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Nordfriesland Tageblatt

24. November 2017 | 10:37 Uhr

Die Bahn fährt wieder pünktlich – fast

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Vor zwei Tagen hat DB Regio den Nahverkehr auf der Westküstenstrecke übernommen / Erstes Zwischenfazit von Bahnbetreibern und Pendlern

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2016 | 19:16 Uhr

Fahrplanwechsel, Betreiberwechsel: Alles auf Anfang. Seit Sonntag fährt DB Regio statt der NOB den Personennahverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland. Optisch gibt es allerdings noch keine Freude, bestenfalls Nostalgie. Es sind alte Waggons, nicht schön, aber zweckmäßig. Man sitzt robust. Es sind harte Zeiten für die Pendler, so oder so.

Am Montag die erste positive Meldung. „Die Fahrt um 5.31 Uhr war sehr angenehm.“ Und auch die Schlagzahl wird erhöht. Von 6 bis 8.30 Uhr morgens können 3000 Leute mitfahren – im Sitzen. Fazit der DB Regio nach zwei Tagen: Das Ersatzkonzept der Deutschen Bahn AG ist zum Betriebsstart aufgegangen. Es fielen bisher keine Züge aus, und die Kapazitäten in den Zügen reichten aus, um alle Fahrgäste mitzunehmen.

Nah.SH-Geschäftsführer Bernhard Wewers hat sich bereits gestern Morgen vor Ort selbst ein Bild gemacht und war im Zug um 6.30 Uhr von Husum nach Westerland gemeinsam mit Achim Bonnichsen, Sprecher der Pendler-Facebook-Gruppe, unterwegs. Wewers Kommentar ist überaus positiv: „Bisher funktioniert das Ersatzkonzept von DB Regio gut. Das freut mich vor allem für die vielen Pendlerinnen und Pendler, die in den vergangenen Wochen Einiges auszuhalten hatten.“

Achim Bonnichsens Fazit aus Pendlersicht: „Noch läuft alles gut. Heute morgen zehn Minuten Verspätung, ohne Mitteilung, das geht noch. Nett war es, dass es morgens Kaffee umsonst gab!“ Doch er hat Wünsche. „Die Gastronomie-Mitarbeiter haben zwischen 22.22 und 0.02 Uhr ein richtiges Loch. Da hätten wir gern einen weiteren Zug. Und der Zug um 6.31 Uhr ist knallvoll. Da wünschen wir uns eine Verlängerung, sprich mehr Waggons wie bei der NOB.“ Bonnichsen ist optimistisch: „Heute wurden die Erste-Klasse-Abteile freigeben. Das sollte so bleiben.“

Verspätungen gibt es nach wie vor. Und ein Zug, der am Sonntagnachmittag von Sylt abgefahren ist, hatte eine gefährliche Sicherheitslücke, im wahrsten Sinne des Wortes: Eine Tür stand auf, kurz vor Niebüll. „Es war nicht die erste Tür. Sowas darf nicht passieren. Ich habe schon von weiteren Fällen gehört“, sagt Achim Bonnichsen. Die DB Regio wies direkt danach darauf hin, entweder dem Zugpersonal schnellstens Bescheid zu sagen oder die Notbremse zu ziehen. An den Bahnsteigen müsse man zudem auf die weißen Linien am Boden achten, damit es nicht zu Verletzungen am Bahnsteig kommt.

Der Zeitenwandel ist offensichtlich: Egal, wohin man kommt, die Zeit der blauen NOB-Automaten ist vorbei, sie sind abgebaut von Niebüll bis Hamburg-Altona. Es bleiben die „roten“ Automaten der DB Regio. Noch sind die Schaffner gnädig: Wer kein Ticket hat, darf eins im Zug kaufen. Doch das soll sich ändern. Man muss künftig glaubhaft nachweisen, dass der Automat nicht funktioniert. „Unsere Mitarbeiter sind für andere Dinge wie zum Beispiel Fahrgastformationen zuständig“, sagt DB-Sprecherin Manuela Herbort. DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis legt nach: „Man kann auch über DB-Navigator eine Fahrkarte lösen. Nach einer Karenzzeit werden wir hart durchgreifen.“ Ein Strafticket kostet 60 Euro. Das hört sich nach einem härteren Kurs an. Dennoch: Kunden will man nicht gleich zum Start vergraulen. Als in Langenhorn der Automat versagt, zeigt man sich großmütig. „Am Anfang ist alles schwer“, so Egbert Meyer-Lovis. Er setzt auf den Lerneffekt. Der Schaffner, der von der NOB übernommen wurde, lächelt. „Wir kennen doch unsere Pappenheimer.“

Die nächsten Tage bleiben für alle spannend – ob Betreiber oder Reisende. „Ein Zwischenfazit wird es am 20. Dezember bei einem erneuten Treffen zwischen Vertretern der Bahn, Politikern , Unternehmern und Pendlern geben“, erklärt Achim Bonnichsen und verspricht: „Wir bleiben auf jeden Fall am Ball.“


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