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Nordfriesland Tageblatt

22. November 2017 | 10:28 Uhr

Sturm im Juni : Deichbau im Verzug

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Extreme Hochwasser überspülten den Schutzdeich der Baustelle. Montag beginnt die Intensiv-Bauphase.

shz.de von
erstellt am 02.Jul.2017 | 11:52 Uhr

„Wir sind heute besser als angekündigt davon gekommen“, sagt Dagebülls Bürgermeister Hans-Jürgen Ingwersen mit Blick auf die Regenfälle, die gestern über der aufstrebenden Tourismusgemeinde deutlich geringer als vorhergesagt ausfielen. Einige andere Starkregentage und vor allem auch einige Sturmtage im Juni haben allerdings dazu geführt, dass der Bau des zweiten Klimadeiches in Schleswig-Holstein in Verzug geraten ist. „Die hohen Wasserstände haben nicht nur den Brutvögeln an der Küste, sondern auch uns zu schaffen gemacht. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir den Rückstand in den kommenden Wochen wieder aufholen“, sagt Lutz Pfitzner, Projektleiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN).

Mitte April haben die Bauarbeiten des rund elf Millionen Euro teuren Küstenschutzprojektes begonnen. Aus dem Material des alten Deiches wurde zunächst ein so genannter Kajedeich an der Meereskante errichtet. Mit einer Krone von 3,2 Metern über Normal Null sollte dieser an sich die Baustelle, die Arbeiter und Maschinen vor sommerlichen Sturmfluten sichern. Doch an einigen Junitagen war es so stürmisch, dass die Nordsee den Kajedeich doch überspülte. Folge: Der provisorische Deich musste mehrmals geöffnet werden, damit das Wasser von der Baustelle zurück ins Meer laufen konnte. „Dafür mussten die Arbeiten jeweils über zwei Tiden ruhen“, sagt Hans-Jürgen Ingwersen. „Wir sind dabei, den Kajedeich mit Sandcontainern, großen, 1,5 Kubikmeter fassenden Sandsäcken, zu verstärken“, sagt Lutz Pfitzner.

Beim Rückbau des alten Deiches stießen die Bauarbeiter auf eine unschöne Überraschung. Sie fanden am unteren Rand der Betonplatten schmale Streifen aus Asbestzement, die beim Bau des alten Deiches in den 60er Jahren als Fugenmaterial verwendet worden waren. Dieses stark gebundene Material wurde laut Pfitzner mittlerweile von der Baustellen komplett entfernt und soll nun fachgerecht entsorgt werden.

Anfang der kommenden Woche soll mit der intensiven Bauphase des Klimadeiches begonnen werden. Täglich werden dann rund 2000 Tonnen Sand angeliefert, aus denen der Sandkern des neuen Deiches aufgebaut wird. Dafür werden in den kommenden Wochen 80 Lkw-Ladungen pro Tag das aus Kieskuhlen der Umgebung stammende Material an die Wasserkante bringen. Für eine sichere Anfahrt wurden Teile der Baustelle mit Zement zusätzlich verfestigt. Insgesamt werden 75  000 Kubikmeter Sand, 4000 Kubikmeter Schotter und 45  000 Kubikmeter Klei verbaut. Die Krone des neuen Deiches wird 7,95 Meter hoch sein, 35 Zentimeter höher als die des alten Deiches. Zum Meer hin wird der neue Schutzdeich deutlich flacher abfallen und dadurch zwölf Meter weiter in die Nordsee hinein geschoben werden. Dank der breiten Deichkrone gibt es eine Ausbau-Reserve, die ohne großen Aufwand eine weitere Erhöhung möglich macht. Und zwar auf eine Höhe, die dem erwarteten, durch den Klimawandel verursachten Anstieg des Meeresspiegels über Jahrzehnte standhalten wird. Diese Eigenschaft steht hinter der Bezeichnung Klimadeich. Im Herbst soll dieser fertig gestellt sein. Danach braucht der neue Deich bis zu 350 Tage, um sich zu setzen. Erst danach kann mit der rund drei Millionen teuren touristischen Aufwertung begonnen werden, zu der die Einrichtung einer attraktiven, barrierefreien Badestelle sowie der Bau einer beleuchteten Deichpromenade zählen.

In diesem und wohl auch im kommenden Sommer kann in Dagebüll nicht gebadet werden, dazu kommt die Baustelle an sich. Gibt es zum Start in die Hauptsaison darüber Beschwerden? „Mir ist bisher nichts bekannt. Auf die Baustelle und die fehlende Badestelle weisen die Vermieter und Hotels bei jeder Buchung hin“, sagt der Bürgermeister. Hafenbetriebsleiter Tim Kiekow hat sogar beobachtet, dass sich der Bau des Klimadeiches zu einem Anziehungspunkt für Touristen entwickelt. Demnächst sollen dann auch Baustellen-Führungen angeboten werden. „Dafür laufen gerade die Fortbildungen“, sagt Ingwersen.

Deutlicher als der Deichbau hinkt der Bau des Deichtorplatzes zeitlich hinterher, der sich an der Zufahrt zum Fähranleger zu einer Veranstaltungsfläche entwickeln soll. „Montag werden die Tribünen geliefert“, sagt der Bürgermeister. Für diese wurden in den vergangenen Tagen die Baugrube im Deich ausgehoben und die Fundamente gesetzt. Hans-Jürgen Ingwersen hofft, „dass es in diesem Sommer doch noch die ersten Veranstaltungen gibt.“  

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