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Nordfriesland Tageblatt

17. Oktober 2017 | 19:09 Uhr

Wirres Verkehrszeichen : Der Weg ist das Ziel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Baum schlägt Schild: An der B 199 im Lecker Ortskern wurden Verkehrszeichen aufgestellt, die bald zum Teil hinter Laub versteckt sein werden

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 05:00 Uhr

Wer sein Ziel kennt, findet seinen Weg auch ohne Wegweiser – dieses leicht abgewandelte Laotse-Zitat könnte in Leck bald Bedeutung erlangen. Gut passen würde auch: Man sieht das Schild vor lauter Bäumen nicht, oder beziehungsweise dahinter. Anregung zu Sprichwort-Spielen liefert die Beschilderung   an der B  199 in Leck; dort sind vor Kurzem neue Wegweiser installiert worden. Und noch ist das großflächige, rechteckige Schild auch lesbar, das Verkehrsteilnehmer auf Höhe von Calli Schaschlik von der Hauptstraße über die Kirchhofstraße zum Rathaus sowie nach Ladelund und Achtrup lenken soll. Einzig ein paar schlanke, kahle Äste der Bäume strecken sich vor das Schild.

Das werde sich jedoch ändern, spätestens, wenn der Mai kommt und die Bäume ausschlagen, mutmaßte ein aufmerksamer Leser und wandte sich an das Nordfriesland Tageblatt. Ein Wegweiser, der in der Sommersaison gar nicht zu sehen ist? Das kann nicht im Sinne des Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) sein, der für die Beschilderung an der Bundesstraße verantwortlich zeichnet, sollte man meinen. Müssen stattdessen die Bäume weichen, die seit rund drei Jahrzehnten dort stehen? Nur, damit den neuesten technischen Vorschriften der „Windklasse 4“ genüge getan ist und das neue Verkehrsschild weniger anfällig für Wind und Sturm ist? Denn genau deshalb hat der Schildertausch stattgefunden.

Licht ins Laub-Schild-Dickicht bringt Karl-Heinz Roos, Leiter der LBV-SH-Niederlassung in Flensburg. Von der Fahrbahn aus könnten die Abbiegewegweiser leider nur eingeschränkt gesehen werden, bestätigt er: „Dieser Standort war schon immer durch die Bäume beeinträchtigt, aber einen besseren Standort gab es nicht.“ Die Wegweiser stünden an gleicher Stelle wie die vorherigen. Das Fundament sollte aus Platz- und Kostengründen weiterverwendet werden.

Neu sind Art der Aufstellung, Form und Anzahl der Verkehrszeichen, erklärt der Experte. Vorher seien mehrere Pfeilschilder an einen anderen Mast montiert gewesen. Das neue rechteckige Schild, Tabellenwegweiser genannt, hängt an einem neuen Mast, ist höher platziert – tritt dadurch jedoch mehr als zuvor mit den Baumkronen in Konkurrenz. „Die Bäume gehören der Gemeinde Leck. Sie sind zirka 25 bis 30 Jahre alt – gefahrlos umpflanzen kann man die nicht mehr“, erläutert der LBV-SH-Niederlassungsleiter. Sie seien seinerzeit extra beim Umbau des Apothekenplatzes und der Bundesstraße auf Wunsch der Gemeinde gepflanzt worden. „Deshalb konnten wir sie auch nicht einfach wegnehmen.“

Die Bäume dürfen also bleiben, selbst wenn sie den Autofahrer-Blick auf die Schilder beeinträchtigen. Allerdings hat der Experte eine ganz eigene Sicht auf die Wegweiser-Wahrnehmung: Sie würden ohnehin mehr von Ortsfremden genutzt. „Ortskundige Verkehrsteilnehmer nehmen diese Verkehrszeichen verständlicherweise kaum wahr.“

Potenzielle Touristenstürme nach Ladelund und Achtrup verhindert durch zugewachsene Verkehrsschilder? Diese Gefahr besteht eher nicht. Darüber hinaus setzt Roos auf die Unterstützung durch Navigationsgeräte: „In der heutigen Zeit wird von den Verkehrsteilnehmern zunehmend ein Navi verwendet. Solche Geräte ersetzen zwar noch nicht eine schildermäßige Wegweisung, doch sie relativieren die angesprochene Problematik der nicht optimalen Erkennbarkeit von Wegweisern“, heißt es in schönstem Beamtendeutsch.

Doch es gibt Hoffnung, dass das Schild auch in der Laubsaison zumindest zum Teil gelesen werden kann: Laut Roos ist mit dem Bauhof der Gemeinde Leck bereits besprochen, dass die Baumkronen vorsichtig zurückgeschnitten werden, wenn die Blätter sprießen – so lasse sich die Wirkung am besten beurteilen. „Völlig freie Sicht auf die Wegweiser wird es aber leider nicht geben, denn dafür sind die Randbedingungen zu schlecht.“

Zwar steht an der Kreuzung zuvor ein weiteres neues, gänzlich unbedecktes Schild, das nach Achtrup und Ladelund weist – allerdings nur in Richtung Klixbüll. In Fahrtrichtung Flensburg gibt es an dieser Stelle gar keinen Wegweiser, weil dem Experten zufolge kein Platz ist. „In der Regel kommen aus der Richtung auch nur Ortskundige“, meint Roos.

Und sowieso: Der Weg ist das Ziel, um mit Konfuzius zu schließen.

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