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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 10:57 Uhr

Der Direktor überrascht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Einmal im Monat lässt der Direktor der Nolde Stiftung Seebüll die Besucher in einer 30-minütigen Führung hinter die Kulissen gucken

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 11:08 Uhr

Was die Besucher bei der kostenlosen Führung „Der Direktor überrascht“ in der Nolde Stiftung Seebüll erwartet, bleibt bis zum Beginn geheim. Maximal zehn Teilnehmer haben einmal im Monat die Möglichkeit, 30 Minuten lang dem Direktor Dr. Christian Ring sozusagen über die Schulter zu schauen und Einblicke in bisher Unbekanntes zu bekommen. In der September-Führung bringt der 38-Jährige die Besucher in die hausinterne Bibliothek, die sich im Sicherheitstrakt der Stiftung befindet und ansonsten für Besucher unzugänglich ist.

Auf einem großen Konferenztisch aufgereiht finden sich sechs bisher nicht gezeigte Portraits, die der Künstler von seiner zweiten Ehefrau Jolanthe angefertigt hat, die die Besucher zunächst bestaunen und auf sich wirken lassen.

„Als ich 2011 hier in der Stiftung anfing, war ich ganz überrascht davon, dass es eine zweite Frau Nolde gegeben hatte“, erzählt Christian Ring. Denn wenn von der Frau an der Seite des Expressionisten die Rede ist, dann denkt man eigentlich immer an Ada Nolde. Das Ehepaar hatte 44 Jahre Seite an Seite verbracht. Als Emil Noldes große Liebe im Jahr 1946 stirbt, verfällt der Künstler in eine tiefe Trauer.

Ein Jahr nach ihrem Tod trifft Emil Nolde auf einem privaten Konzertabend die 26-jährige Germanistik-Studentin Jolanthe Erdmann wieder, mit deren Eltern er und Ada seit den 1920er Jahren befreundet sind. Er verliebt sich in die junge Frau und trotz des großen Altersunterschiedes findet das Paar zueinander. Die beiden heiraten, als Emil Nolde bereits 80 Jahre alt ist.

Dass die junge Frau an seiner Seite dem Maler gut getan hat, spiegelt sich auch in den gezeigten Portraits deutlich wider. „Wenn ich die Bilder betrachte, habe ich das Gefühl, ich sehe einen ganz jungen Nolde“, sagt eine Besucherin begeistert. Dass Jolanthe Nolde einen großen Einfluss auf den Maler hatte, bestätigt der Direktor: „Jolanthe wurde nicht nur zur neuen Vertrauten an Emil Noldes Seite, ihr gelingt es auch immer wieder, ihn aus Schaffensblockaden herauszuholen.“

Mit einfachen Mitteln, wie etwa dem Posieren in einem neuen Kleid, regt die junge Frau den Expressionisten zum Malen an. In einem Video, das Christian Ring im Rahmen der Veranstaltung abspielt, kommt Jolanthe Nolde in einer Fernsehsendung von 1977 selbst zu Wort und berichtet darin über ihre Zeit mit dem großen Künstler. Jolanthe Nolde ist gerade 34 Jahre alt, als Emil Nolde stirbt. Er hinterlässt ihr rund 60 seiner Werke, damit ihr finanzielles Auskommen lebenslänglich gesichert ist. Schließlich hatte die junge Frau ihr Germanistik Studium abgebrochen, um bei ihm auf Seebüll zu leben.
Jolanthe Nolde hat nie wieder geheiratet, sie verstand sich immer als die Frau des Malers Emil Nolde und stirbt im Jahr 2010 mit 88 Jahren in Heidelberg.

„Mir ist es sehr wichtig, dass wir hier auch an die zweite Frau an Emil Noldes Seite erinnern, da sie sein Schaffen in seinen letzten Jahren sehr positiv beeinflusst hat“, sagt Christian Ring. Einige der Portraits von Jolanthe Nolde sind in der aktuellen Jahresausstellung „Die absolute Ursprünglichkeit“, die noch bis zum noch bis zum 30. November geöffnet ist, in der Nolde Stiftung Seebüll zu sehen. Was sich der Direktor für die nächste Überraschungs-Führung am 14. Oktober ausgedacht hat, bleibt natürlich geheim.

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