zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

22. November 2017 | 21:38 Uhr

Hobbyzüchter : Der Hühner-Nerd von Aventoft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zuerst wollte er einen gesicherten Nachschub an Frühstückseiern und kaufte ein paar Hühner. Heute ist Jörg-Florian Jensch großer Fan.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2017 | 13:17 Uhr

Aventoft | Hühnerzüchter mit Tieren in verschiedenen Größenordnungen gibt es zahlreiche, so auch den Aventofter Ruheständler Jörg-Florian Jensch (56). Fünf verschiedene Berufe hat er erlernt, zuletzt hat er als Heilpraktiker gearbeitet – und er ist ein Geflügelfreund, der sehr viel tiefer als andere in die Materie Huhn eingestiegen ist.

Vor drei Jahren ist Jörg-Florian Jensch mit seiner Ehefrau Cornelia aus der Nähe des niedersächsischen Hameln wegen der Natur in das Grenzdorf nach Nordfriesland gezogen, beide fühlen sich dort „pudelwohl“, wie sie betonen. Im Mai letzten Jahres legten sie sich die ersten drei Hühner zu, wegen des Frühstückseis für den Eigenbedarf. „Meine Großeltern hatten zwar Hühner, aber sonst haben wir vorher nie etwas mit dem Federvieh zu tun gehabt“, sagt der Neu-Aventofter. Aber inspiriert durch sein Hobby – die Geologie – und da besonders die Geschiebekunde (Strandsteine), wollte Jensch wissen, wo unsere verschiedenen Haushühner überhaupt her stammen.

Dabei recherchierte er, dass die Urahnen unseres braven Haushuhns eierlegende und ziemlich gefährliche Raubsaurier waren. Im Laufe der Geschichte veränderten diese sich von tonnenschweren, zweibeinigen Echsen aus der Linie der Raptoren hin zum flugfähigen Huhn von heute. Die Reptilienschuppen tauschten sie schon vor gut 150 Millionen Jahren gegen Federn ein. Lediglich die Schuppen an den Füßen zeugen bis heute von ihren Vorfahren, genau wie das Gelege, so der Experte. Hühner sind eigentlich Waldbewohner, so wie auch die wildlebende Stammform des Haushuhns, das in Südostasien beheimatete Bankivahuhn. Sind die Hennen unauffällig braun gefärbt, ist der Hahn des Bankivahuhns von den vier Kammhuhn-Arten her der mit dem farbenprächtigsten Gefieder.

Mit Fachliteratur und im Internet hat sich Jörg-Florian Jensch über das Sozialverhalten der Hühner schlau gemacht. Er fand auch heraus, warum ein Huhn gackert, wenn es ein Ei gelegt hat: „Hühner benutzen gerne Gemeinschaftsnester, damit sie wieder zum Trupp zurück finden, denn die anderen Hühner einschließlich des Hahns gackern zurück.“

Sobald sich Jörg-Florian Jensch hinkniet, springt ein Huhn auf seinen Rücken.
Sobald sich Jörg-Florian Jensch hinkniet, springt ein Huhn auf seinen Rücken.
 

Von dem Hühner-Virus gepackt, stockte Jörg-Florian Jensch seinen Bestand im Laufe der Zeit stetig mit verschiedenen Rassesorten auf: Vom deutschen Sundheimer Huhn, dem australischen Australorps über die südamerikanischen Araucana, die ebenso wie seine schwedischen Isbar grüne Eier legen, bis zu den französischen Marans, die schokobraune Eier legen. Aber auch die Lieblingsrasse der englischen Queen – das Orpington Huhn, dessen Eier recht cremig sind, gehören zum Bestand, ebenso wie die Rhodeländer von den amerikanischen Rhode Islands. Hiervon stammen die deutschen braunen Hybridhühner ab, die ebenso wie ihre Ahnen braune Eier legen.

Als Experiment haben die Eheleute Jensch mal in einem Supermarkt Bio-Eier von Hybridhühnern gekauft und ausgebrütet. Aus zwölf Eiern sind dabei acht Küken geschlüpft. „Da wir nicht wissen, welcher Hahn dabei war, nennen wir sie jetzt unsere Edeka-Hühner“, schmunzelt Jörg-Florian Jensch, der betont: „Unser Anspruch ist es, die Hühner so artgerecht zu halten, wie sie sich auch in der freien Natur selbst aussuchen würden.“ Dazu gehört auch ständig ein Hahn, der sich um seine „Damen“ kümmert, wie Fressen anzeigen, Streit schlichten, seine Herde verteidigen oder die Hackordnung regeln.

Mehr als 50 Hühner sollte man nicht zusammen halten, so der Experte, da bis dahin noch deren Sozialverhalten untereinander gegeben ist. Und noch ein Kuriosum verrät der Geflügel-Experte: „Hühner sind von Natur aus Allesfresser, deshalb bekommen sie im Winter auch schon mal gekochtes Rinder-Hack wegen der B6-Vitamine. Aber das auch nur bei extremer Witterung, wenn sie nicht mehr im Freien scharren können.“

Und noch eine Besonderheit: Jeden Tag sammelt Jörg-Florian Jensch mit Eimer und Katzenklo-Schippe bewaffnet den Hühnermist ein. So sind die Späne im Stall stets sauber und der Rasen sieht trotz der weidenden Hühnerschar wie ein Zierrasen aus. Da die eigene Gras-Fläche nicht mehr ausreicht, wird mittlerweile ein angrenzender Acker vom Nachbarn mitgenutzt. Zumal inzwischen auch noch drei Flugenten zum Bestand gehören, wegen der vielen Nackt-Schnecken. Zwischenzeitlich hielten die Eheleute Jensch auch noch mehrere Wachteln, die sie aber wieder abgeschafft haben.

Viel Freude haben die Eheleute Jensch stets an der Aufzucht der Küken, sei es aus der Brutmaschine oder von den Glucken. „Bei den selbst aufgezogenen Hühnern behält man fast eine Gluckenrolle“, sagt der Hühner-Liebhaber. Das merkt man auch, wenn er in den Stall kommt, wo ihn das Federvieh nicht nur freundlich gackernd begrüßt, sondern ihm auch auf den Buckel springt oder ankommt, um auf dem Arm genommen und gestreichelt zu werden. Es ist, als würden die Hühner Jörg-Florian Jensch verstehen, wenn er mit ihnen spricht, als gute Freunde sind sie sowieso per Du.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen