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Naturwald Langenberger Forst : Der Reiz des Natürlichen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gewolltes Durcheinander: Im Zuge der Biodiversität wurden im Langenberger Forst drei Naturwälder ausgewiesen.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 04:51 Uhr

Leck | Unordentlich und unaufgeräumt sieht es in wenigen Ecken im Langenberger Forst auf. Manche ordnungsliebende Menschen würden sicher gern Hand anlegen und das scheinbare Chaos bereinigen. Doch dieses Durcheinander ist gewollt: Es wurden drei Naturwälder ausgewiesen. Sie werden nicht mehr bewirtschaftet, einer natürlichen Entwicklung überlassen und sollen die biologische Vielfalt von Tieren und Pflanzen erhöhen.

Den Impuls zur Ausweisung der Flächen lieferte die nationale Biodiversitätsstrategie. Das ist eine politische Strategie, die die Bundesregierung vor zehn Jahren verabschiedet hatte mit dem Ziel, den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Es wird angestrebt, zehn Prozent der Wälder in öffentlicher Hand einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. „Die Landesforsten haben bis Ende 2016 knapp 4900 Hektar ausgewiesen und tragen somit den maßgeblichen Flächenanteil in Schleswig-Holstein“, erklärt Förster Jörn Frank.

Nun entstehen also drei Naturwälder im Langenberger Forst. Auch wenn diese flächenmäßig eher zu den kleineren im Lande gehören, so haben diese Naturwälder es in sich, wie der Förster sagt und: „Sie gehören zu den älteren Beständen im Norden und haben einen hohen Laubholzanteil“.

Was zeichnet einen Naturwald aus? Naturwälder sind Waldgebiete, die aus der Bewirtschaftung herausgenommen wurden. In einem zeitlich festgelegten Rahmen dürfen noch Maßnahmen wie beispielsweise das Zurückdrängen von Nadelhölzern durchgeführt werden, aber danach finden keine weiteren Pflegemaßnahmen oder Nutzungen statt. Ein Naturwald darf alle Entwicklungsphasen durchleben. „Von bedeutendem Interesse ist die Entwicklung von der Reifephase über den Zerfall und die anschließende Regeneration“, klärt der Förster auf. Im Klartext heißt das: Der Lebensraum Wald soll sich ungestört eigendynamisch entwickeln und unterliegt dem natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen. Stehende, hängende oder liegende Bäume – tot oder lebendig – bieten Raum für viele Arten. „Die Entwicklung von wichtigen Lebensräumen wie zum Beispiel Totholz und natürlichen Höhlen sind für eine biologische Vielfalt wichtig“, betont Jörn Frank.

Die jetzt ausgewiesenen Naturwälder im Langenberger Forst zählen seit langer Zeit zu den Kerngebieten von Schwarz- und Grünspecht: „Durch ihre Höhlen finden Hohltauben, Dohlen, Fledermäuse, Insekten, Pilze und Co. ideale Bedingungen“, sagt Frank. Diese Flächen seien daher längst fast wie Naturwälder behandelt worden. Natürliche Stammbrüche und Entwurzelungen wie durch den jüngsten Sturm bleiben in den jungen Naturwäldern unbearbeitet. Es wird also nicht „sauber gemacht“. Und diese Natürlichkeit hat seinen Reiz, ist für manchen Betrachter gar schön.

„Neben der biologischen Vielfalt und neuer Kenntnisse über sie bleibt es spannend, welche Form und Entwicklung die kommende Waldgeneration haben wird“, sagt der Förster und überlegt: „Aus diesen Kenntnissen der sehr langen Entwicklungen wird man auch für die Wirtschaftswälder, die auch heute schon ihren Beitrag zur Biodiversität leisten, lernen können“.


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