Serie: 60 Minuten Auszeit : Die Badegäste fest im Blick

Rettungsschwimmerin Lara Timme beobachtet das Treiben in und am See.
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Rettungsschwimmerin Lara Timme beobachtet das Treiben in und am See.

Die Wasserretter haben das Geschehen an der Niebüller Badewehle fest im Griff.

shz.de von
24. Juli 2018, 07:00 Uhr

Viel Betrieb herrscht nicht an diesem Nachmittag, „aber das ist montags in den Freibädern ganz normal“, sagt Malte Ingwersen. Der zweite Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Niebüll ist zur Badewehle gekommen, um bei den Mädels nach dem Rechten zu schauen, die heute von 11 bis 19 Uhr Dienst haben.
Dass sie beim Reden mit ihm die Blicke in die Ferne schweifen lassen, nimmt er keineswegs übel, denn sie tun nur gewissenhaft ihre Pflicht: „Wir behalten die Badegäste im Auge, damit niemandem etwas passiert“, sagt Wiebke Carstensen (18), die ebenso wie Lara Timme (20) ausgebildete Rettungsschwimmerin ist. Im Auftrag der Stadt Niebüll übernehmen sie regelmäßig an der Badewehle die Wasserwacht.

Ihr Arbeitstag beginnt mit dem Aufschließen der Sanitärräume. Sie messen die Wassertemperatur und hissen die DLRG-Fahne, damit jeder weiß, dass die Badestelle ab sofort bewacht ist. Während die eine das Sandspielzeug für die kleinen Gäste bereitlegt, deponiert die andere das Rettungsbrett am Ufer. So können sie damit sofort auf den See hinaus paddeln, sollte jemand in Not geraten. Immerhin ist die Wehle in der Mitte mehrere Meter tief.
„Solche Rettungseinsätze waren hier zum Glück schon ewig nicht mehr nötig, der letzte liegt Jahrzehnte zurück“, sagt Ingwersen. Dennoch sind die 15 bis 20 Rettungsschwimmer, die sich in der Saison den Dienst an der Badewehle teilen, jederzeit in der Lage, kleine und große Menschen aus dem Wasser zu retten, denn: „Wir trainieren jeden Sonnabend und jeden Mittwochabend in der Schwimmhalle.“

Als die Badegäste eintrudeln, gilt ihre erste Frage der Wassertemperatur: „25 Grad und die Wasserqualität ist super“, antwortet Lara. Dabei schaut sie durch das Fernglas auf die andere Seite des Freibades. Sie hat eine Gruppe Jugendliche im Visier, die sich dort niedergelassen haben und laute Musik hören. „Sollte sich hier jemand darüber beschweren, paddle ich mit dem Brett rüber und sorge dafür, dass sie die Lautstärke runterdrehen“, sagt sie zu ihrer Kollegin.

Die hat derweil zwei Radfahrer im Auge, die trotz Verbotsschild im schnellen Tempo auf die Badestelle zuradeln. Damit sie nicht mit den Badenden kollidieren, läuft sie ihnen entgegen und bittet freundlich, abzusteigen und die Räder zu schieben. „Das Schild wird leider häufig ignoriert, aber die meisten sind dann doch einsichtig, wenn wir sie auf die Gefahren aufmerksam machen“, sagt sie. Das gilt übrigens auch für Angler und Hundebesitzer, die an der Wehle zum Schutz der Badegäste nicht willkommen sind. „Da wir ihnen aber nur ein paar Schritte weiter mit dem zweiten See eine schöne Alternative bieten können, ist das meistens kein Problem“, sagt Lara.

Einen Moment später verhindert sie, dass ein kleiner Rabauke die Sandburg zerstört, die sich die achtjährige Clara gerade gebaut hat. Einen guten Draht haben die DLRG-Mädels zu dem fünfjährigen Felix aus Kiel aufgebaut, der zu Besuch bei der Oma in Deezbüll ist und fast täglich zum Baden herkommt. Als Wiebke testen will, wie gut das neue Pflaster auf feuchter Haut hält, ist Felix sofort bereit, das Opfer zu mimen. Kaum ist er fachgerecht „verarztet“, taucht ein echter Verletzter auf: Ein Junge hat sich im See an einer scharfkantigen Stelle eine Schnittwunde zugezogen.. Auch er bekommt ein Pflaster und alles ist wieder gut.

Ein Badegast bittet um ein Kühl-Pack, nachdem er sich beim Sprung von der Badeinsel heftig das Knie gestoßen hat, ein anderer interessiert sich für die Vor-Ort-Ausrüstung der Rettungsschwimmerinnen: „Wir haben alles da, was zur Wundversorgung nötig ist, und für den Notfall auch Sauerstoff und Beatmungsmasken“, erklärt ihm Malte Ingwersen. Und wenn mal keine Gäste da sind? „Dann fegen wir die Wege, räumen die DLRG-Hütte auf oder fischen Algen aus dem Wasser“, sagen die Mädchen zu ihren Aufgaben an kühleren Tagen „Langeweile kennen wir hier nicht!“

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