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Kinder- und Jugendhilfe : Die „Deichkids“ als Ersatzfamilie

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Loop-Jugendhilfe unterstützt als Hilfsorganisation seit Juni auch in Niebüll Kinder und Jugendliche in sozialen und emotionalen Notlagen

Ein weitläufiger Garten, hellgelber Anstrich und der Blick auf unverbauten Horizont: Der Resthof der „Deichkids“ unweit der Niebüller Stadtgrenze wirkt einladend. Seit Juni ist der ehemalige Bauernhof Sitz einer gemeinnützigen Kinder- und Jugendeinrichtung.

Wer zwischen den Feldern Südtonderns ein „Kinderheim“ alter Prägung erwartet, der täuscht sich. „Karge Schlafsäle gibt es bei uns nicht. Jedes Kind lebt hier individuell“, sagt Geschäftsführer Dirk Richter, der die Kinder- und Jugendhilfeorganisation „Loop-Jugendhilfe“ vor fünf Jahren gründete. Momentan haben sechs junge Bewohner zwischen 13 und 18 Jahren Quartier bezogen. Alle haben in ihren Familien Verletzungen an der Seele erlitten und mussten Abstand zwischen sich und der eigenen Vergangenheit bringen. Damit der Start ins Leben dennoch gelingen kann, kümmern sich am Niebüller Standort vier Betreuer um die jungen Bewohner. Die Stimmung dabei ist familiär. Trotzdem folgt der Alltag auf dem Resthof einem klaren Katalog von Rechten und Pflichten. Auch der Tagesablauf ist durch feste Zeiten für gemeinsames Essen, Arbeit im Haushalt und Versorgung der Tiere klar vorgegeben. „Wir haben eine sehr strukturierte Woche“, erklärt Einrichtungs-Koordinatorin Yvonne Lingel. „Eine Abweichung wäre nicht sinnvoll, da die Bewohner diese Verlässlichkeit dringend brauchen.“ Um die Kinder und Jugendlichen in die Selbstständigkeit zu führen, regieren die Pädagogen daher nicht mit Strafen und strengen Verboten. Stattdessen setzt das Team um Geschäftführer Dirk Richter und dem pädagogischen Leiter Norbert Briel auf ein belastbares Vertrauensverhältnis und persönliche Gespräche. „Hier wird natürlich keiner eingesperrt“, sagt Briel. Man wolle den Kindern bei den „Deichkids“ und in den anderen Einrichtungen ein verständnisvolles Zuhause bieten.

Neben Einrichtungen wie den „Deichkids“, die lange nicht den Bedarf an Pflegefamilien abdecken könnten – so Richter – wirbt der Sozialpädagoge und fünffache Vater für sein Konzept der sogenannten „Loop-Familie“. Dieses Angebot des Kinderhilfswerks ist im nördlichsten Bundesland noch recht neu: „Der Unterschied zur klassischen Pflegefamilie besteht darin, dass mindestens ein Elternteil eine pädagogische Ausbildung haben muss.“ Kinder sollen so unter professionellen Bedingungen ein neues Zuhause geboten werden. Zurzeit betreut das 8-köpfige Leitungsteam der Loop-Kinder und Jugendhilfe etwa 250 Kinder und Jugendliche sowie deren Familien in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Bundesländern. In Schleswig-Holstein soll das Konzept der sogenannten „Loop-Familie“ erst noch bekannt gemacht werden: Bevor die Familien ein Kind aufnehmen können, überprüft sie das Landesjugendamt. Davor führen Mitglieder des Leitungsteams intensive Gespräche mit den Bewerbern: „Es muss eine persönliche und fachliche Übereinstimmung geben“, erläutert Norbert Briel das Verfahren. Ultimativer Prüfstein sei auch immer die Frage: „Würde ich diesen Menschen meine Kinder anvertrauen?“

Auf den 800 Quadratmetern Wohnfläche des Resthofes bei Niebüll geht das Konzept der „Deichkids“ auf. Zwei jugendliche Bewohner berichten von Glück, Freiheit und Verständnis – Erfahrungen, die sie über lange Zeit nicht gemacht haben. „Früher habe ich sehr viel ferngesehen und war fast nie vor der Tür. Hier ist das ganz anders – hier bin ich fast den ganzen Tag draußen und habe etwas zu tun.“

Informationen zu der Möglichkeit eine Loop-Familie zu werden und Angaben zum Spendenkonto unter www.loop-jugendhilfe.de

 

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erstellt am 24.Nov.2014 | 18:53 Uhr

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