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Die elementare Rolle von Luft beim Energiesparen

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Nicht nur beim Lüften, auch beim Hausbau und der Dämmung ist die Luft ein wichtiges Element, das zur Einsparung von Energiekosten beiträgt

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Niebüll | In unserer Serie zum EU-Jahr der Luft haben wir dieses Mal Peter Sönnichsen, Energieberater der Verbraucherezentrale Schleswig-Holstein, gesprochen. Der Diplom-Ingenieur ist zu regelmäßigen Sprechstunden im Niebüller Rathaus zu Gast. Welche Rolle die Luft beim Energiesparen spielt, beantwortet er uns im folgenden Interview.

NFT: Was hat Luft mit Energieeinsparung zu tun?

Peter Sönnichsen: Die Luft im Haus, in erster Linie die im Winter beheizte Raumluft, spielt hinsichtlich des Energieverbrauchs eines Gebäudes eine entscheidende Rolle. Muss sie doch aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen in regelmäßigen Abständen (je nach Belastung, das heißt Anzahl und Tätigkeit der im Raum/Haus befindlichen Personen) ausgetauscht werden. Mit der verbrauchten Luft wird dann natürlich auch die Wärme abgeführt, die ständig und mit erheblichem Energieeinsatz durch das Heizsystem wieder produziert und bereit gestellt werden muss.

Hat Luft eine Bedeutung beim Hausbau?

Ja, schon aus diesem Grund hat die Luft eine elementare Bedeutung beim Hausbau und zwar sowohl im Neubau- als auch im Sanierungsbereich. Durch eine ausreichend luftdichte Gebäudehülle wird sichergestellt, dass die erwärmte Luft nicht zu häufig und vor allen Dingen nicht unkontrolliert ausgetauscht wird, wie es bei älteren Bestandsgebäuden vielfach vorkommt. Eine detaillierte Ausführungsplanung der Gebäudehülle hinsichtlich der Luftdichtheit ist also von großer Bedeutung.

Zum einen um eben die erwärmte Luft innerhalb des Gebäudes zu halten, zum anderen um den in den Bauteilen der Gebäudehülle befindlichen Dämmstoff mittels entsprechenden Abdichtungsbahnen gegen Auskühlen zu schützen. Das wiederum würde nämlich die Dämmwirkung stark reduzieren und den Verbrauch von Heizenergie entsprechend erhöhen. Im übrigen ist die Dämm-Qualität eines Baustoffes im wesentlichen vom Luftanteil abhängig. Je größer dieser ist und aus vielen möglichst kleinen Einzelzellen besteht, desto besser ist die Dämmwirkung.

Was passiert wenn die Luft zu trocken oder zufeucht ist?

Eine relative Raumluftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent wird aus gesundheitlichen Gründen empfohlen. Wenn sie weiter absinkt, kann es zu Problemen mit den Atemwegen (unter anderem trockener Hals) oder auch mit der Haut kommen. Liegt die Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum über 65 Prozent, kann es im Winter zu Feuchtigkeitsbildung, überwiegend in Wandecken und Fensterleibungen kommen.

Insbesondere ältere Gebäude mit schlecht gedämmten und damit kalten Wänden und Decken sind betroffen. Dort trifft dann die warme, feuchte Luft (warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern, als kalte) auf die kalten Oberflächen und kondensiert zu flüssigem Wasser. Wird dieses Wasser durch regelmäßiges Lüften nicht abgeführt, kann es dort zu Schimmelpilzbildung kommen.

Wie lüftet man richtig und gleichzeitig energiesparend?

Das lässt sich pauschal nur schwer beantworten, da es von unterschiedlichen Faktoren abhängig ist, in erster Linie dem Nutzerverhalten und der Anzahl der Feuchtigkeitsquellen in den einzelnen Räumen wie der Personenanzahl, der Anzahl der Grünpflanzen, dem Wäsche waschen und trocknen und dem Duschen oder baden.

Außerdem spielt die schon erwähnte Luftdichtheit der Gebäudehülle eine wesentliche Rolle. Der ständige Luftaustausch durch Undichtigkeiten und Fehlstellen in einem Altbau erfordert weniger Lüftungsaufwand als im Neubau. Bei einem Vier-Personen-Haushalt können durchschnittlich bis zu zwölf Liter Wasser pro Tag zusammenkommen, die abgelüftet werden müssen. Das lässt sich in der Regel mit drei bis vier Lüftungsvorgängen erreichen. Damit ist allerdings Stoßlüften - ganz geöffnete Fenster zirka fünf bis zehn Minuten - besser noch Querlüftung im ganzen Haus (zwei bis drei Minuten) gemeint. In keinem Falle sollten Fenster längere Zeit in Kippstellung verbleiben, da neben des geringen Luftwechsels auch noch die angrenzenden Bauteilflächen auskühlen, die dann mit teurer Energie aufgeheizt werden müssen, bevor sich die Raumluft erwärmt. Zu empfehlen ist die Anschaffung eines sogenannten Hygrometers, der die relative Luftfeuchtigkeit misst, und damit den Lüftungsbedarf anzeigt. Nach umfangreichen energetischen Sanierungsarbeiten oder im Neubaubereich kann in vielen Fällen aufgrund der verbesserten Luftdichtigkeit ein ausreichender Luftwechsel durch Fensterlüftung nicht mehr sicher gestellt werden, sodass zum Beispiel ventilatorgestützte Lüftungsanlagen in Betracht kommen.

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