„Der Frauentag ist ein wichtiger Tag“

Sylke von Kamlah-Emmermann.
Sylke von Kamlah-Emmermann.

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07. März 2014, 11:42 Uhr

Frau von Kamlah-Emmermann, heute ist der internationale Frauentag. Ist das ein guter Tag?
Der Internationale Frauentag ist ein wichtiger Tag. Denn nach wie vor geht es darum, gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen für Frauen zu verwirklichen. Dazu gehört Vielfalt, Frieden, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Solidarität und Gewaltfreiheit zu realisieren. Auf den ersten Blick erscheinen diese Themen uns selbstverständlich, aber in der täglichen Lebensrealität ist noch längst nicht die Umsetzung komplett erfolgt.

Warum brauchen wir eine Beauftragte für etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich die Gleichstellung?

Beauftragte für Gleichstellung ein wichtiger Baustein – denken wir nur an Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Niedriglohnproblematiken, Verständnis gegenüber Frauen im Hinblick auf Anerkennung im Beruf. Auch bei der Besetzung der Gremien und im aktuellen Kampf um eine Verwirklichung des § 15 des Gleichstellungsgesetzes, einer paritätischen Gremienbesetzung sowohl auf dem Land als auch in der Stadt, ist dringend eine Veränderung erforderlich. Gleichstellungsarbeit ist eine Querschnittsaufgabe und gewiss nicht in der nur vermeintlichen Selbstverständlichkeit überflüssig.

Welche Möglichkeiten haben Sie, um Gleichstellung bei der Vergütung oder in Bezug auf Führungspositionen einzufordern?
Als Gleichstellungsbeauftragte in der Verwaltung habe ich den klar definierten gesetzlichen Auftrag, bei gleicher Eignung auch gleiche Gehaltsstrukturen zu fordern. Spannender dabei ist die Frage, ob sich genügend Führungsfrauen aktiv bewerben, wobei wir auch hier zunehmend auf einem guten Weg sind. Durch gute Beispiele im öffentlichen Bereich beginnt langsam auch ein Umdenken in den vielen anderen Arbeitsfeldern und Bereichen, woran jede Gleichstellungsbeauftragte aktiv auch mitarbeitet.

Von Achtrup bis Westre das gleiche Bild: Frauen sind in den politischen Gremien weit unterrepräsentiert. Woran liegt das?
Gewiss schreckt Gremienarbeit und der damit verbundene hohe Zeitaufwand, auch die Rollenzuteilung im Hinblick auf klassische „Frauenressorts“ von den zumeist „bestimmenden männlichen Kollegen“ immer wieder ab, was ich kritisch bewerte und nach wie vor als bedauerlich bezeichne. Wer an der mangelnden Anwesenheit von Frauen in Stadt- und Gemeinderäten wirklich etwas ändern will, muss auch bei Parteien ansetzen – an ihren internen Rekrutierungs- und Nominierungsverfahren ebenso sowie an ihrer Bereitschaft, Quoten umzusetzen.

Es gibt jedoch viele positive Beispiele von Frauen, die sich in unserem Amtsbereich aktiv in der Politik engagieren und gewiss mehr als 100-prozentigen Einsatz bringen. Frauen für das Engagement in der Kommunalpolitik zu motivieren, wird auch weiterhin ein Zukunftsthema sein, dem ich mich bewusst und leidenschaftlich widme.

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