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Aus dem gericht : „Das war Eifersucht von meiner Seite“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zerstochene Reifen, zerschlagene Möbel und SMS-Lawinen: Vor dem Amtsgericht wurde jetzt das dramatische Ende einer Beziehung verhandelt.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 13:00 Uhr

Eifersucht, Gewalt und Alkohol – an dieser giftigen Mischung zerbrach im vergangenen April die Beziehung eines Paares aus Leck. Jetzt wurden die Ereignisse vor dem Amtsgericht in Niebüll aufgearbeitet: Ein 45-Jähriger musste sich wegen Sachbeschädigung und körperlicher Misshandlung seiner Ex-Freundin verantworten. Dabei war es nicht nur das gewaltsame Ende einer Beziehung, das der Vorsitzende Richter Dr. Jan Hendrik Weigelt am Mittwoch zu bewerten hatte, im Zentrum der Verhandlung standen die gefährlichen Ausbrüche des enttäuschten Liebhabers, der seine Ex-Partnerin nach dem Liebesaus nicht in Ruhe lassen konnte.

Die Wende in der Beziehung zwischen Ulrike K. und Martin G.* – darin waren sich Angeklagter und seine Ex-Freundin vor Gericht einig – war eine Gartenparty im Umland. „Ich habe mich dort kurz mit meinem damaligen Ex-Freund unterhalten – das muss ihn in Rage versetzt haben und plötzlich war Martin weg“, erinnerte sich Ulrike K. Schließlich habe auch sie die Feier verlassen und sei zurück in ihre Wohnung gefahren. Dort fand die 36-Jährige den Angeklagten schlafend auf dem Sofa. Offenbar hatte der Mann zuvor die Wohnungstür eingetreten und sich so Zugang verschafft. „Vor ihm stand eine leere Flasche Sternmarke, da habe ich ihn schlafen lassen – ein Gespräch wäre in dieser Situation sinnlos gewesen.“ Danach legte K. sich in ihr Bett. Kurz darauf endete ihre Nachruhe abrupt : „Er hat sich über mich gebeugt und schrie mich an.“ Daraufhin habe Martin G. sie mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und mit viel Kraft festgehalten, erinnerte sich die Zeugin sichtlich angespannt. Anschließend sei es zu einem Gerangel gekommen, der Freund habe geschrien, eine Schrankwand zertreten und schließlich mit der Faust ein Loch in die Wand geboxt. Nach mehreren Stunden habe der Betrunkene dann die Wohnung verlassen.

Als Ergebnis dieses Abends trug die 36-Jährige mehrere Blutergüsse an Armen, Beinen und im Gesicht davon. „Ein Hämatom hat mir auch auf den Sehnerv gedrückt.“ In der Folge war die berufstätige Frau über zwei Wochen krankgeschrieben und ließ sich auch psychologisch betreuen. Nach dieser Nacht sei die Beziehung beendet gewesen, sagte Ulrike K. Trotzdem schrieb der Angeklagte weiterhin SMS und Whatsapp-Nachrichten, wie Richter Weigelt anhand der Gerichtsakten belegte. 95 Prozent der Mitteilungen im Nachrichtenwechsel seien damals von dem Angeklagten ausgegangen. Der Arbeitslose sendete unter anderem Drohbilder von sich, trug dabei Sonnebrille und Mütze. Einmal zerstach er der 36-Jährigen die Autoreifen. Schließlich suchte Martin G. seine Ex-Freundin über die nächsten Monate immer wieder auf. So überraschte er etwa Ulrike K., als sie mit Bekannten im Hof ihres Mietshauses saß. Ein Zeuge: „Er ist direkt auf uns zu gekommen, hat sich einen Stuhl geschnappt, sich gesetzt und dann sofort den Tisch umgeworfen.“

Der 45-Jährige begründete seine Aktionen mit einer angeblichen Versöhnung und Plänen für eine gemeinsame Wohnung, die Ulrike K. habe platzen lassen. Das Opfer dazu vor Gericht: „Er hat immer viel geredet und geschrieben, ich habe irgendwann nicht mehr widersprochen. Ich wollte Ruhe.“

Der Angeklagte Martin G. zeigte sich vor Gericht geständig, gab zu an dem Abend im April, als die Wohnungstür zu Bruch ging, „sehr betrunken“ gewesen zu sein. „Nachdem ich von der Party weggefahren bin habe ich mir einen reingehauen – das war Eifersucht von meiner Seite.“ Der 45-Jährige gab an, seit dem endgültigen Kontaktabbruch im Sommer ein Anti-Gewalttraining zu besuchen. Zudem machte er glaubhaft, den entstandenen Schaden in Wohnung und Haus seiner Ex-Freundin bereits jetzt in Raten zu begleichen und die Taten zu bereuen. „Mein Verhalten ging gar nicht.“

Das Verfahren endete am Mittwoch mit einem Schuldspruch für den Angeklagten: Richter Dr. Jan Hendrik Weigelt verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 1400 Euro und ein Schmerzensgeld von 600 Euro. Zusätzlich muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen.

 

* Namen von der Redaktion geändert

 

 

 

 

 

 

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