriftlichen Unterlagen über Verbote. Doch das Biiken wurde keineswegs auf Sylt erfunden. Ähnliche Bräuche gab es auf den Orkney-Inseln, im schwäbisch-alemannischen Raum und da, wo im Karneval Funken gezündet wurden.

Feuer diente auch dem Selbstzweck, wie heute auf Sylt, wo zur Zeit des Biikens reichlich Geld ausgegeben wird. Und wenn auf der Deezbüller Burg Bratwurst an der Biike verkauft wird, dann fließt der Überschuss, den die Traditionsgemeinschaft erwirtschaftet, der Jugendarbeit und anderen guten Zwecken zu.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen