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Video: Schlittenhunde von Karlum : Der Husky-Mann aus Nordfriesland

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wer eine Nacht im Huskyrudel verbringen oder mit einem Hundegespann durch Wälder fahren will, der ist im Huskyland von Andrej Dietrich richtig.

Karlum | „Leichter Frost und etwas Ostwind“ – was für den Normalmenschen nach Schal, Mütze und gefütterten Stiefeln klingt, ist für Andrej Dietrich und seine Huskys Wohlfühlwetter. Nur bei kühler Witterung kann der 51-Jährige sein Huskygespann über die umliegenden Feld- und Waldwege treiben. Seit 2011 leitet der Tierfreund am Ortsrand von Karlum eine Pflegestation für die Schlittenhunde und entwickelte das Konzept weiter: Heute kann man in seinem „Huskyland“ Fahrten, Watt- und Waldwanderungen oder Abende am Lagerfeuer mit den Tieren erleben.

Momentan sind es zwölf Huskys, die auf dem großzügigen und eingezäunten Gelände im nordfriesischen Outback leben. Die Karlumer züchten aber nicht selber: Die Tiere werden über den Verein „Zypernpfoten in Not“ nach Karlum vermittelt und haben in ihrem kurzen Leben so schon eine Flugreise hinter sich. Ein vermögender Geschäftsmann transportiere die Hunde regelmäßig in seinem Privatflugzeug nach Deutschland, sagt Dietrich.

„Auf der Mittelmeerinsel gibt es besonders viele notleidende Huskys – dort waren die Tiere über lange Zeit schwer in Mode, doch das ist jetzt vorbei, und die Hunde werden oft ausgesetzt oder sogar getötet.“ „Thor“ – einer von Andrej Dietrichs Schützlingen – ist diesem Schicksal nur knapp entgangen. Auf den Huskyrüden wurde mindestens zweimal mit einer Schrotflinte geschossen. Nach seiner Ankunft mussten Thor unter Narkose unzählige Eisenkugeln entfernt werden. Noch heute lebt der Husky mit Munitionsresten im Körper.

Bevor sich Andrej Dietrich dem Tierschutz zuwandte, verdiente der gebürtige Niedersachse sein Geld als Augenoptiker und fertigte komplizierte Werkstücke, die deutschlandweit vertrieben wurden. Schließlich stieg er aus, zog mit seiner Familie nach Karlum und baute dort auf eigene Rechnung die Huskystation auf. Bald reifte die nächste Idee. „Die Tiere haben hier viel Auslauf, aber ich wollte sie richtig beschäftigen. Da lag das Fahren mit einem Zugwagen nahe.“ Dietrich kaufte einen 130-Kilo „Troll Cart“ – eine Art Hundeschlitten mit Reifen statt Kufen– und startete das Training. „Es war ein langer und steiniger Weg – aber schließlich konnte ich sagen: Es klappt“.

Heute kann der 51-Jährige ein Elf-Tiere-Gespann leiten. Keine leichte Aufgabe, denn die Huskys sind in ihren Anlagen sehr unterschiedlich: „Vorne läuft der Leader. Er muss Mental unabhängig, intelligent, durchsetzungsfähig, stark und mutig sein – dazu braucht das Tier einen starken Vorwärtsdrang.“ Hinter dem Leittier werden die Teamdogs, dahinter die sogenannten Wheeldogs angespannt. Jedes Tier hat seinen Platz – ähnlich wie in der Hierarchie des Rudels. „Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern um Ausdauer.“ Daher ist Andrej Dietrich mit seinem Zugwagen meist nicht schneller als mit 10 km/h anzutreffen.

Trotzdem ist das Bild eines hechelnden Hundegespanns für viele Fußgänger erst einmal fremd: „Es gab mal Leute, die sind in den Graben gesprungen, als ich kam.“ Das ist jedoch die Ausnahme geblieben. In erster Linie seien die Menschen an den Hunden sehr interessiert. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Karlum ist froh über die tierischen Einwohner: „Ich würde mich sehr freuen, wenn das Angebot in Zukunft auch stärker angenommen wird.“

Auch für die erfolgreiche Vermittlung der Huskys in ein neues Zuhause brauchen die Tiere viel Zuwendung und Interesse. Dazu gehört es, die Bedürfnisse der Rasse zu kennen. „Der Husky ist ein sehr ursprünglicher Hund, der noch dicht am Wolf angesiedelt ist.“ Entsprechend müsse sich jeder Interessent bewusst sein, dass die Huskys viel Bewegung, einen großen Auslauf und Pflege brauchen.

Um den Unterhalt für sein „Huskyland“ finanziell aufzufangen, hat Andrej Dietrich seit dem letzten Herbst besondere Angebote für Hundefreunde im Programm. Auch hier geht es ihm aber in erster Linie um die Werbung für die nordischen Tiere und erst danach um einen kleinen Zugewinn: „Die Hunde sollen nicht verschlissen werden.“ Es mag an dem laschen Winter gelegen haben, aber noch ist die Resonanz auf die besonderen Hundeerfahrung in Karlum gering. „Unsere erste Kundin kam aus Stadum, und sie hat einen perfekten Tag auf dem Laufwagen erwischt – sie war begeistert.“ Heute, am Sonnabend, können sich auch Fernsehzuschauer ein Bild von Andrej Dietrichs Leidenschaft für Huskys machen: Der Fernsehsender Vox zeigt um 18.05 Uhr einen Beitrag über das Karlumer Huskyland.

Umso wärmer es wird, desto früher oder eben später am Tag ist der ehemalige Unternehmer mit den Tieren zwischen Wald und Feldern anzutreffen. Er und seine Hunde mögen es eben lieber kühl.

Weitere Infos unter www.huskyland.de

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