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Nordfriesland Tageblatt

19. August 2017 | 02:09 Uhr

Haizmann Museum : Der mechanische Mensch

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eröffnung der Franz-Bernhard-Ausstellung im Richard-Haizmann-Museum / Holz- und Stahlplastiken sind bis zum 1. November zu sehen

Ein deutscher Klassiker der Bildhauerei im hohen Norden: zu sehen im Richard-Haizmann-Museum. Franz Bernhard (1934 bis 2013) zählt zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der Gegenwart, er ist in allen wichtigen Museen und Sammlungen des Landes vertreten. Entsprechend viele interessierte Besucher kamen daher am Freitag zur Franz-Bernhard-Vernissage ins Richard-Haizmann-Museum. Es waren allerdings nicht nur die „üblichen Verdächtigen“, wie man scherzhaft sagt, sondern auch bekannte Kunstkenner aus dem süddeutschen Raum zu Gast. Zu nennen wären der Sammler Andreas Schell, der über die größte Sammlung der Werke Franz Bernhards verfügt, und Gernot Eichler, der als renommierter Kunstvermittler aus Karlsruhe angereist war.

Franz Bernhards Werke haben in zahlreiche private und öffentliche Sammlungen Eingang gefunden und prägen – wie beispielsweise die 13 Meter hohe Skulptur „Große Mannheimerin“ an der Autobahnauffahrt im Mannheimer Osten – vielerorts auch den öffentlichen Raum.

Aber auch der Norden ist gut vertreten: „In Hamburg steht eine 18 Meter hohe Skulptur vor dem Arbeitsamt“, verriet Andreas Schell. „Bernhard hat 500 Plastiken geschaffen; nur noch 50 Arbeiten sind frei erwerbbar!“

Direktor Uwe Haupenthal verwies in seiner Begrüßungsrede darauf, dass bereits 1998 eine Ausstellung mit Bernhards Werken gezeigt worden war. Damals in Anwesenheit des Künstlers, der 2013 verstarb. Damals wie heute verweist der Künstler auf die menschliche Figur als zentrales Thema. „Ich mache aus Körpern Platten, Bögen, Balken. Ich mache aus Armen Gestänge. Ich mache aus dünn dick. Ich lasse ein Bein weg, wenn es stört“, so Bernhard. Die vor allem aus Holz und Stahl gefertigten Plastiken zeichnen sich durch ihre einfachen Formen und die nuancenreichen, von Bearbeitungsspuren geprägten Oberflächen aus. Der Betrachter staunt: Was er selbst vielleicht als Tortenheber oder Maurerkelle wiedererkennen möchte, ist Mensch, da der Körper in stark abstrahierter Form – und oftmals nur Teilen – dargestellt wird. Drehungen aus den Achsen und Verkantungen verleihen den Figuren dabei Lebendigkeit und Ausdruck. Die verschiedene sachliche Haltungen aufgreifenden Werke Bernhards treten häufig in einen spannungsreichen Dialog zu ihrer Umgebung und thematisieren so Grundfragen über den Bezug des Menschen zu seiner Umwelt. Die Besucher interessierten sich vor allem für die immer wieder gewagten Posen der Figuren: ein Beugen, ein Sich-Aufrichten, ein Drehen, ein Abwinkeln und Schweben. Für manche ein Signal der Lebendigkeit, für andere wiederum das Zeichen für Nachdenklichkeit. Was, um Himmels willen, ist nun zu erkennen? „Es muss und soll nichts entdeckt werden. Es geht um ein plastisches Gesamterlebnis“, so Uwe Haupenthal. „Die Plastiken geben uns Kraft. Sie geben ein Gefühl für unabhängig erlebte Zeit und damit für uns selbst.“

Die Festlegungen auf bestimmte Inhalte seien ausgeschlossen. So sei jeder Betrachter frei in seiner Interpretation – und darf die Kunstwerke und Radierungen meditativ genießen. Dies ist noch bis zum 1. November, Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, möglich. Erwerben kann man einen Katalog und einen Film, der das Schaffen des Künstlers vorführt. 

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erstellt am 06.Sep.2015 | 18:51 Uhr

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