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Nordfriesland Tageblatt

17. Oktober 2017 | 19:25 Uhr

Viele Schäden : Der Tag im Sturm

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Orkantief „Christian“ sorgte bei Polizei und Feuerwehren in Südtondern für Dauereinsatz: entwurzelte und gebrochene Bäume, zerstörte Dächer und vieles mehr. Das ganze Ausmaß der Schäden wird vermutlich erst in den kommenden Tagen deutlich.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2013 | 19:05 Uhr

Kaum, dass der Herbststurm gegen 14 Uhr startete, flogen in Südtondern auch schon die Dachziegel von den Dächern. Die Sturmböen ließen Bäume reihenweise wie Streichhölzer umknicken. Zäune blieben nicht dort stehen, wo sie sollten, WC-Häuschen kegelten über das Gelände, ein großes Trampolin flog durch die Luft, Motorräder kippten um. Bei Wind mit einer Geschwindigkeit von 112 km/h, in Spitzen bis zu 160 km/h, richtete das Orkantief Christian großen Schaden an. Zwischen 14 und 15 Uhr war der Höhepunkt. „In der Zeit wurde im Mittel in Dagebüll sogar volle Windstärke 12 gemessen“, so der Niebüller Wetterexperte Gerd Müller.

Ununterbrochen waren Sirenen von Einsatzfahrzeugen zu hören. Sämtliche Feuerwehren im Amt waren im Dauer-einsatz. Innerhalb von zwei Stunden gingen allein bei der Feuerwehr in Leck über 40 Notrufe ein. Ein stürzender Baum traf in Leck eine Person im Gesicht. Die Verletzung musste im Niebüller Krankenhaus behandelt werden. Mit dem Schrecken davon kam Reinhold Hünding in Leck: Er eilte einer Nachbarin zu Hilfe, deren Gewächshaus sich selbstständig gemacht hatte. Eine Viertelstunde später krachte es bei ihm im Garten – die alte Pappel fiel auf den Dachfirst seines Hauses. „Dort befindet sich mein Schlafzimmer, hier habe ich bis vor wenigen Minuten noch meinen Mittagsschlaf gehalten“, erzählte Reinhold Hünding.

Dauereinsatz hieß es auch für das Technische Hilfswerk, Feuerwehr und Bauhof in Niebüll. Die Feuerwehren Niebüll-Deezbüll und Langstoft fuhren in den ersten drei Nachmittagsstunden bereits über 100 Einsätze, berichtete Gemeindewehrführer Uwe Mussack. Um 14.43 Uhr beispielsweise im Gewerbegebiet Ost. Vom Euronics-Gebäude war ein Teil der Verkleidung auf den Parkplatz gefallen. Der Sturm hatte inzwischen ungeahnte Stärken angenommen. Aufrecht stehen war für Feuerwehrleute wie Sven Jessen zeitweise unmöglich. Ein paar Meter weiter zerlegte der Sturm mit lautem Krachen eine Werbetafel, Trümmer flogen umher. Hinweisschilder auf den Verkehrsinseln knickten einfach um.

Auf dem Güterbahnhof erfasste der Sturm einen Lastzug aus Barnin (Brandenburg). Der hatte Styropor geladen und war gerade entladen worden. Nach Haus zu fahren, wagte der Fahrer nicht. Doch als er den Wagen zurückstoppte, wurde der von einer Sturmbö erfasst und kippte auf das Ladegleis. Die Feuerwehr befreite den eingeschlossenen Unglücksraben aus dem Führerhaus. Ein Rettungswagen brachte ihn ins Klinikum.

Jytte Möller aus Niebüll wohnt an der Christuskirche. Gegen 15 Uhr wurde sie aufmerksam, weil ein Ast gegen eines ihrer Fenster schlug. „Ich habe hinausgesehen, und dann die Bäume an der Kirche erst wackeln und dann fallen sehen.“ Um das Gotteshaus herum ist alles verwüstet.

Um 15.15 Uhr wurde die Hauptstraße in Höhe der Redaktion von der Feuerwehr mit Trassierbändern gesperrt. Vom Eckgebäude, in dem das Einkaufszentrum Knudtsen untergebracht ist, fielen Teile der Dachverkleidung auf die Straße. Umgestürzte Bäume auf dem Sportplatz in der Jahnstraße, an der Deezbüller Kirche, abgedeckte Dächer und zertrümmerte Ziegel auf den Gehwegen. Niebüll glich in einigen Straßen einem einzigen Schlachtfeld. In der Mühlenstraße hatten Claus Schriever und Juri Krist vom Bauhof alle Hände voll damit zu tun, einen umgestürzten Nadelbaum zu bergen. Viele Bürger griffen auch zur Selbsthilfe und sägten eigenhändig.

Die B 199 von Schafflund über Stadum nach Leck musste am frühen Nachmittag wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden, ebenso die Strecke von Leck nach Klixbüll. Die Autokraft stellte die Fahrten für mehrere Stunden ein.

Zwischendurch flackerte das Licht und ging schließlich ganz aus: An der gesamten Westküste und auf Sylt kam es immer wieder zu Stromausfällen. Auch in Südtondern ging immer mal wieder für Minuten nichts mehr. „Hier ist was los, das sage ich Ihnen“, fasste Pressesprecher Ove Struck von der Schleswig-Holstein Netz AG gestern Nachmittag die Situation kurz und treffend zusammen. Die Ursachen für die Stromausfälle waren Gegenstände, die in den Leitungen landeten.

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