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Nordfriesland Tageblatt

23. November 2017 | 04:57 Uhr

Demenz: Hilfe aus der Nachbarschaft

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Betreuung bei Arztbesuchen oder Beschäftigung der Erkrankten: In einem Seminar werden künftige Unterstützer von Pflegebedürftigen geschult

von
erstellt am 02.Mai.2016 | 12:37 Uhr

„Wir haben Unsicherheiten und Berührungsängste gegenüber Demenzkranken abgebaut. Es sollte viel mehr Kurse dieser Art geben“ – so lassen sich die Reaktionen der Teilnehmer eines Seminars für Angehörige und künftige Helfer von Pflegebedürftigen zusammenfassen, das in Niebüll stattfand. Eingeladen hatten der Pflegestützpunkt im Kreis Nordfriesland und das Kompetenzzentrum Demenz der Alzheimer-Gesellschaft Schleswig-Holstein. Gekommen waren zehn Menschen, die Demenzkranke und ihre Angehörigen unterstützen möchten.

In den Mittelpunkt des praxisnahen Seminars stellten die beiden erfahrenen Referentinnen, Anne Brandt und Ines Hundsdörfer, die sogenannten Nachbarschaftshelfer: Seit dem vergangenen Jahr gibt es für alle Menschen mit einer Demenzerkrankung oder einer Pflegestufe die Möglichkeit, über die Pflegeversicherung einfache Hilfen wie die Betreuung bei Arztbesuchen oder die sinnvolle Beschäftigung der Erkrankten zu finanzieren. Jedem Betroffenen stehen monatlich 104 Euro für solche Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu. Nicht förderfähig sind pflegerische Tätigkeiten, die üblicherweise Pflegedienste oder Angehörige leisten.

„Es gibt einen hohen Bedarf für diese Art der Unterstützung“, sagt Lennart Sandvoss vom Pflegestützpunkt. Doch wer sie als Nachbarschaftshelfer anbieten will, muss im pädagogischen oder gesundheitlichen Sektor qualifiziert sein oder eine anerkannte Grundlagenschulung absolvieren. Die in Niebüll angebotene Schulung erfüllte die Anerkennungsvoraussetzungen für Schleswig-Holstein.

Die Teilnehmer können in niedrigschwelligen Angeboten oder als Nachbarschaftshelfer tätig werden. „Unsere Schulung nahm 20 Unterrichtsstunden in Anspruch. Wir haben Grundlagenwissen zum Krankheitsbild Demenz vermittelt und etwa erläutert, wie die Kommunikation und das Verhalten der Erkrankten sich verändern“, berichtet Sandvoss. Auch die Auswirkungen der Erkrankung auf die Angehörigen wurden thematisiert.

„Immer wieder treffen wir pflegende Angehörige, die praktisch keine Zeit mehr für sich selbst haben. Diese Überbeanspruchung kann auf Dauer krank machen. Das würde kein Mensch mit Demenz seiner Familie zumuten wollen“, betont Sandvoss. Deshalb gehöre auch das Erkennen der eigenen Grenzen zum Inhalt des Seminars. „Und die Nachbarschaftshelfer entlasten ja nicht nur den Erkrankten, sondern auch die Familie.“

Das Land Schleswig-Holstein hat festgelegt, dass die Helfer in der Nähe wohnen und volljährig sein müssen und nicht in häuslicher Gemeinschaft mit der anspruchsberechtigten Person leben dürfen.

Personen, die bis zum zweiten Grad mit den Betroffenen verwandt oder verschwägert sind, wie zum Beispiel Kinder und Enkel, werden ebenfalls nicht als Helfer anerkannt.


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