Dialogsuche : Deutschlandreise gegen Vorurteile

Landwirt Volker Storm  beim Filmdreh mit Thomas Fabry und Annika Ahlers in Westre.
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Landwirt Volker Nissen beim Filmdreh mit Thomas Fabry und Annika Ahlers in Westre.

Verbraucher und Landwirte in Dialog bringen – das ist das Ziel zweier Jungbauern / Start ihres Projekts war in Westre.

shz.de von
31. Juli 2018, 06:27 Uhr

Westre | Mehr als ein Jahr haben Thomas Fabry und Annika Ahlers aus Nordrhein-Westfalen dafür geplant. Nun ist ihr Roadtrip durch die ganze Republik gestartet – in Flensburg und Westre. Das Ziel der zwei Junglandwirte ist Dialog. „Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen städtischen Verbrauchern und Landwirten“, sagt Annika Ahlers, die neben ihrem Job ihren Blog erklaerbauer.de pflegt und dort über landwirtschaftliche Sachverhalte aufklärt. Thomas Fabry, ebenfalls Landwirt, ergänzt: „Mit unserem #roadtripagrar wollen wir raus aus dem Kreislauf von Vorurteilen und Schuldzuweisungen und rein in den Dialog miteinander“.

In jeder Stadt möchten Ahlers und Fabry zunächst mit Verbrauchern ins Gespräch kommen. „Wir fragen die Verbraucher gezielt nach ihren Eindrücken über die Landwirtschaft. Vor allem interessiert uns, wie sie die regionale Agrarbranche wahrnehmen“, erklärt Ahlers. Anschließend diskutieren sie jeweils mit dem Leiter eines nahe gelegenen landwirtschaftlichen Betriebes die in der Stadt gewonnen Eindrücke. So suchten sie jetzt den Milchviehbetrieb von Hauke Nissen in Westre auf, um Antworten zu finden.

Während Betriebsleiter Hauke Nissen sich um seine Kühe kümmerte, sprang sein Bruder Volker Nissen, Agraringenieur, für das Interview ein. In landromantischer Atmosphäre vor dem frisch gepressten Strohballen bauten die Junglandwirte ihre Kulisse auf. Ihr technisches Equipment ist alles andere als laienhaft. „Manches haben wir uns bei einer TV-Produktionsfirma geliehen, manches hatten wir auch schon selbst“, erläutert Fabry, der sich täglich nachts noch an den Laptop setzt und das Videomaterial vom Tag sichtet, schneidet und am nächsten Morgen hochlädt.

So ist aktuell schon das Video aus Flensburg und Westre online zu sehen. Dort gibt es unter anderem Antworten darauf, warum Milch mancherorts günstiger sei als Wasser, welche Milch Nissen einem jungen Flensburger Familienvater für sein Kind empfehlen würde und was der Unterschied zwischen biologischer und konventioneller Produktion sei. Die Fragen haben die Flensburger nicht irgendwo gestellt, sondern in einem in einem VW Käfer Baujahr 1972, den die Roadtrip-Landwirte in Wees (Schleswig-Flensburg) bei einem Oldtimerverleih abholten.

Da Thomas Fabry und Annika Ahlers neben dem Dialogprojekt auch zeigen möchten, wie facettenreich die deutsche Agrarwirtschaft ist, besuchen sie neben den klassischen Schweine-, Milch- und Ackerbauhöfen auch einen Winzer oder einen Obstbauern. Als der hiesige Landwirt Nissen davon erfuhr, hatte er sich etwas Besonderes überlegt: einen Besuch auf einer Windkraftanlage in der Nachbargemeinde Ellhöft.

„Die Windenergie prägt nicht nur das Landschaftsbild, sondern stellt auch ein zusätzliches Standbein für viele Nordfriesen und vor allem für viele Landwirte in unserer Region dar“, ergänzt der gebürtige Westrer. Christian Carstensen, Geschäftsführer des Windparks Ellhöft, nahm sich viel Zeit, um den beiden das Bürgerwindpark-Konzept näher zu bringen. Anschließend folgte die Gondelbesteigung der 68 Meter hohen Windkraftanlage – ohne Fahrstuhl versteht sich.

Die 220 Stufen, die per Manneskraft erklettert wurden, sind sicherlich in den kommenden Tagen noch zu sprüren, wenn die beiden mit ihrem 50 PS starken „babyblauen Blitz“ in Richtung Magdeburg, Leipzig, Frankfurt und Köln reisen. Die südlichste Stopp wird Füssen an der österreichischen Grenze werden. Bis zum 5. August werden sie über 3600 Kilometer zurücklegen. Das Konzept für den „#roadtripagrar“ stammt von den beiden Junglandwirten; ohne finanzielle Unterstützung wäre die Umsetzung dieser Reise allerdings nicht möglich, Hauptsponsoren sind Bayer Crop Science Deutschland und Landwirtschaftliche Rentenbank. Die Ergebnisse der Diskussionen veröffentlichen sie täglich in einem Video auf ihren Plattformen ich-liebe-landwirtschaft.de und erklaerbauer.de und auf ihren Instagram-Kanälen @erklaerbauer und @land.wirt.zukunft.

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