Leckfeld : Der Konversions-Kompromiss: Naturschutz, Gewerbe, Abgas-Teststrecke

Das Flugplatzareal erstreckt sich über die Fläche von drei Kommunen und soll als Naturschutzgebiet, Gewerbe- und Airpark sowie als Teststrecke dienen.
Das Flugplatzareal erstreckt sich über die Fläche von drei Kommunen und soll als Naturschutzgebiet, Gewerbe- und Airpark sowie als Teststrecke dienen.

Auf dem ehemaligen Fliegerhorst sollen ökonomische und ökologische Nischen koexistieren.

shz.de von
23. Januar 2018, 18:20 Uhr

Leck | Jetzt ist es hochoffiziell: Auf dem ehemaligen Fliegerhorst soll das Naturschutzgebiet Leckfeld ausgewiesen werden – aber ausschließlich auf Flächen nördlich der Start- und Landebahn (wir berichteten). Das bedeutet: Freie Bahn für Konversionsprojekte südlich der Landebahn. Das geplante Schutzgebiet umfasst etwa 191 Hektar des ehemaligen Bundeswehrflugplatzes im Bereich der Gemeinden Leck, Klixbüll und Tinningstedt. Bisher hatte das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Natur, Umwelt und Digitalisierung (Melund) dafür eine große freie Fläche in der Mitte des ehemaligen Flugplatzes sichergestellt.

Allerdings: Wäre dort ein Naturschutzgebiet ausgewiesen worden, hätte das sowohl die Planungen der Gemeinden als auch die des Kraftfahrt-Bundesamtes, das eine Abgas-Teststrecke auf dem Areal einrichten wird, empfindlich eingeschränkt. „Naturschutzfachlich sehr wertvoll“ – dieses Prädikat trifft laut Umweltministerium auf den ehemaligen Nato-Fliegerhorst zu. Zumindest teilweise: „Es handelt sich um eine großflächige, magere Offenlandschaft mit Feuchtheiden, trockenen Sandheiden, verschiedenen Grünlandformationen unterschiedlicher Magerstufen und kalkreichen Niedermoorstandorten, die in dieser Ausprägung in Schleswig-Holstein extrem selten sind“, teilte dazu Umweltminister Robert Habeck mit. „Das Gebiet ist, da eine Gefährdung der wertvollen Lebensräume nicht auszuschließen war, bereits seit 2014 einstweilig sichergestellt worden.“

Auf diese Sicherstellung hatten die Vertreter der drei betroffenen Kommunen damals nicht gerade mit Freudensprüngen reagiert. „Für uns war diese Sicherstellung von Anfang an wenig zielführend für das, was wir vorhatten“, sagte gestern dazu Lecks Bürgermeister Andreas Deidert auf Nachfrage. Denn: Unter anderem sind auf der Konversionsfläche ein großes Gewerbegebiet, in dem unter anderem eine Störzucht zur Kaviarprokuktion angesiedelt werden könnte, sowie ein Airpark geplant. „Die Sicherstellung bedeutete, dass wir das Gebiet zwar nutzen, aber nichts verändern, keine Straßen und nichts anderes bauen durften“, erläuterte Deidert weiter.

Deshalb hätten die Bürgermeister der drei Gemeinden kontinuierlich Gespräche gesucht und geführt. „Auch die geplante KBA-Teststrecke wäre von den Einschränkungen betroffen gewesen.“ Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer befand sich gestern „noch in der Evaluierung“ der Neuerungen: „Für den geplanten Airpark wäre wichtig, dass es einen Pufferstreifen nördlich der Landebahn gibt – und dort nicht direkt das Naturschutzgebiet beginnt.“ Positiv bewertete Schweizer aus Sicht von Klixbüll und Tinningstedt nach wie vor die erzielte Einigung mit KBA und Luftfahrtbehörde des Landes: „Sonst hätten wir den Airpark begraben können.“

Damit das geplante Naturschutzgebiet nur im Norden entsteht, müssen die Gemeinden ihr Scherflein beitragen: Unter anderem sollen mit ihrer Hilfe Flächen auf dem Areal erworben werden, die dann die Stiftung Naturschutz betreuen kann. „Wir gehen jetzt mit einem Vorschlag in das Beteiligungsverfahren, der den Gemeinden Möglichkeiten für eine Entwicklung von Gewerbestandorten lässt und zugleich die Naturschutzziele hinreichend berücksichtigt“, teilte Umweltminister Habeck weiter mit. „Es ist immer gut, wenn man Kompromisse eingeht“, sagte Lecks Bürgermeister Deidert. „Das scheint ein Kompromiss, mit dem alle gut leben können.“

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