Klassische Musik : Dem Renaissance-Klang auf der Spur

Kantor Thomas Hansen.
Kantor Thomas Hansen.

Nordfriesische Compagney spielt Musik der Renaissance in der St. Willehad-Kirche / 15 Vokalisten und Instrumentalisten aus SH und Hamburg

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13. Mai 2015, 05:00 Uhr

„Anfang und Ende“, so lautete das Thema des jüngsten Konzertes, das die im Jahre 2014 vom Kantor Thomas Hansen ins Leben gerufene, keinem Träger angehörende Nordfriesische Compagney am vergangenen Sonntagnachmittag in meisterlicher Manier in der Lecker St.-Willehadkirche darbot.

Die Überschrift bezog sich auf die sakrale Musik der Renaissance (um 1700), für deren Epoche – zwischen dem düsteren Mittelalter und strahlenden Barock – namhafte Musikwissenschaftler Claudio Monteverdi (1567-1643) als Vorreiter und Johann Sebastian Bach (1685-1750) als Vollender werten. Das Programm setzte sich deshalb aus Werken nur dieser beiden Komponisten zusammen.

Interpretiert wurden sie von insgesamt 15 Vokalisten und Instrumentalisten aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg, die sich mit ganzem Herzen der sakralen Musik der Renaissance verschrieben haben und honorarfrei proben und musizieren. Zum Einsatz kommen dabei originalgetreue Nachbauten von Instrumenten aus der frühbarocken Zeit, deren spezielle Bauweise einen historisch korrekten Klang bewirkt. In unterschiedlichsten Besetzungen spielten: Elke Holm und Kent Pegler von Thun (Blockflöten), Cornelia Kempf und Markus Pertiet (Violinen), Susanne Horn und Thomas Petersen-Anraad (Gamben), Thomas Rink (Fagott), Stefan Seidel (Theorbe) und Hartmut Friedel (Truhenorgel). Als Chor und Gesangssolisten agierten sauber intonierend: Carola Jäckel und Angela Karde (Sopran), Angie Henschen (Alt), Dietmar Steenbuck (Tenor), Michael Busse (Bariton) und – zugleich als Leiter des Ensembles - Thomas Hansen (Bass).

Alle Musizierenden bildeten einen wohltuend homogenen Klangkörper, innerhalb dessen jeder Mitwirkende seinen Part sicher meisterte, ohne sich – über seine Soloparts hinaus – in den Vordergrund zu drängen. Die Virtuosität ihres Spiels und Gesanges ließ auf einen enormen Übungsfleiß schließen. Der erste Teil des Programms bestand aus sieben Kompositionen von Monteverdi, ausgewählt aus allen drei Bänden seiner Hinterlassenschaft geistlicher Werke. Zum Auftakt erklang aus der faszinierenden „Marienvesper“ die „Sonata sopra Sancta Maria“, in der ein inniges Gebet von einem kunstvollen Orchestersatz getragen wird. Es folgten sechs kleinere Werke, darunter das geistliche Rezitativ „Ego dormio“, rhythmisch mitreißende Hymnen, geistliche Tänze sowie Sololieder und unmittelbar ins Ohr gehende Motetten.

Ständig wechselnde Szenarien und Wechsel der Rhythmen sorgten für viel Abwechslung beim Instrumentalspiel. Die Vokalsolisten wurden ihren Aufgaben ausnahmslos vollauf gerecht.

Als besondere musikalische Leckerbissen erwiesen sich das „Hohelied Salomos“, zelebriert von Angela Karde und Thomas Hansen, und die prächtige, mit ganzer Besetzung gestaltete Motette „Beatus vir“ über den Psalm 112.

Von Johann Sebastian Bach erklang zunächst die als „Actus tragicus“ titulierte Trauerkantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ für zwei Blockflöten, zwei Gamben und Continuo. Im Vergleich zur Musik des Monteverdi erscheint sie stärker intellektuell ausgerichtet und zeugte von einer erstaunlichen Reife des erst 22-jährigen Tonsetzers. Zu den besonders eindrucksvollen Beiträgen zählte die von Angie Henschen einfühlsam gesungene Alt-Arie: „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“

Den Abschluss des regulären Programms bildete das „Ricercar Nr. 2“, eine hochkomplizierte Fuge zu sechs Stimmen über das „königliche Thema“ aus dem „Musikalischen Opfer“ von Bach, mit dem Friedrich der Große einst Bachs Improvisationskünste auf die Probe stellen wollte. Dass sich das Instrumentalensemble in dem krausen rhythmischen Gestrüpp einmal kurz verhedderte, wird ihm niemand verübelt haben. Dafür spricht der lautstarke Schlussapplaus für das gesamte Konzert, der alle Mitwirkenden veranlasste, noch mit einer temperamentvollen Zugabe aufzuwarten.

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