"Der Pfarrer von St. Pauli": Nordstrander Kirche wird zum Kinosaal

Dieses Liturgische Gewand trug Curd Jürgens. Foto: rah
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Dieses Liturgische Gewand trug Curd Jürgens. Foto: rah

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15. August 2011, 03:59 Uhr

Nordstrand | Ungewöhnliches Ambiente für eine Film-Vorführung: Einen Abend lang verwandelte sich der kleine Inseldom, die Alt-Katholische St. Theresien-Kirche auf Nordstrand, in einen Kinosaal. Nicht ohne Grund wurde dort der Klassiker "Der Pfarrer von St. Pauli" mit Curd Jürgens in der Hauptrolle gezeigt. Da nämlich hatte der Charakterschauspieler seinen Einsatz als Film-Pfarrer. Auch der Hafen Strucklahnungshörn und das Strandcafé "Halligblick" dienten bei den Dreharbeiten im Jahre 1970 als Kulisse.

Dass der Film zum großen Teil auf Nordstrand gedreht wurde, ist den wenigsten bekannt. "Aus unerfindlichen Gründen gibt es im ganzen Film keinen Hinweis darauf", erläuterte Manfred-Guido Schmitz, Vorsitzender des im Frühjahr gegründeten gemeinnützigen "Förderverein für Kultur auf Nordstrand". Er selbst hatte die Idee zu dem etwas anderen Ereignis, das zugleich die erste Aktion des jungen Vereins war. Wie so oft im Leben bekam Schmitz den Impuls vom "Kollegen Zufall". Der Historiker - übrigens Wahl-Nordstrander - hatte vor einiger Zeit in einer Festschrift der Alt-Katholischen Kirchengemeinde einen Bericht über das damalige Medien-Ereignis gefunden und nahm das nach über 40 Jahren zum Aufhänger. Viel Überzeugungsarbeit brauchte er in der Vorstandsspitze nicht zu leisten. Auch Bürgermeister Werner-Peter Paulsen sowie die Kurverwaltungs-Mitarbeiter waren Feuer und Flamme und sagten Unterstützung zu. Für den medienerprobten Hausherrn, Pfarrer Georg Reynders, war die Umsetzung ohnehin kein Problem, denn schon oft diente der Dom als Film-Kulisse.

Lobende Worte fanden viele Besucher am Ende der Aufführung. Bewunderung machte sich breit für das damals von Curd Jürgens getragene, ausgestellte Filmkostüm. Auch der Altar war originalgetreu hergerichtet worden. In Erinnerungen schwelgten denn auch mitbeteiligte Nordstrander. Einer davon war Hans Harro Hansen. Sein Fischkutter musste für eine Unwetter-Szene auf See, "eigentlich eine Mogelpackung", so berichtete er schmunzelnd, herhalten. Die Dreharbeiten seien zwar an einem stürmischen Tag gemacht worden, aber nur im Hafenbecken. Die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Nordstrand hatten mit Wasser, das sie auf das Schiffsdeck spritzten, kräftig nachgeholfen. Mit Genehmigung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) durfte auch auf dem Rettungskreuzer "Hindenburg" gedreht werden. "Die Filmleute haben uns in Trab gehalten und oft mussten wir nach ihrer Pfeife tanzen. Viele Szenen waren wiederholt worden", erinnerte sich "Ille" Paulsen. Er war damals Vormann auf dem Schiff. Einmal sei der Hauptdarsteller mit schmutzigen Stiefeln in die "gute Stube" des Kreuzers gelaufen. Da sei ihm der Kragen geplatzt. In Platt habe er ihn angefahren: "Mit mir nicht, auch wenn Du Curd Jürgens heißt". Ansonsten sei es, so bestätigt Jakob Jebsen, damals Matrose auf der "Hindenburg", eine spannende Zeit gewesen. Keiner der Komparsen habe aber trotz Ankündigung eine Gage erhalten. Er hoffe, dass die DGzRS wenigstens eine Spende erhalten habe.

Wer den Film gerne sehen möchte, hat dazu am Donnerstag, 22. September, erneut Gelegenheit. Beginn ist um 19 Uhr. Eintrittskarten gibt es in der Kurverwaltung und im Edeka-Markt in Süden. Für weitere Informationen ist Manfred-Guido Schmitz telefonisch zu erreichen: 04842/900215.

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