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Ernte in Nordfriesland : Dauerregen verzögert Herbsternte

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die anhaltende Feuchtigkeit hat die Felder im Norden extrem aufgeweicht – auch in Südtondern/ Befahren momentan vielerorts nicht möglich.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 03:53 Uhr

Südtondern | Eigentlich müsste die Herbsternte längst eingebracht sein, aber die derzeitige Wettersituation macht das Befahren der Felder extrem schwierig. „Das Erntedankfest haben wir gefeiert, aber ohne Ernte“, sagt Wolfgang Stapelfeldt vom Kreisbauernverband Südtondern. „85 Prozent vom Mais steht noch auf den Feldern.“ In den letzten vier Wochen sei etwa ein Drittel der gesamten Jahresmenge an Niederschlag heruntergekommen, auf den Feldern stehen teilweise immer noch riesige Wasserlachen. Nun hoffen die Landwirte auf einen goldenen Oktober, denn damit die Felder wieder gut befahrbar werden, muss es mindestens zwei bis drei Wochen lang trocken sein. Ansonsten wäre eine Ernte nur mit teueren Spezialfahrzeugen möglich, wie sie bei den Lohnunternehmern der Region derzeit zum Einsatz kommen.

Wie zum Beispiel bei der Firma Thomsen aus Uphusum, die mit speziell umgebauten Kippmulden die Felder befährt. „Die Fahrzeuge stammen ursprünglich aus Dänemark, wurden für die Rübenernte gebaut und von uns so modifiziert, dass die Räder des Überladewagens mit angetrieben werden. Die Fahrzeuge sind kleiner, leichter – um etwa sechs Tonnen – und ermöglichen so ein bodenschonendes Befahren der nassen Felder“, erläutert Juniorchef Marwin Thomsen. Auch die Häcksler des Betriebes sind mit speziellen Raupenlaufwerken ausgestattet. Trotz alledem kommt es vor, dass die Fahrzeuge dieser Tage stecken bleiben. Dann kommen Schlepper und Seilwinde zum Einsatz, um die Trecker wieder aus dem Boden zu ziehen. Der größere Ernteaufwand ist natürlich auch mit höheren Kosten verbunden: Im Schnitt zahlt der Auftraggeber etwa 60 bis 70 Prozent mehr. „Wenn wir kein trockenes Wetter bekommen, haben wir ein Riesenproblem“, sagt Wolfgang Stapelfeldt. Zum einen wird der Mais dringend benötigt: Die eine Hälfte wird als Viehfutter gebraucht, die andere Hälfte landet in der Biogasanlage. Aber nicht nur das: Neben der Ernte, die nur unter erschwerten Bedingungen eingebracht werden kann, fällt auch die Herbstaussaat größtenteils aus. Wintergetreide wie Gerste, Weizen und Roggen kann nicht eingedrillt werden. Und das, was bereits gesät wurde, könnte auslaufen, also keine Keimlinge mehr bilden. Und noch ein Problem bringt das feuchte Wetter mit sich: Schnecken, genau genommen Ackerschnecken, die das, was jetzt schon an Keimlingen da ist, auffressen.

Wenn die Aussaat in diesem Herbst nicht mehr möglich ist, muss der Landwirt auf Sommergetreide umstellen. „Das ist aber ebenfalls mit Ertragseinbußen verbunden“, sagt Stapelfeldt. Ein Winterweizen liefere im Durchschnitt 80 bis 90 Doppelzentner pro Hektar, Sommerweizen, wie Hafer, liege im Schnitt bei 65 bis 70 Doppelzentner pro Hektar.

Einige Bauern in der Region, speziell um Galmsbüll herum, haben sich auf Saatkartoffeln spezialisiert, die die Basis für die Pflanzung im nächsten Frühjahr bilden. Auch diese Felder stehen komplett unter Wasser. Ist der Herbst so feucht, trocknen die Felder auch den Winter über nicht komplett ab und bereiten weiterhin Probleme, ist die Erfahrung von Wolfgang Stapelfeldt. „Das einzige, was uns retten kann, ist ein knackiger Winter mit Frost.“

Ausbleibende Ernte aufgrund der Witterung – mit diesen Risiken müssen die Landwirte Leben. „Wir können uns nicht dagegen versichern, das ist unser finanzieller Verlust.“ Bei dem einen oder anderen könne es da schön eng werden, wenn es vorher schon finanziell nicht zum Besten Stand. Denn nicht nur das, was an Ernte ausbleibt, bereitet einen finanziellen Verlust – es muss andernorts wieder dazugekauft werden.

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