Richtfest : Die Bahn ist erwachsen geworden

Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (neg) feierte neben ihrem 120-jährigen Bestehen auch das Richtfest der neue Wartungshalle

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11. Juli 2015, 05:00 Uhr

Die aufstrebende Stadt Niebüll und die Region feiern ein weiteres besonderes Bauvorhaben. Auf dem Betriebsgelände der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft GmbH (neg), Betreiberin der Bahnverbindung zwischen Niebüll und dem Fährhafen Dagebüll, entsteht zurzeit eine moderne Wartungseinrichtung für Schienenfahrzeuge und Omnibusse. Am Donnerstag wurde auf der Baustelle des mit Kosten von vier Millionen Euro veranschlagten Bauvorhabens Richtfest gefeiert.

Alten Bräuchen entsprechend, kündeten Richtkronen das Erreichen einer wichtigen Zwischenstation des Bauvorhabens an – fünf Kronen, die ausnahmsweise neben dem Bauvorhaben in einem frischen Südwestwind hin und her schwangen, in einer Richtung übrigens, in der auch die Eisenbahn zwischen Niebüll und Dagebüll seit nunmehr 120 Jahren Personen zur „Weißen Flotte“ der Wyker Dampfschiffsreederei (WDR) befördert.

Es war vorgestern eine Doppelfete, die im Rohbau der großen Werkhalle gefeiert wurde, in der einmal Fahrzeuge für ihren Dienst auf Schiene und Straße gewartet werden: nämlich das Richtfest und das 120-jährige Jubiläum der „kleinen Eisenbahn“ da oben im Norden an der Grenze zu Dänemark. Ingo Dewald, Geschäftsführer der neg, hieß mehr als 100 Gäste willkommen: aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, Planer, Architekten und Bürgermeister der Nachbargemeinden sowie Handwerker, denen der er besonders dankte.

Aus der Historie und und Entwicklung des Unternehmens berichtete Beate Jandt, Vorsitzende des Niebüller Geschichtsvereins. Danach ging die „Kleinbahn Niebüll-Dagebüll“ am 13. Juli 1895 feierlich in Betrieb. Vom historischen Moment und weiteren Stationen informierte sie in Wort und Bild und ließ in Insidern und älteren Anwesenden manche Erinnerung aufleben. Es wäre zu wünschen, diesen Vortrag bei passender Gelegenheit noch einmal zu hören. Schon alleine wegen der Bilder, deren Konturen von zu hellem Licht verschluckt wurden.

Der Plan für die Eisenbahn Niebüll-Dagebüll wurde schon 1885 von einem hannoverschen Ingenieur zu Papier gebracht. Zunächst genügte die Ein-Meter-Spur. 1926 erfolgte die Umstellung auf die 1,435 Meter breite Normalspur – und damit die Anbindung Dagebülls und der Inseln „an den Rest der Welt“, wie Dewald formulierte und sich stolz darüber zeigte, dass heute Kurswagen des DB-Fernverkehrs nach Dagebüll gezogen werden und jeder vierte Reisende der WDR ein Bahn-Fahrgast ist.

Der Geschäftsführer bedankte sich für viele Hilfen, die ihm für das laufende Bauvorhaben zuteil wurden. Im Laufe der Jahre sei viel geschehen, ehe die Bahn „erwachsen“ wurde. Doch Konflikte seien bewältigt worden. Heute stehe das Unternehmen in der Pflicht einer besseren Stellwerk- und Signaltechnik – und wünsche sich mit seinem dänischen Nachbarn eine bessere Abstimmung. Zurück beim aktuellen Baugeschehen: „Es war eine wundervolle Bauzeit mit tüchtigen Handwerkern.“

Zwei davon zogen die Blicke der Richtgäste auf sich: Lars Jensen, der den Baukran bediente und den Balken mit den Richtkronen hochhievte, und Zimmerer Jan Erik-Petersen, der den Richtspruch sprach, bevor er das Glas zu Glücksscherben zerschellen ließ. Bestaunt wurden die beiden tüchtigen Handwerker auch von Heinrich Gewinner und Frank Schröder (Planungsgemeinschaft „Gewinner & Bauplanung-Nord/Oldenburg), zwei auf solche Bauvorhaben spezialisierten Experten.

Dipl.-Ing. Ingo Dewald bat seine Gäste zum Abschied um eine Spende für das DRK und dessen Betreuung der Flüchtlinge aus Jordanien.

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