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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 17:33 Uhr

Guter Zweck : „Das schaffst du nie!“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Durch die „Mensch des Jahres“-Ehrung 2013 bekam Kandidat Dirk Hansen aus Leck die Chance für einen Start beim „Ostseeman“-Triathlon.

„3,8 Kilometer schwimmen? Das schaffst du nie.“ Diesen Satz bekam Dirk Hansen (49) nicht nur von anderen zu hören. „Ich selber glaubte auch nicht dran.“ Denn: „Ich kann nicht schwimmen. Ein bisschen auf dem Rücken und hin- und herpaddeln. Mehr nicht.“ Und doch riskierte er, was nicht einmal er für möglich gehalten hätte: am „Ostseeman“ in Glücksburg teilzunehmen. Für sich – aber auch für einen guten Zweck. Kein Spaziergang, denn neben den 3,8 Kilometern durch das nasse Element sind ein Marathon sowie 180 Kilometer Radfahren zu bewältigen. „Niemand hat daran geglaubt, dass ich soweit komme.“

Was spornte den Freizeitsportler, der am liebsten große Strecken wandert (Nepal, der Mont Blanc und die Sahara waren nur einige seiner Ziele), dieses Mal an? 2013 war Dirk Hansen einer von vier Mensch-des Jahres-Kandidaten des Nordfriesland Tageblatt. Bei einem abschließenden Empfang im Amt Südtondern zu Ehren der Vier lernte er Ralf Höpfner, Leitung Public Relations der Flensburger Brauerei, kennen. Dirk Hansen plante, wie schon in der Vergangenheit, für einen guten Zweck zu laufen und warb um Unterstützung. Mit Erfolg. Das Unternehmen fand einen Weg. „Sie sponserten mir einen Startplatz beim Ironman ,Ostseeman‘ am vergangenen Wochenende in Glücksburg und versprachen, mir für jeden geschafften Kilometer einen Euro für einen wohltätigen, sportlichen Zweck zu spenden.“ Das Problem war die Schwimmstrecke. Dirk Hansen wollte lernen, ging nach Niebüll ins Schwimmbad. Als er aus dem Wasser stieg, runzelte der Trainer die Stirn. „Wo willst du mitmachen? Beim Ostseeman? Das hat keinen Sinn“, lautete die Prognose. „Versuch es mal mit Schach“, kam aus einer anderen Ecke.

„Man kann etwas erreichen, wenn man will“, war schon seit jeher seine Devise, und so nahm Dirk Hansen zehn Stunden bei einer Schwimmlehrerin. „Aber ich war faul, habe nie viel geübt. Mein Plan war: Versuche es mit Kraulschwimmen, wenn es nicht geht, mit Brust- und dann mit Rückenschwimmen.“ Für die Radstrecke kaufte er sich eigens ein Rennrad und trainierte.

Als der große Tag schließlich kam, stiegen die Zweifel. „Ich dachte nur: Wenn ich das mit dem Schwimmen nicht schaffe, kommen nicht einmal zwei Euro zusammen.“ Für seine Premiere waren zwei Weggefährten vom „Marathon des Sables“ in der Sahara angereist und machten ebenfalls mit. „Wir meldeten uns an, und da wusste ich: Jetzt kann ich nicht mehr aussteigen.“ Dirk Hansen versuchte, sich zu entspannen. Um 3.30 Uhr klingelte der Wecker, Start war um 7 Uhr mit dem Schwimmteil. Er ging als einer der Letzten ins Fördewasser. „Schon nach den ersten drei bis vier Kraulzügen wusste ich: So wird das nichts“, erinnert sich der Sportler. Also entschied er sich, die Strecke auf dem Rücken liegend zu bewältigen. „Der Nachteil war: Ich konnte nichts sehen, wusste nicht immer, ob ich noch auf Kurs war. Aber dabei half mir die DLRG aus Glücksburg.“ Ein weiterer Vorteil: „Ich habe keine Quallen geschluckt. Und zugute kam mir auch, dass das Wasser ruhig war.“ Dirk Hansen erreichte sein Ziel – in 1:59:01. „Ich kam aus dem Wasser raus und war nur glücklich, es geschafft zu haben. Ich hatte Tränen vor Freude in den Augen, weil ich das Wasser überlebt hatte.

Für den Marathon benötigte er fünf Stunden, 27 Minuten, 11 Sekunden, das Radfahren bewältigte er in 6:38:08. Insgesamt schaffte er die Herausforderung in 14 Stunden, 34 Minuten und 23 Sekunden. Das reichte für Platz 404 von 554 Startern.

„Es war schön, es war richtig toll“, schwärmt Dirk Hansen, meint damit auch die Organisation und das DLRG-Team, das ihm immer wieder Mut zugesprochen hatte. Das erkämpfte Geld, rund 226 Euro, ist für einen Schulwandertag gedacht. Kontakt mit den Wanderfreunden Leck hat er bereits aufgenommen, jetzt folgen die Schulen. „Alkoholfreie Getränke werden ebenfalls von der Brauerei gesponsert.“

„Du musst noch einmal teilnehmen, um dir selber die Zeiten bestätigen zu lassen“, riet ihm ein Freund. Dirk Hansen sieht das anders: „Ich muss Niemandem mehr etwas bestätigen.“ Und dann fügt er lachend hinzu: „Der liebe Gott wird für mich nicht noch einmal das Wasser bügeln.“ Seinen Schwimmanzug hat er verkauft. Das Angebot, einen Schwimmkursus zu besuchen, hat er abgelehnt. „Kraulen lerne ich mit fast 50 Jahren nicht mehr.“ Dankbar ist er, dass der Sponsor ihm die Teilnahme ermöglicht hat. „Es war ein traumhaftes Erlebnis.“ Und: „Es war richtig, nicht zu wissen, was mich da erwartet.“

 

 

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erstellt am 09.Aug.2014 | 09:00 Uhr

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