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Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 09:45 Uhr

„Das war eine Riesensauerei“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine Feier zum 18. Geburtstag mit schmutzigen Folgen im Dorfgemeinschaftshaus erbost den Uphusumer Bürgermeister

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 12:55 Uhr

Ihren 18. Geburtstag werden zwei junge Frauen aus Südtondern so schnell nicht vergessen. Und auch Uphusums Bürgermeister Helmut Stender wird noch lange daran zurückdenken, obwohl er gar nicht dabei war. Er hat nur die Folgen der Feier zu Gesicht bekommen: „Ich bin wütend und enttäuscht. So, wie die jungen Damen das Gebäude hinterlassen haben, war das eine Riesensauerei.“

Alles begann mit einem Telefonat. Eine junge Frau aus Niebüll habe angefragt, ob sie das Dorfgemeinschaftshaus in Uphusum mieten könne, um gemeinsam mit einer Freundin aus Risum-Lindholm den 18. Geburtstag zu feiern, berichtet Bürgermeister Stender. Allerdings: „In der Regel vermieten wir nicht an Auswärtige.“ Es würden höchstens 60 Personen mitfeiern, die Eltern wären dabei, die Großeltern wohnten im Nachbarort: „Diese Argumente schafften Vertrauen, ich habe mich bequatschen lassen“, sagt der Gemeindechef im Nachhinein.

Eine Entscheidung, die er bald bereuen sollte. Am Montag nach der Feier habe ihn der Betreuer des Gemeindehauses „erschüttert“ angerufen. Stender machte sich umgehend auf und sich selbst ein Bild von dem Zustand: Im gut 100 Quadratmeter großen Saal seien Tische, Sitzpolster und vor allem der Boden klebrig und verschmutzt gewesen. „Sogar bis auf die freiliegenden Deckenbalken waren die Getränke gespritzt“, erinnert sich der Bürgermeister, der unzählige Fotos auf seinem Laptop gespeichert hat. Auch Toilette, Flur und Küche seien alles andere als „besenrein“ gewesen – so hätte das Dorfgemeinschaftshaus laut Vereinbarung übergeben werden sollen.

Dass die Party offensichtlich aus dem Ruder gelaufen sei, erachtet Stender nicht einmal als das Schlimmste: „Persönlich betroffen bin ich nicht nur wegen des furchtbaren Zustands des Dorfgemeinschaftshauses. Völlig unverständlich finde ich die Art, wie Sie selbst mit der Sache umgehen“, hat er in einem Brief an die beiden Mieterinnen geschrieben. Denn die jungen Damen hätten einfach nach der Party die Tür abgeschlossen, den Schlüssel in den Briefkasten geworfen und kein Sterbenswörtchen gesagt. „Am nächsten Tag wäre es das Mindeste gewesen, mich zu informieren, in welchem Zustand sich der Saal befindet.“ Hätte man schon am Sonntagvormittag mit der Reinigung begonnen, hätte der Schaden erheblich gemindert werden können, ist die Überzeugung des Bürgermeisters. Das sei jedoch nicht geschehen und die Verschmutzung am Montag völlig angetrocknet und verkrustet gewesen.

Inzwischen glänzt der Boden wieder, als wäre nichts geschehen. Das jedoch hat laut Bürgermeister Stender die Reinigungskraft der Gemeinde und eine Hilfe etliche Stunden Arbeit gekostet. „Insgesamt 60 Stunden waren dazu nötig, mit einem Stundensatz von 12,50 Euro netto.“ 70 Euro Miete kostet die Benutzung eigentlich – für den Spezial-Putzeinsatz hat die Gemeinde den beiden 18-Jährigen 750 Euro in Rechnung gestellt. Eine stolze Summe, die aber laut Helmut Stender berechtigt ist. Allein der Saalboden habe auch nach fünfmaligem intensiven Reinigen noch geklebt, die Mischung aus Matsch, Mixgetränken und Konfetti habe mit einem Spachtel abgetragen werden müssen.

Die Feier des Anstoßes hat bereits Mitte Januar stattgefunden. Seitdem hat es unter anderem ein Treffen gegeben, bei dem sich die jungen Frauen entschuldigen wollten. Doch besänftigt hat das den Bürgermeister nicht, denn eine Angehörige der Niebüller Familie zweifelt bis heute an der Richtigkeit der 60 Arbeitsstunden. „Dabei haben wir nur die tatsächlichen Lohnkosten und nicht einmal die Arbeitgeberkosten berechnet“, sagt Stender.

Die Rechnung von 750 Euro hätten die beiden 18-Jährigen inzwischen je zur Hälfte beglichen. Doch die Sache sei für die Familienangehörige noch nicht vorbei, die habe sich nun privat an die Reinigungskraft („auf dem Dorf kennt man sich halt“) gewandt und von ihr eine detaillierte Auflistung ihrer Putztätigkeiten nach der Feier verlangt.

„Ich hätte sofort Strafanzeige wegen Sachbeschädigung stellen und eine Firma mit der Reinigung beauftragen sollen“, sagt Helmut Stender heute. Diese Verfahrensweise rate er auch seinen Bürgermeisterkollegen, sollten sie Ähnliches erleben.

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